„Natürlich haben wir uns das anders vorgestellt“, erläutert Lindner im Gespräch mit Osthessen-Zeitung. Die Voraussetzungen schienen auf den ersten Blick vielversprechend: zentrale Lage direkt am Busbahnhof, viele Passanten, eine moderne Ladenfläche und regionale Bio-Produkte aus eigener Herstellung. Doch die Realität entwickelte sich anders. „Obwohl es ein frequenzstarker Standort mit vielen Menschen ist, kamen einfach zu wenig Leute“, erklärt die Unternehmerin: „Wir leben natürlich von den Menschen, die einkaufen.“ Schnell habe sich jedoch gezeigt, dass die Zielgruppe rund um den Busbahnhof oftmals eine andere sei. „Wir hatten teilweise nur 20 bis 30 Kunden am Tag. Das ist dann einfach nicht wirtschaftlich – vor allem, wenn eher Kleinigkeiten eingekauft werden.“
Im November vergangenen Jahres hatte der Stadtladen eröffnet. Rund 900 Produkte aus eigener Herstellung wurden auf etwa 60 Quadratmetern angeboten – von Gemüse, Brot und Backwaren bis hin zu Wurst, Fleisch und Heißgetränken. Besonders die erste Zeit habe Hoffnung gemacht. „Die Eröffnungswoche war tatsächlich die beste Woche“, erinnert sich Lindner. „Leider lief es danach nicht konstant weiter.“ Dass die Monate Januar und Februar traditionell schwieriger seien, sei dem Team bewusst gewesen. Umso größer war die Hoffnung auf den Frühling. „Wir haben gehofft, dass es ab März besser wird und der Frühling uns neue Kunden bringt“, blickt Anja Lindner zurück. Dafür wurde einiges ausprobiert: Konzepte wurden angepasst, auf die Bedürfnisse der Kunden reagiert. „Wir haben verschiedene Dinge getestet und uns immer wieder angepasst.“ Die erhoffte Wende blieb jedoch aus. „Leider gab es keine signifikanten Veränderungen – eher im Gegenteil.“
Auch wirtschaftlich sei der Schritt in die Innenstadt mit großem Aufwand verbunden gewesen. „Wir haben viel Geld investiert – in Material, in den Laden und natürlich auch in Mitarbeiter“, sagt Lindner. Deshalb wurde nun bewusst die Reißleine gezogen, bevor die Verluste weiter steigen. „Am Ende muss die Wirtschaftlichkeit einfach gegeben sein.“ Trotz der Enttäuschung blickt das Team nun mit Vorfreude auf den Neustart mit klarem Fokus in Dipperz. „Wir freuen uns jetzt wieder auf das Geschäft im Hofladen“, betont Lindner, die hofft, viele Kunden aus der Stadt künftig auch dort begrüßen zu können. „Der Hofladen ist ja auch nicht so weit entfernt – wir würden uns freuen, wenn die Menschen von hier mit rüberkommen.“
Ganz aus Fulda verschwindet LindenGut dennoch nicht. Während des Hessentags wird das Unternehmen mit einem Pop-up-Store am Theresienhof vertreten sein – gemeinsam mit antonius und Perspektiva. Dass der Stadtladen noch vor dem Landesfest schließt, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. „Rund um den Hessentag wird es wieder viele Sperrungen geben“, erklärt Lindner. Außerdem sei Zeit und Luft für den Umbau sowie für die Vorbereitung des Pop-up-Stores nötig. Parallel arbeiten Lindner und Co. derzeit auch an der Integration eines neuen Online-Shops. Die Konzentration auf den Standort in Dipperz soll dadurch zusätzlich gestärkt werden.
