Lokales FD 11.05.2026

Gegen das Vergessen: Lesung erinnert an Bücherverbrennung 1933

Fulda – Von Silas Messing – Worte gegen das Vergessen, Literatur gegen Ausgrenzung: Mit einer eindringlichen Lesung in der Fuldaer Lutherkirche haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger am Sonntag an die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten erinnert. Bereits zum zwölften Mal hatte der Verein Fulda stellt sich quer e.V. zur Gedenkveranstaltung eingeladen – diesmal erneut in der Lutherkirche.

Foto: Silas Messing.

Im Mittelpunkt standen Texte jener Autorinnen und Autoren, deren Werke 1933 von den Nationalsozialisten als „undeutsch“ diffamiert, verboten und öffentlich verbrannt wurden. Gelesen wurde unter anderem aus Werken von Erich Kästner, Bertolt Brecht, Stefan Zweig und Kurt Tucholsky.

„Es geht zum einen um das Erinnern, was damals passiert ist am 10. Mai – dass Bücher verbrannt wurden und wie massiv die Meinungsfreiheit eingeschränkt wurde“, erklärte Pfarrerin Anke Heil im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung. Gleichzeitig gehe es aber auch darum, die Freiheit zu feiern, die heute bestehe: „Dass wir diese Texte heute lesen dürfen und Kunst und Literatur frei zugänglich sind.“

Gemeinsam mit Martin Uebelacker erinnerte Heil daran, wie wichtig solche Veranstaltungen gerade in der heutigen Zeit seien. „Die Demokratie steht wieder von verschiedenen Seiten unter Druck“, sagte Uebelacker. Deshalb müsse immer wieder erklärt werden, „wie wichtig und wertvoll diese Freiheit ist – damit es uns nicht so geht wie den Autoren damals.“

Dass die Erinnerung wachgehalten werden müsse, darüber waren sich beide einig. „Man darf das Thema nicht vergessen“, betonte Heil. Gerade für jüngere Generationen werde der zeitliche Abstand zu den Ereignissen immer größer. Gleichzeitig gebe es kaum noch Zeitzeugen, die persönlich berichten könnten. „Vor zehn Jahren hatten wir hier noch Esther Bejarano zu Gast“, erinnerte Uebelacker. „Diese Stimmen fehlen heute.“

Die Veranstaltungsreihe habe sich inzwischen zu einem festen Bestandteil der Erinnerungskultur in Fulda entwickelt. Zum zweiten Mal fand die Lesung dabei in der Lutherkirche statt. Inhaltlich arbeitet der Verein seit Jahren eng mit der Fuldaer Buchhandlung Uhlisch zusammen. „Die Kooperation funktioniert sehr schön“, sagte Uebelacker. „Dort gibt es unglaublich viel Wissen über die Autoren und ihre Werke.“

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Duo „Zweiklang“, das zwischen den Lesungen für eine ruhige und zugleich eindringliche Atmosphäre sorgte. Unterstützt wird das Projekt zudem durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

Neben der historischen Erinnerung stand am Sonntag vor allem eine Botschaft im Mittelpunkt: Demokratie, Meinungsfreiheit und kulturelle Vielfalt sind keine Selbstverständlichkeit. Genau daran sollte die Lesung erinnern – mit Worten jener Menschen, die einst zum Schweigen gebracht werden sollten.

Lesung erinnert an Bücherverbrennung. Fotos: Silas Messing.