Lokales FD 06.05.2026

Gedenken an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 – Lesung

Fulda (pm/gü) – Der Verein Fulda stellt sich quer erinnert am 10. Mai erneut an die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen des Jahres 1933 – ein Ereignis, das wie kaum ein anderes für die systematische Unterdrückung von Meinungsfreiheit, Kunst und kritischem Denken steht. Bereits zum zwölften Mal in Folge findet aus diesem Anlass eine öffentliche Gedenkveranstaltung in der Lutherkirche in Fulda statt.

Ab 15 Uhr werden Bürgerinnen aus Fulda aus Werken jener Autorinnen lesen, deren Bücher von den Nationalsozialisten als „undeutsch“ diffamiert, verboten und öffentlich verbrannt wurden. Die Lesung setzt bewusst ein Zeichen gegen das Vergessen und macht deutlich, wie wichtig eine lebendige Erinnerungskultur gerade in der heutigen Zeit ist. Auch in Fulda fanden 1933 Bücherverbrennungen statt: Im Zuge der reichsweiten Aktionen wurden Werke missliebiger Autor*innen aus Bibliotheken entfernt und öffentlich vernichtet. Diese lokalen Ereignisse waren Teil einer zentral gesteuerten Kampagne zur Gleichschaltung von Kultur und Bildung. Ziel war es, kritische Stimmen aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen und eine ideologisch kontrollierte Gesellschaft zu schaffen. Das Gedenken in Fulda knüpft bewusst an diese lokale Geschichte an und stellt sich gegen jede Form von Ausgrenzung und Zensur. Zu den Autor*innen, deren Werke damals verfolgt wurden und aus denen bei der Veranstaltung gelesen wird, zählen unter anderem: Erich Kästner, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Stefan Zweig, Kurt Tucholsky und Lion Feuchtwanger. Ihre Texte stehen bis heute für Humanismus, Widerstand, Exil-Erfahrungen und den Mut, Missstände zu benennen.

Die Gedenkveranstaltung hat sich über die Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Fulda entwickelt. Seit ihrer ersten Durchführung wird sie von einem breiten Engagement aus der Stadtgesellschaft getragen und hat stetig an Bedeutung gewonnen. Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt der Mitwirkenden: In den vergangenen Jahren beteiligten sich unter anderem Bischof Dr. Michael Gerber, Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Stadtpfarrer Stefan Buß, die evangelische Pastorin Anke Heil sowie zahlreiche weitere Vertreter*innen aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft. Gerade diese Mischung aus bekannten Persönlichkeiten und engagierten Bürger*innen macht den besonderen Charakter der Veranstaltung aus. Die Lesung lebt davon, dass Menschen aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam auftreten und Haltung zeigen – für Demokratie, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander.

„Die Bücherverbrennungen von 1933 waren ein Fanal gegen Freiheit und Menschlichkeit – auch hier in Fulda. Dass wir heute gemeinsam aus genau diesen verbotenen Werken lesen, ist ein bewusstes Zeichen des Widerspruchs. Wir zeigen: Die Stimmen, die man zum Schweigen bringen wollte, sind heute lauter denn je“, erklärt Andreas Goerke, Vorsitzender von Fulda stellt sich quer. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Duo Zweiklang, das mit seinen Beiträgen eine eindringliche und zugleich würdevolle Atmosphäre schafft. Die Veranstaltung wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, das sich bundesweit für die Stärkung von Demokratie, Vielfalt und zivilgesellschaftlichem Engagement einsetzt. Der Eintritt ist frei. Alle Bürger*innen sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen und gemeinsam ein Zeichen für Erinnerung, Demokratie und kulturelle Vielfalt zu setzen.