Es war ein kurzweiliger Abend im vollbesetzten Ulstersaal. Dirigent Martin Kram hatte, wie der erste Vorsitzende Mathias Scheer es ausdrückte, „im Notenarchiv gekramt”, um Stücke aus den vielen vergangenen Jahrzehnten zu präsentieren. In kurzem Pausen zwischen der Musik führte Scheer gemeinsam mit seinem Stellvertreter Lukas Gilbert durch die lange Geschichte. Einige Highlights gab es in beispielsweise in den 1980er Jahren: Auch wenn aus dem geplanten Auftritt bei der Steubenparade in New York wegen der Reisekosten nichts wurde – immerhin spielte der Verein mehrmals beim Oktoberfest-Umzug und einmal vor zehntausenden Zuschauern vor einer Party von Bayern München im Olympiastadion. Schuld daran, warum schon länger nicht mehr in München gespielt wird, gab Scheer einem „Aushilfsdirigenten”, der vor der Ehrentribüne mit dem bayrischen Ministerpräsidenten ausgerechnet „Preußens Gloria” habe aufspielen lassen.
Schon vor der Gründung 1886 berichten alte Quellen von musikalischen Aktivitäten in der Rhöngemeinde. Nach Vereinsgründung waren es schon nach kurzer Zeit über 30 Musiker – eine Zahl, die seitdem, von einer Krisenzeit nach dem zweiten Weltkrieg abgesehen, selten unterschritten wurde und die fast durchgängig die hohe musikalische Qualität gewährleistete. Aufgeführt wurden in den ersten Jahrzehnten, neben der sich bis heute bestehenden Begleitung kirchlicher Feste, auch Opern und Operetten. Seit nunmehr über sechzig Jahren besteht auch ein Jugendorchester, wenn auch mit Unterbrechungen – der Erfolg zeigte sich auch daran, dass am Jubiläumsabend drei Mitglieder daraus in die Trachtenkapelle aufgenommen wurden.
Zur Trachtenkapelle wurde der Musikverein Hilders dann 1980 – als zweiter Verein in der Region wurde sich entschieden, in Rhöner Tracht aufzutreten. Von Stolz berichtet die Chronik darüber, dass Hosenträger von Musikerfrauen und -freundinnen handgestrickt wurden. In den neunziger Jahren trat der Verein noch national, international und auch im Fernsehen auf. Auch wenn er heute seine Auftritte weitestgehend in der Region hat, liegt das, wie die Trachtenkapelle während des Abends eindrucksvoll bewies, nicht an der Qualität der musikalischen Darbietung. Neben Blasmusik spielten während der Veranstaltung auch Alphornbläser, und Karolina Spiegel begleitete gemeinsam mit Martin Kram manche Stücke gesanglich.
Bürgermeister Ronny Günkel war entsprechend begeistert, auch über „vierzehn Jahrzehnte voller Klang, Leidenschaft und Gemeinschaft in ihrer besten Form”. Die vielen Veranstaltungen des Vereins mit Teilnahme an den Festen und Benefizkonzerten würden das gesellschaftliche Leben in Hilders mit prägen: „Ihr seid der lebende Beweis für Gemeinschaft und en funktionierendes Ehrenamt, das das gleiche Ziel verfolgt: Menschen zusammenbringen und ihnen eine schöne Zeit bereiten.”
