Schon Stunden vor dem Anpfiff war die enorme Vorfreude spürbar. Die Fanszene hatte die Wochen zuvor genutzt, um Spenden für eine Choreografie zu sammeln. Unter dem Motto „Alle in Weiß“ reiste die Anhängerschaft koordiniert aus der Barockstadt an. In etlichen Bussen machten sich weit mehr als 1000 Fans auf die knappe Stunde Fahrtzeit nach Offenbach. Bei hochsommerlichen 30 Grad unterstützten die Zuschauer das Team geschlossen in ihren speziell kreierten, weißen Finalshirts.
Auf den Rängen war vom Klassenunterschied zum Drittligisten keine Spur zu entdecken. Ein riesiges Banner unter dem Fanblock der Domstädter brachte die Hoffnung auf den Punkt: „Mit Mut & Moral zum DFB Pokal!“. Als die beiden Mannschaften schließlich den Rasen betraten, erreichte die Stimmung ihren ersten emotionalen Höhepunkt. Ein Banner zeigte den Fuldaer Dom und eine Hand, die den Hessenpokal fest im Griff hielt. Gleichzeitig tauchte eine Pyroshow den Himmel über Offenbach in Rot und Blau.
Die 3579 Zuschauer sahen auf dem Platz einen packenden, völlig offenen Pokalfight. Die Mannschaft von Trainer Daniyel Cimen startete mutig. Patrick Schaaf als Sportdirektor der SG Barockstadt trauerte den verpassten Gelegenheiten der Anfangsphase jedoch etwas hinterher: „Wir hätten uns dann einfach belohnen müssen, denn die ersten Chancen waren auf unserer Seite, dann nimmt es, wie man oft sagt, einen anderen Lauf.“
Statt der Führung gab es den Rückstand zum 0:1. Dass der Traum nicht schon vor der Pause platzte, war Torwart Samuel Zapico zu verdanken, der den Ball zweimal stark parierte. Kurz nach dem Seitenwechsel explodierte der Barockstadt-Block vor Freude: Kapitän Leon Pomnitz traf zum umjubelten 1:1-Ausgleich. „Wie wir dann aus der Halbzeit rausgekommen sind, muss man einfach sagen: Respekt an die Jungs“, lobte Schaaf die Moral des Teams. Am Ende hatte jedoch Lukas Schleimer das letzte Wort und besiegelte mit dem 1:2 den Endstand für den Favoriten.
Trotz des sportlichen K.-o.-Schlags herrschte nach dem Schlusspfiff eine stolze Atmosphäre im Stadion. Die mitgereisten Fans feierten ihr Team mit stehenden Ovationen für einen leidenschaftlichen Auftritt und zeigten sich mehr als zufrieden mit der Leistung. „Wir kommen wieder“, war der klare Grundtenor einer Gruppe von Fans aus der Barockstadt.
Dennoch haderte das Fanlager teilweise mit dem Schiedsrichter, besonders wegen kritischer Aktionen im Strafraum. „Es hätte einen Elfmeter für uns geben müssen, dann hätte es womöglich 2:2 gestanden und alles wäre wieder möglich gewesen“, bilanzierte Fan Patrick aus Fulda. Svenja, ebenfalls aus Fulda, ordnete die Partie ähnlich ein: „Die Mannschaft kann stolz auf sich sein, sie hat alles gegeben und war wirklich nah dran. Nächstes Jahr kommen wir wieder in das Finale und dann mit dem besseren Ende.“
Schaaf zog letztlich ein positives Fazit: „Ich glaube, dass es definitiv auf Augenhöhe war. Ich glaube, dass wir fußballerisch mutig und gut gespielt haben. Wir waren keine Mannschaft, die sich hinten rein gestellt und auf den lieben Gott gehofft haben.“ Der unbändige Wille der Mannschaft blieb für ihn das wichtigste Signal des Tages: „Was mich mega stolz macht ist, dass wir bis zur letzten Minute daran geglaubt haben und ich glaube auch Wehen hat ganz schön geschwitzt hintenraus.“
Dem schloss sich auch Kapitän Leon Pomnitz an, der nach Abpfiff im hr-Fernsehen Rede und Antwort stand: „Das Gefühl war von Anfang an da: Da kann was gehen für uns. Das haben wir uns auch über die gesamte Saison erarbeitet. Am Ende ist es vielleicht Qualität und auch Erfahrung. Wiesbaden nutzt unsere Fehler aus, aber diese Erfahrung haben wir jetzt heute gemacht und wollen sie in Zukunft ummünzen. Glückwunsch an Wiesbaden – wenn wir Fehler gemacht haben, waren sie da“. Der Flieger hebt am Pfingstsonntag in Richtung Mallorca ab – viele Spieler der SGB sind dabei, und wollen dennoch den Saisonabschluss genießen: „Wir fliegen mit ganz viel Stolz, haben eine brutale Rückrunde gespielt und verarbeiten die Enttäuschung gemeinsam. Das Ergebnis soll nichts an der guten Stimmung ändern“.
