Fußball 22.05.2026

A-Liga Ost – Showdown um die Meisterschaft: „Hop oder Top“

Osthessen (sim) – Dramatischer könnte die Ausgangslage in der Fußball-A-Liga Ost kaum sein: Zwei Spieltage vor Saisonende liefern sich die SG Dietershausen/Friesenhausen, der KSV Niesig und der SC Motten ein packendes Rennen um die Meisterschaft. Gerade einmal zwei Punkte trennen die drei Topteams – und am Samstag könnte im direkten Duell bereits eine Vorentscheidung fallen.

Dietershausen/Friesenhausen (in rot-schwarz) empfängt den KSV Niesig (in weiß) zum Topspiel – fällt am Samstag bereits eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft? Foto: Christine Görlich

Die SG Dietershausen/Friesenhausen geht dabei als Tabellenführer in das große Spitzenspiel gegen den KSV Niesig. Mit 75 Punkten liegt die SG aktuell einen Zähler vor Niesig, während der SC Motten mit 73 Punkten direkt dahinter lauert. Die Tabellenführung übernahm Dietershausen/Friesenhausen erst am vergangenen Spieltag durch den eigenen 3:0-Erfolg gegen die SG Ulstertal, nachdem Niesig beim 2:2 gegen den RSV Margretenhaun wichtige Punkte liegen ließ. Damit ist die ohnehin schon spannende Konstellation vor den letzten beiden Spieltagen endgültig zum Dreikampf geworden.

Nun kommt es am Samstag um 15 Uhr zum direkten Aufeinandertreffen – und die möglichen Szenarien könnten kaum spannender sein: Gewinnt die SG Dietershausen/Friesenhausen, wäre die Mannschaft klar auf Meisterkurs. Nur der SC Motten könnte dann mit zwei eigenen Siegen und einer gleichzeitigen Niederlage der SG am letzten Spieltag noch vorbeiziehen. Bei einem Remis würde die Entscheidung ebenfalls vertagt werden: Gewinnt Motten parallel sein Spiel, wäre der SCM punktgleich mit Dietershausen/Friesenhausen, läge aufgrund des direkten Vergleichs aber weiterhin hinter dem Spitzenreiter auf Rang zwei. Gewinnt dagegen Niesig, hätte der KSV die Meisterschaft am letzten Spieltag komplett in der eigenen Hand.

Entsprechend groß ist die Vorfreude rund um Dietershausen/Friesenhausen. „Es ist jedem bewusst. Das ganze Dorf ist euphorisch und das tut dem Verein gut“, sagt Trainer Imal Schersadeh. Dass seine Mannschaft überhaupt in dieser Situation steckt, sei ursprünglich nicht eingeplant gewesen: „Das war nie der Plan, dass wir da oben stehen. Dass es jetzt doch zu so einem kleinen Finale kommt, darüber freuen wir uns riesig.“

Der Trainer betont dabei immer wieder die besondere Stimmung rund um den Verein. Viele im Umfeld hätten mit einer solchen Saison nicht gerechnet, entsprechend groß sei jetzt die Begeisterung im Dorf. „Am Ende haben wir einfach eine tolle Runde gespielt“, sagt Schersadeh. „Die Jungs sollen das genießen.“

Druck verspüre seine Mannschaft dabei kaum. „Wir gehen ohne Druck rein und genießen das einfach. Die Zuschauer werden ein gutes Spiel sehen“, erklärt Schersadeh. Gleichzeitig weiß der Coach um die enorme Qualität des Gegners: „Niesig will mit aller Macht hoch und hat für mich schon die Favoritenrolle. Das ist eine brutal starke Mannschaft.“

Das deutliche Hinspiel wolle man dabei nicht überbewerten: „Wir waren damals sehr dezimiert. Diesmal wollen wir Niesig so lange ärgern wie möglich.“ Mit einem Unentschieden könnte die SG grundsätzlich gut leben: „Damit wären wir definitiv zufrieden.“

Doch auch der Blick nach hinten bleibt wachsam. Denn mit dem SC Motten lauert ein weiteres Team nur zwei Punkte entfernt auf seine Chance. „Motten ist ebenfalls eine sehr starke Mannschaft und wird bis zum letzten Spieltag kämpfen. Die dürfen wir auf keinen Fall aus den Augen verlieren“, sagt Schersadeh.

