Zum Auftakt machte HBV-Präsident Karsten Schmal deutlich, wie sehr die Landwirtschaft unter Druck steht. Die Stimmung in der Branche sei angespannt. „Wir befinden uns in einer schwierigen Situation – die Stimmung ist schlecht“, sagte Schmal mit Blick auf das aktuelle Agrarbarometer.
Besonders die Tierhaltung sieht er in einer kritischen Entwicklung. „Wir haben mittlerweile den ersten hausschweinefreien Landkreis in Hessen – das zeigt, wie die Tierhaltung zurückgeht“, so Schmal. Damit gehe nicht nur Produktion verloren, sondern auch Wertschöpfung im ländlichen Raum.
Zugleich steigen die wirtschaftlichen Belastungen massiv. „25.000 Euro Stallplatzkosten pro Tier – das ist nicht mehr darstellbar“, sagte Schmal deutlich. Investitionen würden dadurch zunehmend blockiert, weil Planbarkeit fehle. Viele junge Betriebsleiter stellten sich inzwischen die Frage, ob sich langfristige Investitionen unter diesen Bedingungen überhaupt noch lohnten.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Kritik war die wachsende Bürokratie. „Ich habe eher den Eindruck, dass Bürokratie noch schlimmer wird“, so Schmal. Hinzu komme eine zunehmende Unsicherheit durch ständig wechselnde politische Vorgaben – ein zentraler Grund für die zurückhaltende Investitionsbereitschaft in vielen Betrieben.
Nach dem Auftakt durch den Verbandspräsidenten begrüßte der Erste Beigeordnete der Gemeinde, Frank Hohmeier, die Gäste. Er hob die Bedeutung der Landwirtschaft für die Region hervor und betonte die enge Verbindung zwischen Kommune und Betrieben. Der Bauerntag sei ein wichtiges Signal für den ländlichen Raum und die Wertschätzung der Landwirtschaft.
Anschließend sprach Ursula Pöhlig, Präsidentin des Landfrauenverbandes Hessen, die die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft deutlich in den Mittelpunkt stellte. Ohne Landwirtinnen, so Pöhlig, seien viele Betriebe nicht arbeitsfähig. Gleichzeitig forderte sie mehr gesellschaftliche Anerkennung für die Leistungen der Familienbetriebe.
Darauf folgte Johannes Hamenstädt, Vorsitzender der Hessischen Landjugend, der die Perspektive der jungen Generation einbrachte. Er machte deutlich, dass der Berufsnachwuchs vor großen Herausforderungen stehe und vor allem eines brauche: Planungssicherheit und eine verlässliche Zukunftsperspektive.
Zum symbolischen Höhepunkt wurde sein Beitrag am Ende mit einer Geste verbunden: Hamenstädt übergab einen Stein an Landwirtschaftsminister Ingmar Jung – als Zeichen der Lasten, die die junge Generation derzeit in der Landwirtschaft trägt, aber auch als Mahnung, politische Verantwortung für verlässliche Rahmenbedingungen zu übernehmen.
Im Anschluss ergriff Volker Lein, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Vogelsberg, das Wort. Er dankte Gemeinde, Helfern und Unterstützern für die Organisation des Bauerntages und betonte die Bedeutung des gesellschaftlichen Rückhalts für die Landwirtschaft.
„Wir Bauern sind ohne unsere Frauen nichts“, sagte Lein mit Nachdruck und hob die zentrale Rolle der Landwirtinnen in den Betrieben hervor. Gleichzeitig betonte er die konstruktive Zusammenarbeit mit Kreis und Verwaltung. Landwirtschaft und Naturschutz müssten gemeinsam gedacht werden, nicht gegeneinander. Auch die Rapsbotschafterin Ida sowie die Milchkönigin Ida richteten Grußworte an das Publikum.
Im Anschluss folgten mehrere Fachvorträge, in denen insbesondere Fragen der Tierhaltung, der Investitionsförderung, der Agrarstruktur sowie der Zukunft der ländlichen Räume vertieft wurden. Dabei standen vor allem wirtschaftliche Rahmenbedingungen und politische Perspektiven im Mittelpunkt der Diskussionen.
Zum Abschluss der Verbandsbeiträge verschärfte erneut HBV-Präsident Karsten Schmal seinen Blick auf die politische Gesamtlage. Die Unsicherheit in der Branche führe direkt zu Investitionsstau und Strukturproblemen. „Wenn sich die Rahmenbedingungen ständig ändern, wird niemand mehr investieren“, machte er deutlich. Damit rückte er erneut die zentrale Forderung des Tages in den Mittelpunkt: Verlässlichkeit statt permanenter Reformunsicherheit.
Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung reagierte in seiner Rede ausführlich auf die Kritik der Verbände – und stellte zugleich eigene politische Akzente. Er betonte zunächst die enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und dem Verband. Viele Themen seien gemeinsam entwickelt worden, auch wenn man nicht in allen Punkten einer Meinung sei.
Zentraler Punkt seiner Rede war die Investitionssicherheit. „Ich höre von jungen Landwirten immer wieder: Ich würde investieren, wenn ich sicher wäre, dass sich die Regeln nicht ständig ändern“, so Jung. Genau hier müsse Politik ansetzen, um Vertrauen zurückzugewinnen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die regionale Vermarktung. Mit der Initiative „Hessen schmeckt“ wolle das Land gezielt heimische Produkte stärken. „Wir brauchen mehr Lebensmittelpatriotismus“, sagte Jung. Regionale Produkte seien nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern auch geschmacklich und ökologisch überlegen: „Ein Apfel aus Südhessen schmeckt einfach besser als ein Importprodukt, das unterwegs sein Aroma verliert.“
Auch beim Mindestlohn und bei bürokratischen Vorgaben zeigte Jung Verständnis für die Kritik aus der Branche. Gleichzeitig machte er deutlich, dass viele Entscheidungen nur im politischen Gesamtkompromiss möglich seien. Ziel bleibe es, Landwirtschafts- und Umweltpolitik stärker miteinander zu verbinden und die Betriebe nicht zusätzlich zu belasten.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Bauerntages zwischen klaren Warnungen und politischem Annäherungsversuch. Die Landwirtschaft fordert vor allem eines: Planungssicherheit, weniger Bürokratie und eine verlässliche Perspektive für die kommenden Jahre – ohne die der Strukturwandel weiter an Tempo gewinnen dürfte.
