Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld begrüßte die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger im Fürstensaal zu „diesem besonderen Anlass“ und gratulierte ihnen herzlichst. Der Ort des Fürstensaals habe dabei eine passende Bedeutung, da er mit seinen historischen Portraits für die Geschichte Fuldas stehe. Bereits die Gründung der Stadt im Jahr 744 durch den aus England stammenden Bonifatius zeige, dass Fulda „von Anfang an international geprägt“ sei. „Es ist mir wichtig, dass Sie wissen, dass Menschen hierherkamen und gemeinsam Teil dieser Stadt wurden“, erklärte der Oberbürgermeister. Wingenfeld würdigte insbesondere die Leistungen der Neubürgerinnen und Neubürger auf dem Weg zu deutschen Staatsbürgerschaft: Die Sprache erlernen, beruflich Fuß fassen und sich in einer neuen Gesellschaft zurechtfinden, seien große Herausforderungen gewesen, die „mit viel Disziplin, Verzicht und sicherlich auch Rückschlägen“ gemeistert worden seien. So sei die Staatsbürgerschaft „mehr als nur ein Papier“, betonte er: „Es geht darum, Teil dieses Landes und ganz besonders auch dieser Stadt zu sein.“ Da Demokratie davon lebe, dass „Bürgerinnen und Bürger sich aktiv einbringen“, lud er die Anwesenden dazu ein, sich in Politik, Sport, Kultur und Gesellschaft zu engagieren. „Wir haben großen Respekt vor Ihren kulturellen Hintergründen, Sie haben damit die Möglichkeit, Brückenbauer zu werden“, betonte er. Besonders appellierte er jedoch auch, die Werte von Freiheit, Menschenwürde und Gleichheit aktiv zu leben und zu verteidigen.
Auch Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann gratulierte den Anwesenden. Die überreichten Dokumente seien „ein Symbol für all das, was erreicht wurde und für die Integration, die vollzogen wurde.“ Die Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft sei bewusst getroffen worden und habe „Mut, Geduld und Ausdauer“ erfordert. Mit diesem Schritt hätten sich die Neubürgerinnen und Neubürger auch zu den Werten bekannt, „die uns als Nation ausmachen“. „Gesellschaftlicher Zusammenhalt wächst dort, wo Menschen einander mit Respekt begegnen und Verantwortung füreinander übernehmen“, betonte sie abschließend.
Einen besonders persönlichen Einblick bot anschließend Pouneh Ghaemdoust in ihrem Erfahrungsbericht. Die aus Teheran stammende Wissenschaftlerin und Deutschdozentin schilderte ihren Weg zur Staatsbürgerschaft: Als sie vor sechs Jahren in Fulda angekommen sei, habe sie sich zunächst gefragt, ob sie sich hier jemals wohlfühlen könne. Heute könne sie dies stolz bejahen. Da sie bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Deutschland gelebt habe, sei sie früh von deutschen Werten geprägt worden. Später habe sie im Iran studiert, Deutsch unterrichtet und an einer renommierten Universität gelehrt. Besonders eindrücklich schilderte sie, wie ihr im Iran bewusst geworden sei, welche Bedeutung Werte wie Freiheit, Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Selbstbestimmungen der Frauen hätten. So hätten sie diese Werte „leise begleitet“, seien aber keinesfalls selbstverständlich. Eigentlich habe sie geplant, in den Iran zurückzukehren, Fulda sei jedoch längst zu einem Zuhause für sie geworden, auch wegen der internationalen Atmosphäre an ihrem Arbeitsplatz, der Hochschule Fulda. „Ich werde auch zukünftig im Spagat zwischen Deutschland und dem Iran leben. Dieser Spagat zerreißt mich aber nicht mehr, sondern ist Teil meiner Identität geworden.“
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch das Posaunenduett der Musikschule Fulda mit Georg Sauerbier und Kurt Adolph. Zusätzlich erhielten die Anwesenden die Möglichkeit, von Mitarbeitenden des Bürgerbüros vor Ort zur Einrichtung der Online-Funktion ihres Personalausweises beraten zu werden.
