Zu Beginn der Veranstaltung lud die Vizepräsidentin der Hochschule, Professorin Dr. Martina Ritter, zu einer Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Susanne Dern und Prof. Dr. Cengiz Barskanmaz ein. „Bundespräsident Steinmeier hat Unternehmen, Institutionen und Organisationen aufgefordert und eingeladen, Begegnungen zu ermöglichen, Orte zu schaffen, an denen wir über das Grundgesetz, über Demokratie, über Vielfalt sprechen können und das, was eine moderne Demokratie ausmacht. Wir haben uns an der Hochschule Fulda dazu entschlossen, etwas auf die Beine zu stellen“, so Ritter zu den Aktionsveranstaltungen rund um den Geburtstag des Grundgesetzes. In dem Gespräch des Trios wurde einmal mehr die Bedeutung der Verfassung mit Blick auf Schwerpunkte wie Migration, Klimawandel und Gewaltenteilung beleuchtet. „Wir haben uns vorgenommen, nicht nur das Grundgesetz zu feiern, sondern auch darüber nachzudenken: Was hat das eigentlich mit Demokratie zu tun“, so Ritter. Die Verfassung sei essenziell für das Zusammenleben in der Vielfalt, da sie einen gerechten Interessenausgleich überhaupt erst ermögliche. Der Staat schütze auch für künftige Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere, wie eine neuere gesetzliche Entwicklung im Verfassungskontext verdeutlicht. „Das klingt erstmal juristisch wahnsinnig neutral und abstrakt, ist aber für das Grundgesetz ein immenser Schritt nach vorne, weil da eben von diesem Freiheitsschutzgedanken in die Zukunft geschaut wird“, so Dern. Dies zeige, dass sich das Grundgesetz auch stetig weiterentwickle. Im Nachgang waren auch die Studierenden und Gäste dazu eingeladen, sich in die Diskussion einzubringen.
Nach der Gesprächsrunde folgten zwei Mitmach-Aktionen. Zum einen wurde ein Demokratiekalender ins Leben gerufen, bei dem Interessierte kurze persönliche Statements zu Demokratie, Grundrechten und zum Grundgesetz auf Karten festhalten konnten. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, sich mit den Notizen fotografieren zu lassen. Diese Aufnahmen werden nun Teil eines Kalenders, der die vielfältigen demokratischen Stimmen an der Hochschule abbildet.
Ein weiteres Angebot war die Postkarten-Aktion, welche die Studierenden und Gäste zur Reflexion unterschiedlicher demokratischer Grundbegriffe und Themenfelder anregt. Die so entstandenen Gedanken und alle weiteren Einsendungen, die bis zum 1. Juni abgegeben werden, kommen bei der Abschlussveranstaltung des Aktionszeitraums zur Vorstellung.
Das Format fußt auf einem historischen Hintergrund: Elisabeth Selbert rief 1948 zu einer Postkarten- und Telegrammkampagne auf, nachdem der Parlamentarische Rat ihren Antrag zur Verankerung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz zunächst abgelehnt hatte. Selbert forderte im Nachgang alle Frauen dazu auf, gegen diese Entscheidung zu protestieren – ein historischer Einsatz, der schließlich den Weg für die Gleichberechtigung in der Verfassung ebnete. „Sie wurden überschwemmt von Postkarten“, so Ritter mit Blick auf den Erfolg des damaligen Protests.
