Im Rahmen der Entwicklung schulischer Schutzkonzepte sind Schulen heute gefordert, sich im Bereich der sexualisierten Gewalt zu qualifizieren, eine präventive Erziehungshaltung zu entwickeln und entsprechende Angebote vorzuhalten. Diese sollen Schüler sensibilisieren, über ihre Rechte informieren und wichtige Handlungsspielräume eröffnen. Angelika Grätsch, die in Vertretung der Schulleitung für die Vogelsbergschule in Hosenfeld vor Ort war, zeigte sich sichtlich froh darüber, dass das Projekt nun auch an ihrer Schule Station gemacht hat und die Vogelsbergschule ein Teil dieser wichtigen Initiative ist.
„Es arbeiten alle unserer Schulen an ihren schuleigenen Schutzkonzepten und ein Baustein ist bei vielen der Wunsch, auch das Theaterstück in einem bestimmten Rhythmus durchführen zu können“, erklärt Marion VanCuylenburg, Leiterin des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Fulda. Das Thema sei so groß, dass es gesamtgesellschaftlich eine zentrale Rolle einnehme. Seit dem Jahr 1994 wird das Programm bundesweit durch die theaterpädagogische Werkstatt gGmbH in den dritten und vierten Klassen aufgeführt. Ein wesentlicher Baustein ist die Theateraufführung an sich, bei der ein Schauspielpaar an drei Vormittagen in jeweils einer Schulstunde separat in den Klassen agiert.
Dabei gliedert sich das Programm in drei Stadien: Der erste Teil thematisiert das „Recht auf körperliche Selbstbestimmung“, der zweite konzentriert sich auf „Sexuelle Gewalt durch Fremde“ und der letzte Teil behandelt „Sexuelle Gewalt im sozialen Umfeld“. In diesem Rahmen wird den Schülern auch die „Nummer gegen Kummer“ als konkrete Hilfe ans Herz gelegt.
Lina Gemming und Katrin Haudel, die als Darstellerinnen direkt in den Klassen stehen, beschreiben die besondere Atmosphäre: „Es ist meistens so, dass die Kinder sich im Nachhinein an Lehrkräfte oder Pädagogen wenden.“ Über die drei Wochen baue sich ein Vertrauen auf. „Je tiefer die Thematik wurde, desto spürbarer war, dass es etwas mit den Kindern macht, etwas auslöst und Fragen aufwirft“, so das Duo. In einer interaktiven Szenencollage werden dabei die zentralen Präventionsbotschaften vermittelt.
Das Projekt besteht aus einem Fortbildungsworkshop, den die Schulpsychologie des Staatlichen Schulamts gemeinsam mit Pro Familia und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) durchführt. Carmen Adenaw, Schulpsychologin des staatlichen Schulamtes, betont die langjährige gute Zusammenarbeit der Behörden: „Aus fachlicher Sicht stehe ich wirklich sehr hinter dem Projekt.“ Seit dem Jahr 2023 finden diese Veranstaltungen durch die Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Fulda statt, die 15.000 Euro beisteuerten. So konnten seitdem bereits 75 Schulklassen aus 22 Schulen erreicht werden. Für das Schuljahr 2025/26 unterstützen die Geldgeber das Vorhaben erneut in demselben Umfang. Patricia Hahn von der Sparkasse Fulda erklärte dazu: „Die Sparkasse unterstützt gerne, was die Region in Bewegung hält und was Menschen stark macht.“
Marietta Lüders, Referentin der Kulturstiftung, ergänzt: „Das Thema ist hochsensibel. Als ich vor fünf Jahren angefangen habe, das Projekt in Hessen zu etablieren, waren die Bedenken noch viel größer.“ In Hessen wurden bereits 23.000 Kinder erreicht, wobei Fulda sehr intensiv bespielt wurde. Anne Heidel von Pro Familia Fulda unterstreicht: „Durch diese Situationen kommen Kinder manchmal mit einem Gefühl in Berührung, was sie selber auch schonmal erlebt haben oder kennen.“ Da auch digitale Medien immer mehr zum Thema werden, sei Prävention kein punktueller Bereich, sondern müsse stetig wiederholt werden. Auch Dennis Metz, Geschäftsführer des Netzwerks gegen Gewalt in Osthessen, betonte die Wichtigkeit solcher Maßnahmen und zeigte sich froh, dass auch sie ein Teil davon sind.
