Fußball 20.05.2026

Regionalliga – Gröschs emotionaler Abschied – „Wollen das große Ding“

Fulda (pf) – Fast sein gesamtes Leben spielte Marius Grösch Fußball – viele, viele Jahre in Jena, und seit 2021 bei der SG Barockstadt. Den persönlichen Abschied von den Fans gab es im letzten Saisonspiel der Regionalliga Südwest gegen den FSV Frankfurt (1:2). Ein ganz großes Ziel hat der 32-Jährige aber selbstredend noch vor sich – blickt aber jetzt schon dankbar und stolz auf seine aktive, höherklassige Karriere zurück.

Der Capitano sagt Tschüss: Marius Grösch beim Abschied am Samstag im Stadion gegen den FSV Frankfurt (1:2) – die Familie kramte alte Trikots von ihm aus Kaiserslautern, Jena und Fulda raus. Fotos: Michael Göttlicher

„Insgesamt war das ein positiver Abschluss für mich, und man freut sich einfach, dass mit dem Pokalfinale nochmal ein großes Highlight ansteht“, sagt Grösch, der seinen letzten Regionalliga-Einsatz für die SGB nochmal bekam, und auch die Bühne für den Abschied: Coach Cimen wechselte den Kapitän kurz vor Ende wieder aus, seine Frau wartete am Spielfeldrand, der Sohnemann holte den Papa vom Rasen. „Es war toll zu sehen, dass es so ein paar kleine Gesten gab, auch im Hintergrund“, berichtet Grösch vom emotionalen Spieltag: „Die Familie war mit Trikots da, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Wir haben abends noch gemeinsam gegessen und in Erinnerungen gewälzt“.

Es war eine Karriere, die von Konstanz und Treue geprägt war: Marius Grösch wagte bereits in der Jugend den Schritt in die Nachwuchs-Bundesliga zum FC Carl Zeiss Jena, schaffte es in die erste Mannschaft und stand über Jahre hinweg in der Abwehrkette als Fels in der Brandung. 2015 bis 2017 folgte bereits ein Intermezzo in der Regionalliga Südwest bei Lauterns Unterbau, ehe er zurück nach Jena ging. „Die 3. Liga war natürlich ein kleiner, persönlicher Traum, der dann in Erfüllung ging“, schwärmt Grösch von Derbys gegen Erfurt oder Auswärtsspielen in tollen Stadien wie Rostock, Kaiserslautern oder bei 1860 München – und natürlich DFB-Pokal-Spielen gegen Leverkusen oder Bremen. „Da gab es positive wie negative Erfahrungen“, so Grösch, dem eines aber wichtig ist: „Man hat ja so selten im Leben die Möglichkeit, Danke zu sagen. Man konnte ja nicht ahnen, als ich mit 15 nach Jena bin, was die Zukunft bringt. Ich bin froh stolz und dankbar, dass es geklappt hat.“.

Die Zeit habe ihn „menschlich wie sportlich“ geprägt, doch in seiner Karriere wollte Grösch stets wohlüberlegte Entscheidungen treffen. So auch irgendwann, als er vor der Frage stand, die Laufbahn fortzusetzen oder wieder in Fulda heimisch zu werden. Auch das stimmte er mit seiner Familie ab. „Die Entscheidung war bewusst, und natürlich war es auch ein Traum, mit Fulda aufzusteigen“. Auch das gelang – in der Regionalliga Südwest war Grösch zunächst Stammspieler, in den vergangenen zwei Jahren wurden die Einsatzzeiten dann weniger. „Natürlich ist das für mich persönlich nicht optimal gelaufen, und dann reift irgendwann in einem der Gedanke, wie es weitergeht“, erzählt Grösch, der ab Sommer in Eichenzell seine erste Trainerstation antreten wird. Und es liegt in der Natur des 32-Jährigen, nach vorne und nicht zurück zu blicken: „Ich freue mich auf das, was in der Zukunft kommt“.

Das Ziel, die beste Regionalliga-Saison der Vereinsgeschichte zu spielen, hat die SG Barockstadt mit der Niederlage gegen den FSV Frankfurt verpasst. „Aber als Mannschaft sind wir stolz auf die Saison, gerade nach den drei Niederlagen zum Start“, bilanziert Grösch. Übrigens schloss die SGB die Saison auf Platz acht der Zuschauer-Tabelle ab – mit 1292 Besuchern pro Heimspiel, und damit knapp 22.000 insgesamt in der gesamten Runde. Kassel auf Rang drei kratzte an 3000, die Stuttgarter Kickers hatten 4000 pro Partie und Kickers Offenbach knapp über 6000.

Für das anstehende Hessenpokalfinale hätte das Ergebnis im letzten Saisonspiel ohnehin keine Rolle mehr gespielt, glaubt Grösch: „Wir sind als Mannschaft generell gut drauf, die Stimmung ist gut. Und die Situation jetzt ist auch relativ schön – man kann ein paar Emotionen zulassen, aber hat gleichzeitig noch die Möglichkeit auf etwas Großes vor sich“.

Das Visier ist klar eingestellt: das Pokalfinale gegen Wehen Wiesbaden in Offenbach ist mehr als nur ein Abschluss für jene, die den Verein verlassen. „Wir haben alle diese große Ziel. Es wäre das i-Tüpfelchen wäre, sich mit einem Titel von dieser Bühne zu verabschieden“, sagt Grösch. Und Angst vor dem Drittligisten hat niemand: „Klar sind sie Favorit, aber es gibt keinen mehr, der sagt, dass wir mit dem Finaleinzug zufrieden sind. Natürlich – wir sind stolz – aber wir wollen das große Ding jetzt ziehen. Wir treten an, um das Spiel zu gewinnen“.