Schon früh war in der Vertreterversammlung spürbar: Die Entscheidung war längst gefallen. Kritik oder Gegenstimmen blieben aus, stattdessen dominierten Zuversicht, strategische Argumente und immer wieder emotionale Appelle. „Für uns war es eine Vernunfts-, aber auch Herzensentscheidung“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Burkard. Vorstand und Aufsichtsrat stünden „zu hundert Prozent“ hinter der Fusion.
Auch das Vorstandsteam um Thomas Sälzer, Torsten Hopf und Sebastian Emmert warb eindringlich für den Zusammenschluss. Immer wieder fiel dabei der Begriff „Zukunft“. Man wolle nicht abwarten, sondern „aktiv gestalten“, betonten die Vorstände. Digitalisierung, regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel und veränderte Kundenerwartungen machten größere Strukturen notwendig.
Besonders eindrücklich zeichnete das Vorstandsteam dabei das Bild einer Bankenlandschaft im Wandel. Mit Blick auf die immer größer werdenden Volksbanken in Hessen verwiesen die Verantwortlichen auf die Frankfurter Volksbank und die Volksbank Mittelhessen. Würden diese weiter expandieren oder fusionieren, gerate die VR Bank Fulda zunehmend zwischen die Fronten. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, „aus einer Position der Stärke“ zu handeln.
Die Zahlen der geplanten neuen Bank verdeutlichen die Dimension des Vorhabens: Rund 86.000 Mitglieder, 910 Mitarbeitende, 53 Standorte und ein betreutes Kundenvolumen von mehr als 30 Milliarden Euro soll die neue VR Regionalbank künftig auszeichnen. Das Geschäftsgebiet reicht dann vom Main-Kinzig-Kreis über Fulda bis nach Thüringen. Vorstand Sebastian Emmert sprach von einem „wachsenden Wirtschaftsraum mit besten Entwicklungschancen“, in dem die neue Bank weiterhin „Partner der Region“ bleiben wolle.
Trotz der Größe versuchten die Verantwortlichen immer wieder, mögliche Sorgen vor Veränderungen zu nehmen. Es werde keine fusionsbedingten Filialschließungen geben, betonte der Vorstand mehrfach. Auch betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen. Die bekannten Ansprechpartner vor Ort blieben erhalten, ebenso die regionale Vereinsförderung. Gleichzeitig kündigte die Bank an, Servicezeiten auszubauen und Beratungsangebote stärker zu spezialisieren. Auch eine Stiftung der VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen könnte künftig soziale Projekte im bisherigen Geschäftsgebiet der VR Bank Fulda fördern.
Eine wichtige Änderung wird allerdings viele Kunden direkt betreffen: Kundinnen und Kunden der VR Bank Fulda erhalten künftig neue IBAN-Nummern. Hintergrund ist, dass die VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen technisch die aufnehmende Bank sein wird. Alte Kontodaten sollen allerdings über Jahre hinweg weiterhin funktionieren.
Neben den strategischen und wirtschaftlichen Argumenten setzte die Bank während der gesamten Präsentation bewusst auf Emotionen und Heimatverbundenheit. In einem eigens produzierten Imagefilm fielen Sätze wie „Partner der Region“, „Unsere Heimat“ oder „Nah bei den Menschen, stark für die Region“. Die neue Bank solle trotz ihrer Größe regional verwurzelt bleiben.
Auch formal wurde die Fusion ausführlich vorbereitet. Vertreterdialoge, Informationsschreiben und ein digitales Vertreterportal begleiteten den Prozess seit Monaten. Der Verschmelzungsvertrag regelte unter anderem die künftige Struktur der Bank, die Zusammensetzung des Aufsichtsrates sowie Arbeitnehmerrechte. Der Sitz der neuen VR Regionalbank wird in Fulda liegen, geführt wird sie künftig von einem sechsköpfigen Vorstandsteam aus beiden Häusern.
Parallel zur Fusionsentscheidung bestätigte die Vertreterversammlung den kompletten bisherigen Aufsichtsrat im Amt. Patricia Fehrmann, Michael Herber, Veit Küllmer, Elke Vollkommer, Jochen Seipel und Dr. Dietmar Schultheis wurden jeweils einstimmig wiedergewählt. Auch Vorstand und Aufsichtsrat erhielten zuvor ohne Gegenstimme Entlastung.
Zudem verabschiedete die Vertreterversammlung den Jahresabschluss 2025 einstimmig. Die Bank erzielte einen Jahresüberschuss von rund 3,43 Millionen Euro. Die Mitglieder dürfen sich erneut über eine Dividende von vier Prozent freuen.
Bevor die Fusion endgültig vollzogen wird, stehen nun noch weitere formale Schritte an. Dass daran ernsthaft gezweifelt wird, war an diesem Abend allerdings zu keinem Zeitpunkt zu spüren. Als schließlich über die Verschmelzung abgestimmt wurde, erhoben sich im Saal nahezu geschlossen die Stimmkarten – Gegenstimmen gab es keine.
Die finale Entscheidung über die geplante Fusion steht allerdings noch aus: Erst mit einer Zustimmung der Vertreterversammlung der VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen am kommenden Donnerstag wäre der Zusammenschluss beider Banken endgültig beschlossen.