Beim KSV Niesig herrscht derweil maximale Spannung vor dem Gipfeltreffen. Trainer Daniel Weiß spricht offen von einem Alles-oder-Nichts-Spiel: „Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten – entweder ganz vorne oder auf Platz drei. Platz zwei halte ich für eher unwahrscheinlich. Das ist ein absolutes Hop-oder-Top-Spiel.“

Dabei blickt Weiß trotz des Drucks positiv auf die Entwicklung seiner Mannschaft. Vor allem die Rückrunde stimmt den Trainer stolz: „Zur Winterpause waren wir eigentlich schon weg. Dann haben wir eine überragende Rückrunde gespielt und sind seit 15 Spielen ungeschlagen.“ Die Mannschaft habe sich Schritt für Schritt zurück ins Titelrennen gearbeitet und sich diese Ausgangslage hart erarbeitet. Eine klare Favoritenrolle sieht der Niesiger Coach trotz der Tabellenkonstellation allerdings nicht: „Bei so einem Spiel gibt es keinen Favoriten. Das ist ein 50:50-Spiel und am Ende auch viel Tagesform.“

Unabhängig vom Ausgang zeigt sich Weiß zufrieden mit der Saison seiner Mannschaft: „Wenn wir es nicht schaffen, geht die Welt nicht unter. Wer am Ende oben steht, wird es verdient haben.“ Sollte Niesig tatsächlich Meister werden, würde der Verein den Aufstieg auch annehmen: „Alleine geografisch wäre das für uns wesentlich interessanter.“

Im Hintergrund lauert währenddessen der SC Motten auf seine Chance. Die Mannschaft empfängt parallel die Spvgg. Neuswarts und könnte von einem Remis im Spitzenspiel profitieren. Trainer Michael Jäger bleibt trotz der Ausgangslage vergleichsweise gelassen: „Wir wollen versuchen, beide Spiele zu gewinnen und schauen dann, was am Ende rauskommt. Wir machen uns da keinen Druck.“

Dass Motten überhaupt noch mitten im Titelrennen steckt, bewertet Jäger bereits jetzt als großen Erfolg. „Hätte vor der Saison jemand gesagt, dass wir über 70 Punkte holen, hätten wir das sofort unterschrieben“, erklärt der Coach. Gleichzeitig mache genau das die aktuelle Situation so besonders: „Wir waren so noch nie ganz oben dabei und bleiben deshalb entspannt.“

Die Chance auf den Aufstieg würde der SCM im Erfolgsfall dabei gerne wahrnehmen: „Auf jeden Fall.“ Gleichzeitig warnt Jäger vor dem kommenden Gegner: „Das ist eine Mannschaft, die unberechenbar ist und auch Topteams Punkte abnehmen kann.“

Neben der Spannung auf dem Platz spielt für Motten womöglich auch ein anderer Faktor noch eine Rolle. „Wir hoffen natürlich, dass uns der eine Punktabzug aufgrund der fehlenden Schiedsrichter am Ende nicht die Meisterschaft oder den Aufstieg kostet“, sagt Jäger mit Blick auf die Tabelle.

Die Voraussetzungen für ein dramatisches Saisonfinale könnten damit kaum größer sein: Drei Mannschaften kämpfen um den Titel, jeder Spieltag verändert die Ausgangslage – und möglicherweise entscheidet am Ende tatsächlich nur ein einziger Punkt über Meisterschaft und Aufstieg.

A-Liga Ost

 

Freitag

19 Uhr

Ulstertal – Büchenberg/Uttrichshausen (in Lahrbach)

 

Samstag

12.45 Uhr

Ehrenberg II – Kerzell/Löschenrod II (in Seiferts)

13 Uhr

Hofbieber II – Dipperz/Dirlos II

15 Uhr

Langenbieber – Elters/Eckweisbach/Schwarzbach II

Neuswarts – Motten

Steinau/Steinhaus – Rönshausen (in Steinau)

Poppenhausen – Künzell II

Dietershausen/Friesenhausen – Niesig (in Dietershausen)