Fünf Tage nach dem WM-Auftakt-Match mussten sich Benedikt Duda, Dang Qiu und Patrick Franziska mit 1:3 der Nummer vier der Team-Weltrangliste geschlagen geben, die am frühen Donnerstagnachmittag in der OVO Arena Wembley übermächtig war. Noch lange nach Spielende, als sich die Zuschauerränge längst geleert hatten, standen die deutschen Herren mit dem Bundestrainer-Duo Jörg Roßkopf und Lars Hielscher an der Centercourt-Box in der abgedunkelten Halle zusammen und besprachen ihre bittere Niederlage. Der Maberzeller Dimitrij Ovtcharov kam nicht zum Einsatz.
„So direkt nach dem Spiel sind wir natürlich alle extrem enttäuscht und leer, weil wir eigentlich auf einem sehr hohen Level gespielt haben. Aber die Jungs sollen wissen, dass sie eine tolle WM gespielt haben und darauf stolz sein können. Wir müssen daran arbeiten, dass wir noch einen Tick konstanter sind und uns eine bessere Setzung erarbeiten, um solchen Spielen aus dem Weg zu gehen“, gibt Coach Roßkopf Einblick in seine Ansprache nach Spielende. Dang Qiu beschrieb: „Wir haben uns gegenseitig getröstet. Die Perfomance war gar nicht viel schlechter als vor fünf Tagen. Nur war das Ergebnis ein anderes. Das war ein krankes Spiel von den Japanern. Die waren einfach echt stark.“
Duda: „Harimoto hat wirklich fehlerlos gespielt, absolut phänomenal“
EM-Finalist Benedikt Duda fand gegen den vom ersten Ballwechsel an dominierenden Weltranglisten-Dritten Tomokazu Harimoto nie ins Spiel und erzielte in drei Sätzen insgesamt nur 14 Punkte. „Man muss anerkennen, dass Harimoto mental und spielerisch in absoluter Topform war. Er hat wirklich fehlerlos gespielt, absolut phänomenal“, so Duda. „Er hatte enormes Selbstvertrauen und hat in engen Situationen gute Entscheidungen getroffen.“
Dang Qiu, der fünf Tage zuvor Sora Matsushima noch in drei Durchgängen entzaubert hatte, gewann gegen den stark verbesserten 19-jährigen World-Cup-Finalisten immerhin den ersten Satz mit 11:5. Nachdem der zweite Durchgang weitgehend am Einzel-Europameister von München vorbeigelaufen war, kämpfte sich Qiu im dritten Satz von einem 3:7-Rückstand zurück, unterlag schließlich aber in der Verlängerung. Im vierten Satz konnte er seinem Gegner nicht mehr viel entgegensetzen.
Franziska bringt Hoffnung auf die Wende
Neue Hoffnung brachte Patrick Franziska den deutschen Fans. Er nahm erfolgreich Revanche für seine 2:3-Niederlage am Samstag und besiegte Doppel-Weltmeister Shunsuke Togami in vier Sätzen. Der 33-jährige ehemalige Europe-Top-16-Gewinner trotzte dabei den Überprüfungen seiner Aufschläge mittels TTR-Challenges und blieb trotz der damit einhergehenden Pausen ruhig und konzentriert.
Ein kämpferisch eingestellter Dang Qiu jedoch konnte im Anschluss gegen Harimoto die sich ihm bietenden Chancen nicht nutzen. Deutschlands 29-jährige Nummer eins brachte eine 10:8-Führung in Durchgang eins ebenso wenig ins Ziel wie zwei Satzbälle am Ende des zweiten Satzes. Im dritten Satz war der Asien-Meister von 2024 wie entfesselt. Trotzdem glich Qiu sogar Rückstände von 1:4 und 4:8 aus, doch es war der Japaner, der schließlich triumphierte, für den Siegpunkt seines Teams und damit den Einzug ins Halbfinale am Samstag sorgte. Japans Gegner wird am Abend ab 20:30 Uhr zwischen Schweden und Taiwan ermittelt. In der unteren Hälfte des Tableaus spielen China gegen Südkorea sowie Frankreich gegen Brasilien jeweils am Freitag um den Einzug in die Medaillenränge. „Japan will hier Weltmeister werden. Die Japaner haben eine bockstarke Mannschaft, vor allem waren sie mental sehr, sehr stark“, so Patrick Franziska. „Am Ende war es ein verdienter Sieg für sie.“
Qiu: „Mit solchen Leistungen kannst du an anderen Tagen weiterkommen, gegen andere Mannschaften sowieso“
„Wir haben ein gutes Turnier gespielt“, bilanzierte Dang Qiu. „Mit solchen Leistungen kannst du an anderen Tagen weiterkommen, gegen andere Mannschaften sowieso, aber auch gegen die Japaner. Aber heute sollte es nicht sein.“ Einmal mehr stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des für London neu eingeführten Vorrundenmodus, in der die Top-7-Nationen und Gastgeber England an zwei Tagen zunächst die Setzung für die Hauptrunde ausgespielt hatten. „Ich stelle mir die Frage, wieso wir diese Gruppenphase gespielt haben, wenn wir am Ende mit unseren Gruppengegnern Japan und Taiwan in derselben Hälfte landen. Zuerst rauben wir uns unnötig die Kräfte, um dann genau das gleiche Szenario zu haben wie in der Gruppe.“
In der Gruppenphase hatte das Quintett, zu dem auch Dimitrij Ovtcharov und Andre Bertelsmeier gehören, einen 3:0-Erfolg über den EM-Dritten Slowenien gefeiert sowie ein 3:1 über Japan. Auf 1:3-Niederlagen gegen Frankreich und Taiwan folgte im Achtelfinale das 3:0 gegen Hongkong, den Finalisten der Asien-Meisterschaften 2025.
DTTB-Damen spielen um 18 Uhr gegen Hongkong um die Medaillen
Eine Chance bleibt Team Deutschland auf Edelmetall. Die DTTB-Damen stehen ab 18 Uhr im Viertelfinale Hongkong gegenüber.
Viertelfinale
Deutschland - Japan 1:3
Benedikt Duda - Tomokazu Harimoto 0:3 (-4,-4,-6)
Dang Qiu - Sora Matsushima 1:3 (5,-2,-10,-5)
Patrick Franziska - Shunsuke Togami 3:1 (6,9,-8,7)
Dang Qiu - Tomokazu Harimoto 0:3 (-10,-13,-9)
