Campus 07.05.2026

„Wer in diesem Land die Arbeit macht“ – Besondere Ausstellung

Fulda (pn) – Mit einer eindrucksvollen Ausstellung in der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek am Campus der Hochschule Fulda ist am Mittwochnachmittag ein Perspektivwechsel gelungen: Unter dem Titel „Wer in diesem Land die Arbeit macht“ rückt die Ausstellung Menschen in den Mittelpunkt, die im Alltag oft übersehen werden. Bei der Eröffnung mit anschließender Podiumsdiskussion drehte sich somit die Diskussion um die Frage, wie unsere Gesellschaft die unsichtbaren Helden des Alltags besser würdigen kann.

Foto: Paula Nöllenheidt

Gezeigt werden zwölf Porträts des Künstlers Daniel Lienhard, die Menschen in prekären Arbeits- und Lebenssituationen darstellen, darunter Pflegekräfte, Erntehelfer, Migranten und Geflüchtete. Die Besonderheit: Die Figuren sind wie Heilige inszeniert. Eine bewusst gewählte Darstellung, die zum Nachdenken anregen soll. Die Ausstellung steht im Zusammenhang mit der Kampagne „Eine Welt. Keine Sklaverei.“ und ist bis zum 2. Juni in der Bibliothek zu sehen.

Silvia Köhler vom Dezernat Weltkirche im Bistum Fulda stellte die zentrale Botschaft heraus: „Die Menschen auf den Bildern befinden sich in Situationen, die auf den ersten Blick nicht heilig wirken – und doch werden sie genau so dargestellt.“ Anders als klassische Heilige hätten sich diese Menschen ihre Lebensumstände meist nicht ausgesucht. „Viele arbeiten unter Bedingungen, die von Unsicherheit oder ausbeutenden Arbeitsumständen geprägt sind“, so Köhler. Die Ausstellung stelle daher die Frage nach Würde und Anerkennung: „Wenn Menschen frei wählen könnten, welche Arbeit sie ausüben, hätten diese Tätigkeiten einen ganz anderen Wert.“

Auch die Kanzlerin der Hochschule, Dr. Anke Günther, griff diesen Gedanken auf. Arbeit erscheine oft selbstverständlich, doch die Bedingungen dahinter blieben häufig verborgen. Die Ausstellung lade dazu ein, genauer hinzusehen, insbesondere auf Menschen, die sonst kaum öffentliche Wertschätzung erfahren. Zugleich hob sie die Rolle der Bibliothek als offenen Ort hervor: „Solche Räume der Begegnung, des Austausches neuer Perspektiven und Räume, die offen für alle sind, brauchen wir.“

Im Anschluss wurde die Thematik in einer Podiumsdiskussion vertieft. Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedensten Bereichen beleuchteten das Thema dabei aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Nadine Schupp, Referentin des Caritas-Verbandes, berichtete aus ihrer Arbeit mit den Menschen, die von Unsicherheit und sozialer Ungleichheit betroffen sind. Lukas Henke, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fulda, brachte die Perspektive von Handwerksbetrieben ein, während Professorin Dr. Anne Walter die rechtlichen Grundlagen von Arbeitsmigration erläuterte. Ergänzt wurde die Runde durch Zeynel Sayman, Betriebsratsvorsitzender der Papierfabrik Jass, der aus eigener Erfahrung über Arbeitsrealitäten und Migration sprach. Im Anschluss wurde zudem der Dialog mit dem Publikum gesucht, das sich mit Fragen und Beiträgen aktiv beteiligte. 

Ausstellungseröffnung „Wer in diesem Land die Arbeit macht". Fotos: Paula Nöllenheidt