Es war ein Nachmittag voller Stolz, Erleichterung und Zukunftsfreude. Gemeinsam mit Familien, Freunden, Lehrenden und Gästen aus Wirtschaft und Hochschule feierten die Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Wirtschaft der Hochschule Fulda ihren erfolgreichen Studienabschluss. Mehr als 400 Gäste waren zur feierlichen Business Graduation in die Orangerie des Maritim Hotels gekommen – und schon beim Blick in den festlich geschmückten Saal wurde deutlich, welchen besonderen Stellenwert dieser Tag für viele hatte.
„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon mal so viele Gäste hatten“, sagte Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar zu Beginn seiner Ansprache. Gleichzeitig sprach er von einem „sehr schönen Anlass“, denn die Absolventinnen und Absolventen hätten „ein Großprojekt absolviert“. Viele Prüfungen, zahlreiche Meilensteine und intensive Jahre lägen hinter ihnen. „Am Ende haben Sie das ganze Projekt zu einem großen Erfolg geführt“, betonte Khakzar. Dabei richtete er den Blick nicht nur auf die Studierenden selbst, sondern auch auf deren Familien und Unterstützer. Das Studium sei häufig mit „großer Freude“, aber auch mit „Erleichterung“ verbunden, sagte er mit einem Schmunzeln. Eltern und Angehörige hätten mitgefiebert, gehofft und unterstützt – „moralischer Art, aber häufig eben auch finanzieller Art“. Deshalb sei dieser Tag auch ein Feiertag für die Familien.
Besonders hob Khakzar die Entwicklung des Fachbereichs Wirtschaft hervor. Dieser sei „sehr gut aufgestellt“, habe starke Ergebnisse in bundesweiten Rankings erzielt und die Internationalisierung erfolgreich vorangetrieben. Gleichzeitig nutzte der Hochschulpräsident die Bühne für deutlich ernstere Worte – und wich damit bewusst vom üblichen Ton vieler Abschlussreden ab. „Ich habe mir überlegt, über was ich sprechen kann – und etwas, was mir im Moment sehr wichtig ist und mich berührt, das sind Werte“, erklärte Khakzar. Mit Blick auf das Grundgesetz, gesellschaftliche Entwicklungen und internationale politische Tendenzen sprach er offen über seine Sorgen. Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Unantastbarkeit der Menschenwürde seien keine Selbstverständlichkeiten. „Wir alle sind verantwortlich für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung“, sagte er eindringlich. Demokratie bedeute nicht nur, alle paar Jahre wählen zu gehen. „Sie lebt davon, dass jedes einzelne Mitglied unserer Gesellschaft sich einbringt.“ Gerade Hochschulen hätten deshalb die Aufgabe, neben fachlicher Qualifikation auch Haltung und Werte zu vermitteln. „Ich glaube, wir als Hochschulen werden in Zukunft noch sehr viel mehr Verantwortung tragen müssen“, betonte Khakzar. Trotz der nachdenklichen Töne blieb seine Botschaft optimistisch. Die Absolventinnen und Absolventen hätten an der Hochschule „eine wirklich gute Basis, ein Fundament bekommen“, auf dem sie weiter aufbauen könnten. „Mit den Methoden, die Sie hier gelernt haben, sind Sie gut gerüstet.“
Auch Dekanin Prof. Dr. Joanna Ozga stellte in ihrer Rede weniger die Noten und Abschlüsse als vielmehr persönliche Entwicklung, Mut und Neugier in den Mittelpunkt. „Das ist Ihr Tag“, sagte sie zu Beginn – und erinnerte die Absolventinnen und Absolventen daran, dass Unsicherheit kein Zeichen von Schwäche sei. „Unsicherheit bedeutet: Es ist noch nicht entschieden.“ Die Welt brauche Menschen, „die Fragen stellen, die niemand gestellt hat“, sagte Ozga. Menschen, die Probleme lösen, „für die es noch keine Schablone gibt“. Gerade das hätten viele im Studium gelernt: mit Unsicherheiten umzugehen, neugierig zu bleiben und neue Wege zu suchen.
Emotional wurde es auch, als die Dekanin den Familien und Freunden dankte. Eltern, Partnerinnen und Partner oder Freunde hätten das Studium mitgetragen, manchmal sogar „auf Urlaub verzichtet“. Ihr Beitrag sei „keine Selbstverständlichkeit“. Immer wieder zog sich ein Begriff wie ein roter Faden durch ihre Rede: Neugier. „Neugierig bleiben“, appellierte Ozga. Diese Neugier habe viele ins Ausland geführt, zu Forschungsfragen, Praktika oder zufälligen Begegnungen. „Kein Abschluss ersetzt Neugier“, sagte sie. Genau diese Bereitschaft, weiterzufragen und weiterzulernen, werde künftig entscheidend sein.
Für zusätzliche persönliche Impulse sorgte Gastrednerin Fabiula Hanauer, die selbst 2014 ihren Abschluss an der Hochschule Fulda gemacht hatte und heute bei Audi in München arbeitet. In ihrem Vortrag „Die Macht der inneren Haltung – warum Haltung zur wichtigsten Ressource wird“ sprach sie über Höhen und Tiefen des Lebens, über Rückschläge und mentale Stärke. „Das Leben passiert mittendrin“, lautete eine ihrer zentralen Botschaften. Entscheidend sei, bewusst zu entscheiden, „welche Rolle man spielen möchte“. Mentale Stärke spiele dabei eine entscheidende Rolle.
Zwischen Livemusik, Sektempfang und zahlreichen Gesprächen wurde die Graduation so weit mehr als nur eine Zeugnisübergabe. Es war ein Abend voller Emotionen, Erinnerungen und Zukunftspläne – und für viele vermutlich auch der Moment, in dem endgültig spürbar wurde: Ein großer Lebensabschnitt ist geschafft.
