Tischtennis 03.05.2026

Team-WM - Nach Japan-Coup: Deutschland unterliegt Frankreich

London (rg) - Der WM-Auftakt hätte kaum spektakulärer sein können, die Fortsetzung fiel für die deutschen Herren ernüchternder aus. Nach dem umjubelten 3:2-Erfolg gegen Japan mussten sich die DTTB-Asse bei der Team-WM in London am Abend Europameister Frankreich geschlagen geben. Die große Überraschung aber geschah zeitgleich am Nebentisch. Serien-Weltmeister China unterlag Südkoreas Herren mit 1:3 und zeigte damit die Verwundbarkeit der Generation nach Superstar Fan Zhendong. Es war ihre erste Niederlage bei einer WM nach 26 Jahren.

Dimitrij Ovtcharov. Foto: Christine Görlich

 

Doch zurück zum deutschen Spiel: Gegen den WM-Zweiten und Olympia-Dritten von 2024 mit den Lebrun-Brüdern Félix und Alexis sowie Simon Gauzy zeigte Deutschland phasenweise erneut seine Klasse, fand aber nicht die gleiche Durchschlagskraft wie wenige Stunden zuvor. Bereits im EM-Halbfinale 2025 in Zadar hatte es gegen das Trio eine 1:3-Niederlage gegeben, und auch diesmal erwies sich Frankreich als der zwingendere Gegner, der seinen eigentlichen Dreier Gauzy im oberen Paarkreuz aufgeboten hatte.

 

Duda bringt Deutschland gegen Gauzy in Führung

Die Partie begann vielversprechend für die Mannschaft des Bundestrainer-Duos Jörg Roßkopf und Lars Hielscher. Benedikt Duda brachte Deutschland mit einem 3:1 gegen Gauzy in Führung und knüpfte an seine starke Form aus dem Japan-Spiel an. Doch im Anschluss drehten die Franzosen die Begegnung. Dang Qiu unterlag dem Olympia-Dritten Félix Lebrun. Dimitrij Ovtcharov musste sich Europameister Alexis Lebrun geschlagen geben. Frankreich nutzte seine Chancen konsequent und konnte in den entscheidenden Situationen trotz des langen Turniertags zulegen.

Das DTTB-Trio hatte seine starken Phasen, die Lebrun-Brüder aber agierten insgesamt stabiler und abgeklärter. Für die deutschen Herren ist die Niederlage kein Rückschlag im eigentlichen Sinne. Der Sieg gegen Japan hat eindrucksvoll gezeigt, wozu diese Mannschaft in der Lage ist. Um zwei solche Topmannschaften am selben Tag zu schlagen, fehlte es zum WM-Auftakt der Top-8-Gesetzten an der nötigen Konstanz.

 

Roßkopf: „Wir können die Franzosen schlagen. Daran glauben wir“

„Es war ein schweres Spiel gegen Frankreich. Félix Lebrun ist ein überragender Spieler und die Franzosen haben eine gute Mannschaft“, erklärte Bundestrainer Jörg Roßkopf. „Das Entscheidende war, dass wir heute zwei Spiele auf einem extrem hohen Niveau hatten. Die Franzosen hatten längere Regenerationsphasen und einfachere Spiele. Jetzt heißt es gut regenerieren. Gegen Taiwan ist es morgen ein wichtiges Spiel.“ Die Bilanz des Doppel-Weltmeisters von 1989 nach Tag eins: „Im Endeffekt war es heute ein guter Tag. Wir haben mit Japan eine tolle Mannschaft geschlagen und gegen Frankreich verdient verloren. Wir können die Franzosen schlagen. Daran glauben wir.“

 Am Sonntag steht der übliche WM-Umfang mit nur einem Spiel auf dem Programm. Zum Abschluss der Gruppenphase 1A trifft das Roßkopf-Quintett um 18 Uhr auf den WM-Dritten von 2024, Taiwan.

 

Nach der Niederlage gegen Südkorea: „Die Chinesen suchen noch ihre Form“

 DTTB-Sportvorstand Richard Prause war beim China-Spiel gegen Südkorea auch von der Aufstellung überrascht, spielte das Reich der Mitte ohne den Weltranglisten-Ersten Wang Chuqin. Die Südkoreaner schonten ihren Einser Jang Woojin. Auch das 1:3 ließ aufhorchen, die erste WM-Niederlage seit dem letzten Titelgewinn der goldenen Generation der Schweden im Jahr 2000. „Die Chinesen suchen noch ein bisschen ihre Form und sind ohne ihren Spitzenspieler angreifbarer“, so Prause. „Wir wissen, dass die WM ein langes Turnier ist. Ich bin gespannt auf die Aufstellung der Chinesen gegen Schweden am Sonntag. In der K.-o.-Phase gilt es, sich von Runde zu Runde zu steigern. Das gilt für unsere Mannschaft, das gilt für Japan und auch für China.“ 

 

Deutschland – Frankreich 1:3
Benedikt Duda - Simon Gauzy 3:1 (10,-8,9,5)
Dang Qiu - Félix Lebrun 1:3 (-7,10,-6,-4)
Dimitrij Ovtcharov - Alexis Lebrun 1:3 (11,-6,-5,-6)
Duda - F. Lebrun 0:3 (-8,-10,-6)

 

Deutschland – Taiwan 18 Uhr, Tisch 4

 Team Taiwan (Team-WR: 7, WM-Bronze 2024)

  • Lin Yun-Ju (WR 7, 24 Jahre, Linkshänder, größte Einzel-Erfolge: Olympia-Vierter 2020, World-Cup-Bronze 2026 und 2019, Silber Singapore Smash 2026)
  • Feng Yi-Hsin (WR 73, 23 Jahre, Rechtshänder, Verein: TTC Zugbrücke Grenzau, größte Einzel-Erfolge: Bronze WTT Contender Lima 2024 und U19-WM 2019)
  • Kuo Guan-Hong (WR 83, 17 Jahre, Linkshänder, größte Einzel-Erfolge: Bronze WTT Contender Muscat 2025 und Singapore Youth Smash 2025)
  • Hung Jing-Kai (WR 138, 18 Jahre, Rechtshänder, größte Einzel-Erfolge: Bronze U19-Asien-Meisterschaften 2025)
  • Hsu Hsien-Chia (WR 252, 17 Jahre, Rechtshänder, größter Einzel-Erfolg: Bronze China Youth Smash 2025)

 

Letzter Vergleich:
WM: Deutschland - Taiwan 0:3, Viertelfinale in Busan 2024

 

Herren-Vorrunde 1A, Gruppe 2, 1. Gruppenspiel
Deutschland – Japan 3:2

Dang Qiu - Sora Matsushima 3:0 (12,3,3)
Benedikt Duda - Tomokazu Harimoto 2:3 (-4,10,-8,8,-5)
Patrick Franziska - Shunsuke Togami 2:3 (5,-1,-9,5,-5)
Qiu - Harimoto 3:0 (9,9,10)
Duda - Matsushima 3:1 (5,-6,8,7)

 

2. Gruppenspiel
Deutschland – Frankreich 1:3

Benedikt Duda - Simon Gauzy 3:1 (10,-8,9,5)
Dang Qiu - Félix Lebrun 1:3 (-7,10,-6,-4)
Dimitrij Ovtcharov - Alexis Lebrun 1:3 (11,-6,-5,-6)
Duda - F. Lebrun 0:3 (-8,-10,-6)