Lokales HEF 05.05.2026

Tante Enso übernimmt 36 tegut-Filialen – Ländlicher Raum profitiert

Fulda/Bremen (jah/pm) – Die Mini-Supermarktkette „Tante Enso“ will bis zu 36 Filialen der Handelskette tegut übernehmen und damit die Nahversorgung in zahlreichen Orten – vor allem im ländlichen Raum – sichern. Das teilte das Unternehmen am Montag per Pressemitteilung mit. COO bei „Tante Enso“ ist der langjährige tegut-Chef Thomas Gutberlet.

Fotos: Tante Enso

Nach eigenen Angaben hat sich das Bremer Unternehmen nach Gesprächen mit der Schweizer Migros-Genossenschaft den Zugriff auf jene Standorte gesichert, für die sich zuvor keine anderen großen Handelsketten interessiert hatten. Die betroffenen Märkte passen laut Unternehmen „aufgrund ihrer Größe der Gemeinden und infrastrukturellen Lage perfekt“ zum eigenen Konzept. Für Tante Enso ist die Übernahme ein bedeutender Schritt: Mit aktuell knapp 90 Märkten und rund 70.000 Teilhabern wächst das genossenschaftlich geprägte Unternehmen weiter – und setzt gezielt auf die Versorgung kleinerer Orte. „Ich freue mich, dass wir dazu beitragen können, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern die Zukunft der betroffenen Märkte abzusichern. Diese Märkte sind seit vielen Jahren ein wichtiger Baustein der Infrastruktur vor Ort. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit viel Engagement diese Märkte betrieben und bekommen durch Tante Enso eine Perspektive für ihre weitere Zukunft“, wird Geschäftsführer Thomas Gutberlet in der Mitteilung zitiert.

Die Übernahme steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt. Bis dahin sollen die Filialen unverändert weitergeführt werden. Im Anschluss ist geplant, sie schrittweise in das Tante-Enso-Konzept zu überführen. Dieses setzt auf eine Kombination aus klassischem Dorfladen und moderner Technik: Die Märkte sind rund um die Uhr geöffnet, der Zugang erfolgt über ein digitales System, während es zusätzlich persönliche Öffnungszeiten mit Personal vor Ort gibt. Ergänzt wird das Angebot durch ein auf die Region abgestimmtes Sortiment, Dienstleistungen wie Post- oder Apothekenservices sowie Aufenthaltsbereiche.

Ein zentrales Element bleibt die Beteiligung der Bevölkerung. So sollen vor Ort Informationsveranstaltungen und Bürgerversammlungen stattfinden, um die Menschen in die Entwicklung „ihres“ Marktes einzubinden. Voraussetzung für die vollständige Umsetzung des Konzepts ist, dass sich mindestens 35 Prozent der Anwohner an der Genossenschaft beteiligen. Mit der Übernahme sendet das Unternehmen auch ein Signal für die Zukunft kleinerer Standorte, die im Zuge des Rückzugs von Migros aus Deutschland auf der Kippe standen. Insgesamt waren rund 300 tegut-Filialen zum Verkauf gestellt worden. Während der Großteil an Edeka und Rewe geht, konnten für viele kleinere Märkte lange keine Lösungen gefunden werden. Mit dem Einstieg von Tante Enso zeichnet sich nun zumindest für einen Teil dieser Standorte eine Perspektive ab. Für weitere Filialen wird weiterhin nach Käufern gesucht.