May betonte zu Beginn den aktuellen Lehrkräftemangel, der neue Wege zur Bewältigung dieses Missstands erfordere. Das Bildungsunternehmen Dr. Jordan gehe dabei andere Wege als das staatliche Schulwesen. „So sollte es sein, dass staatliches Schulwesen und Ersatzschulwesen voneinander lernen“, so May, der das System als gute Option bezeichnete. „Im klassischen Bereich machen wir auch so ähnliche Maßnahmen“, erklärte May. Entscheidend sei das ableitbare Fach, wie beispielsweise Physik bei einem Ingenieur. „Das Spannende ist dabei: Wie wird aus einem guten Ingenieur ein guter Physiklehrer?“, so May weiter. Lehren sei ein eigenes Handwerk und ein Beruf für sich.
Anschließend erläuterten Franco Gargano, Direktor des Bildungsunternehmen Dr. Jordan, der pädagogische Leiter Professor Dr. Ernst Fritz-Schubert sowie der Leiter der Berufsakademie Dr. Wolfgang Dippel die Details. Zukünftig können Menschen mit beruflichen Qualifikationen als Lehrkräfte arbeiten. Da diesen oft die pädagogische Ausbildung fehlt, setzt das Unternehmen genau an dieser Schnittstelle an. „Das, was ihnen in dem Kontext fehlt, ist für mich eine Grundqualifikation. Wie funktioniert eigentlich Lernen, wie funktioniert Unterricht, wie funktioniert Bewertung“, erklärte Fritz-Schubert. Dieses Rüstzeug werde im Kurs „Pädagogische Grundqualifikation“ vermittelt, der praxisintegriert während der Unterrichtstätigkeit stattfindet. „Es ist mehr denn je Zeit, dass die Schule Menschen begleitet bei ihrer Entwicklung, bei ihrer Persönlichkeit“, so Fritz-Schubert weiter. In einer 60-stündigen Erweiterung des pädagogischen Professionsverständnisses lernen die angehenden Lehrer zudem Dinge wie Erziehungsstile, Achtsamkeitstraining und Rollenbewusstsein.
Ein dritter Baustein ist das „Tablet-Teaching“, das moderne Technologien und deren Einsatz im Unterricht behandelt. Ziel ist es, die Persönlichkeit der Lehrkräfte zu stärken, um auf künftige Herausforderungen vorbereitet zu sein. Primär geht es darum zu skizzieren, was Schüler in der heutigen Zeit von Lehrkräften brauchen. „Es geht darum das Profil zu stärken, um herauszuarbeiten, was braucht die Lehrkraft eigentlich im Jahr 2026? Sie braucht den Charakter, die Vorbildfunktion, sie braucht die Leidenschaft, sie braucht den Entdeckerwillen“, so Gargano. Es brauche Menschen, die den Beruf über Jahre mit Freude ausüben – dabei sei das Alter der Person egal. „Das, was entscheidend ist, ist dass die Menschen mit einer beruflichen und unter Umständen auch großen Lebenserfahrung, sich aus Berufung und Leidenschaft in diesen Lehrberuf hineinbewegen wollen“, fasste Gargano zusammen.
Die Nachqualifizierung dauert etwa ein Jahr und orientiert sich an Vorbildern aus Kanada, Schweden oder Finnland. Gerade in den Fächern Englisch und in den naturwissenschaftlichen Bereichen herrsche hoher Bedarf. Anfang kommenden Jahres wird das Bildungsunternehmen Jordan mit dem Projekt aktiv an den Start gehen.
