Schon am Morgen füllte sich der Raum sichtbar. Rund 120 Frauen waren eingeladen, verteilt auf mehrere Zeitslots über den Vormittag hinweg. Mit dabei waren Unternehmen und Einrichtungen aus der Pflege, Alltags- und Schulbegleitung sowie haushaltsnahen Dienstleistungen – Branchen, die gezielt auch Frauen mit familiären Verpflichtungen Perspektiven bieten sollen.
„Wir wollen heute Brücken bauen“, sagte Markus Vogt, Leiter des Fachdienstes Kommunaler Arbeitsmarkt, zur Eröffnung. Die Veranstaltung sei bewusst als Mischung aus Informationsveranstaltung und Jobbörse konzipiert worden. Arbeitssuchende sollten unkompliziert ins Gespräch kommen, Arbeitgeber gleichzeitig motivierte neue Mitarbeiterinnen kennenlernen.
„Eine Jobmesse ohne Arbeitgeber wäre keine Jobmesse“, betonte Vogt und dankte den teilnehmenden Einrichtungen und Betrieben ausdrücklich für ihre Bereitschaft, sich Zeit für persönliche Gespräche zu nehmen. Ebenso hob er die Mitarbeitenden des Kreisjobcenters hervor, die im Vorfeld passende Teilnehmerinnen ausgewählt und angesprochen hatten.
Im Mittelpunkt stand ein möglichst niedrigschwelliger Zugang. Vogt verwies dabei auf die grundsätzliche Ausgangslage am Arbeitsmarkt: „Frauen haben es am Arbeitsmarkt häufig schwerer“, erklärte er im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung. Gründe seien unter anderem Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie finanzielle Rahmenbedingungen.
Genau an diesem Punkt setzt die Messe an, wie Barbara Linder, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Landkreis Fulda, erläuterte. Viele Frauen hätten Hemmungen, sich direkt bei Unternehmen zu bewerben. „Hier können sie ohne große Hürden einfach ins Gespräch kommen, Branchen kennenlernen und Kontakte knüpfen“, sagte Linder.
Die Auswahl der Arbeitgeber sei deshalb bewusst erfolgt. Gesucht worden seien Bereiche, in denen Teilzeitmodelle oder familienfreundliche Arbeitszeiten möglich seien – und in denen die Chancen auf einen beruflichen Einstieg besonders gut stehen.
„Unser Ziel ist natürlich, Menschen in Arbeit zu bringen“, sagte Vogt. Im besten Fall so, dass langfristig keine ergänzenden Bürgergeldleistungen mehr nötig seien. Dass das Konzept aufgeht, zeigte sich schnell vor Ort: Viele Teilnehmerinnen kamen bereits mit Lebenslauf, stellten gezielt Fragen oder suchten aktiv das Gespräch mit den anwesenden Trägern wie dem DRK, der Caritas, den Maltesern und den St. Vinzenz Sozialen Werken. „Die Motivation muss da sein“, so Vogt. Genau darauf habe man bei der Einladung geachtet.
Auch die Arbeitgeber zogen früh eine positive Zwischenbilanz. Patricia Peege vom DRK betonte, wie wichtig flexible Angebote gerade für Frauen seien: „Es ist für viele schwierig, Familie und Beruf zu verbinden.“ Die Ausbildungsangebote des DRK seien deshalb bewusst familienfreundlich gestaltet – etwa mit Unterrichtszeiten am Vormittag. Gleichzeitig gehe es natürlich auch darum, neue Fachkräfte zu gewinnen. „Das ist schon das Ziel – und aktiv dabei zu helfen, Menschen in Arbeit zu vermitteln“, so Peege.
Ähnlich äußerte sich auch Leona Heller von der Caritas. Besonders die Pflege biete viele Möglichkeiten, die oft unterschätzt würden. „Es hat nicht immer nur mit Schichtdienst zu tun“, sagte sie. Gerade für Frauen, die länger aus dem Beruf raus seien oder aus einem anderen Land kommen, könne die Branche neue Perspektiven eröffnen.
Der erste Eindruck der Messe fiel dabei durchweg positiv aus. „Es sind überraschend viele interessierte Damen hier“, sagte Heller. Vor allem die offene Atmosphäre und die direkte Ansprache würden gut angenommen.
Am Ende steht genau das im Zentrum der Veranstaltung: keine klassische Jobbörse mit Distanz und Druck, sondern ein persönlicher Rahmen, in dem erste Kontakte entstehen können – und vielleicht für manche Besucherinnen der erste konkrete Schritt in eine neue berufliche Zukunft.
