Der FCG war vorgewarnt, schließlich hatte Hünfeld im Frühjahr unter anderem Meister Eintracht Frankfurt U21 zuhause geschlagen und lag vor Anpfiff drei Punkte hinter Gießen. „Wir wussten, dass es ein hartes Stück Arbeit wird“, sagte Trainer Michael Fink und konnte seine Mannschaft nach dem Spiel loben: „Das war ein sehr guter Auftritt von uns, wir hatten viel Bewegung mit Ball und haben auch dagegen gut gearbeitet“.
Gießen kam von Beginn an gut rein ins Spiel, konnte die ersten Chancen allerdings nicht verwerten beziehungsweise scheiterte an HSV-Keeper Maul. Erst nach einer knappen halben Stunde gelang Mirco Geisler der erste Streich des Nachmittags, er hatte einen guten Riecher und verwertete einen Querschläger zur Führung. Doch das Tor weckte eher die Hünfelder auf, als dass es den Gästen Aufwind gab. „Da gab es eine kurze Phase, in der Hünfeld besser reinkam und wir weniger Zugriff hatten“, stellte Fink fest. Doch der Ausgleich wollte nicht fallen, stattdessen spielte Gießen ein Doppelschlag kurz vor der Pause dann „absolut in die Karten“: Hünfeld verteidigte nicht gut, Geisler schnürte gar den Hattrick.
„Man merkt, wenn wir in dieser starken Hessenliga punkten wollen, müssen wir alle – elf Mann am Platz plus die Joker – auf Top-Niveau sein. Das haben wir heute leider wieder nicht geschafft“, konstatierte HSV-Trainer Johannes Helmke hinterher, der aber auch viel Bewegung und Schnelligkeit beim Gegner registrierte und lobte: „Gießen war dann heute eine Nummer zu groß, obwohl wir nach dem 0:1 mehr Zugriff hatten“.
Immerhin gelang Hünfeld eine ausgeglichene zweite Hälfte, in der Helmke die Youngster Witkowski, Paliatka jr., Kümmel und Lindemann brachte. „Sie waren alle absolut bemüht“, stellte er fest. Paliatka gelang dann sogar das 1:3 nach einem Eckball, doch mehr war nicht drin. „Wir sind dann nicht mehr so hohes Tempo gegangen, Hünfeld hatte da noch zwei, drei Standard-Möglichkeiten“, sagt wiederum Fink, dessen FCG im Umschaltspiel hintenraus noch jede Menge liegenließ. Elias Cvrlje gelang kurz vor Schluss dann aber noch das vierte Tor.
Helmke konnte seinen Hünfeldern den Willen nicht absprechen, ärgerte sich aber natürlich über die dritte Liga-Pleite am Stück: „Wir müssen uns jetzt schütteln und wollen die letzten Spiele positiv bestreiten“. Finks Team wiederum will das ebenso – und die Hintertür zur Aufstiegsrelegation bleibt weiterhin offen, je nachdem, ob Eddersheim die Lizenz bekäme. „Aber damit beschäftigen wir uns überhaupt nicht, es müssten ja mehrere Faktoren zusammenkommen“, betonte Fink: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und wollen das Bestmögliche erreichen, und das ist Platz drei. Alles andere können wir nicht beeinflussen. Wenn es klappt, sind wir happy. Wenn nicht, sagen wir trotzdem, dass es eine gute Saison war, wenn man bedenkt, wie wir in die Saison gestartet sind“.
Hünfelder SV: Maul; Kemmerzell, Häuser, Zöll (73. Kocak), Dücker, Vogler (54. Lindemann), Uth, Fröhlich (46. Paliatka jr.), Zentgraf, Kassa (54. Kümmel), Trägler (46. Witkowski).
FC Gießen: Jomaa Zabadne; Kim, Gegg (72. Wollstadt), Duran (75. Akkus Rodriguez), Geisler, Karakas, Cvrlje, Preisig (88. Gatamura), Itter, El Chaabi (83. Makridis), Njontie (87. Reichenbaecher).
Schiedsrichter: Julia Boike (Hainchen)
Tore: 0:1 Mirco Geisler (28.), 0:2 Mirco Geisler (44.), 0:3 Mirco Geisler (45.+1), 1:3 Petr Paliatka jr. (76.), 1:4 Elias Cvrlje (84.)
Zuschauer: 200
