Lokales FD 05.05.2026

Neue Kunststofffertigung: Werner Schmid stärkt Standort – Fotos

Fulda – Von Janosch Hensel – Mit einem Festakt hat die Werner Schmid GmbH am Montagvormittag den neuen Standort ihrer Kunststofffertigung offiziell eröffnet. Nach fast fünf Jahren Planung, Bau und schrittweisem Umzug im laufenden Betrieb ist damit eines der größten Projekte der Unternehmensgeschichte erfolgreich abgeschlossen worden. Zahlreiche Gäste aus Politik und Gesellschaft wohnten der Eröffnung bei und konnten sich bei einem Rundgang einen ersten Eindruck von der neuen Fertigung verschaffen.

Von links: Alexander Wuttke, Hanna Gärtner (Wuttke Architekten), Landrat Bernd Woide, Matthias Hauß (Geschäftsführer), Sebastian Iwers (Fertigungsleiter) und Joachim Hauß (Geschäftsführer). Foto: Janosch Hensel

Was von außen wie eine klassische Eröffnung wirkte, war in Wahrheit der Abschluss eines langwierigen und komplexen Prozesses. „Wir befinden uns bereits seit über einem Jahr im Umzug im laufenden Betrieb“, ordnete Geschäftsführer Matthias Hauß ein. Das Projekt selbst habe bereits 2018 mit dem Kauf der Nachbarhallen begonnen und sich über mehrere Bau- und Umzugsphasen entwickelt. Insgesamt investierte das Familienunternehmen rund zehn Millionen Euro – die größte Einzelinvestition in der fast 80-jährigen Firmengeschichte, in etwa zwei Wochen feiert Werner Schmid Jubiläum. Dass der Weg dorthin nicht immer einfach war, verschwieg Hauß nicht: Lieferengpässe, steigende Baukosten und unerwartete bauliche Herausforderungen hätten das Vorhaben immer wieder erschwert. „Es hat länger gedauert und mehr gekostet – aber das Ergebnis begeistert“, zog er dennoch ein positives Fazit. Mit der neuen Fertigung stärkt das Unternehmen gezielt seinen Standort in Fulda. „Wir haben uns mit dieser Investition langfristig zum Standort Deutschland bekannt“, betonte Hauß – trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen in der Industrie. Gerade deshalb sei es wichtig, die eigenen Stärken auszubauen und zukunftsfähige Strukturen zu schaffen.

Auch aus Sicht der Region ist das Projekt ein starkes Signal. Landrat Bernd Woide sprach von einem Beispiel für unternehmerischen Mut: „Es ist wichtig, dass wir Dinge in die Hand nehmen – und genau das hat dieses Unternehmen getan.“ In einer Zeit, in der häufig über Probleme gesprochen werde, zeige die Investition, „dass Entwicklung und Fortschritt weiterhin möglich sind“. Ähnlich äußerte sich Landtagsabgeordneter Sebastian Müller, der die Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Fulda hervorhob: „Das ist ein starkes Signal – gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.“ Besonders die Innovationskraft und der familiäre Zusammenhalt hätten die Entwicklung des Unternehmens über Jahrzehnte geprägt.

Die neue Fertigungshalle selbst erfüllt höchste technische und energetische Anforderungen. Auf einer erweiterten Gesamtfläche von nun rund 20.000 Quadratmetern bündelt das Unternehmen seine Kunststoffproduktion wieder an einem Standort. Moderne Gebäudetechnik, energieeffiziente Prozesse und eine umfangreiche Infrastruktur – etwa eine zentrale Materialtrocknungs- und Förderanlage oder eine neue Photovoltaikanlage – sorgen für optimale Produktionsbedingungen. Fertigungsleiter Sebastian Iwers machte deutlich, wie komplex die Umsetzung war: „Wir haben hier eine hochmoderne Spritzgussfertigung aufgebaut – mit zentraler Materialversorgung, automatisierten Prozessen und einem klaren Fokus auf Energieeffizienz.“ Allein für die Materialversorgung seien kilometerlange Leitungen verlegt worden, um Kunststoffgranulat exakt zur richtigen Zeit an die jeweiligen Maschinen zu bringen. Besonders anspruchsvoll sei der Umzug im laufenden Betrieb gewesen. „Pro Maschine müssen wir zwei bis vier Wochen einplanen“, erklärte Iwers. Neben dem eigentlichen Transport gehe es dabei auch um millimetergenaue Ausrichtung, den Anschluss sensibler Robotik und umfangreiche Qualitätsprüfungen. „Unsere Bauteile haben Toleranzen im Bereich weniger Hundertstel Millimeter – da muss am neuen Standort alles exakt passen.“

Die Investition ist nicht zuletzt eine Reaktion auf das starke Wachstum der Kunststofffertigung in den vergangenen Jahren. Ursprünglich als Ergänzung zur Metallverarbeitung in den 1970er-Jahren aufgebaut, hat sich dieser Bereich zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Heute ist das Unternehmen unter anderem auf komplexe Metall-Kunststoff-Hybridbauteile spezialisiert. Für IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow steht fest, welche Signalwirkung das Projekt hat: „Dass ein mittelständisches Familienunternehmen in dieser Größenordnung in Deutschland investiert, ist alles andere als selbstverständlich.“ Gerade vor dem Hintergrund rückläufiger Industrieproduktion sei dies ein wichtiges Zeichen für den gesamten Wirtschaftsstandort. Am Ende des Tages überwog bei allen Beteiligten die Zuversicht. Die neue Fertigung bietet nicht nur modernste Bedingungen, sondern auch weiteres Wachstumspotenzial von rund 30 Prozent. Oder, wie es Geschäftsführer Hauß formulierte: „Wir haben die Voraussetzungen geschaffen – jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen.“

Standorteröffnung der Kunststofffertigung bei Werner Schmid. Fotos: Janosch Hensel