Lokales FD 02.03.2026

Zuversicht in Fulda: Grüne intensivieren ihren Wahlkampf

Fulda (sk) – Beim gut besuchten Neujahrsempfang der Grünen im Antonius-Café in Fulda zeigte sich die Kreisvorsitzende Marie-Louise Puls zuversichtlich und blickte erwartungsvoll auf ein gutes Wahlergebnis. Festredner war der betreuende Bundestagsabgeordnete Boris Mijatovic aus Kassel, der als Außenpolitiker die Brücke zwischen Kommunal- und internationaler Politik schlug.

Von links: Jutta Hamberger, Marie-Louise Puls, Deborah Müller-Kottusch, Boris Mijatovic und Knut Heiland. Foto: Stefan Krug

Bereits in ihrer Begrüßung sprach Puls von einer positiven Stimmung an den Wahlkampfständen: „Ganz anders als letztes Jahr zur Bundestagswahl, wo wir fast nur auf Ablehnung gestoßen sind.“ Wie breit die Partei vor Ort aufgestellt ist, wurde deutlich, als sie alle anwesenden Kandidaten bat, sich kurz zu erheben – es waren viele.

Mijatovic stellte sich als Außenpolitiker vor. Er ist unter anderem Vorsitzender des Unterausschusses „Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und internationale Organisationen“ im Bundestag. Gleich zu Beginn betonte er jedoch: „In der Kommunalpolitik schlägt das politische Herz der Demokratie.“ Derzeit verfügen die Grünen über 1727 Mandate in den hessischen Gemeindevertretungen und 257 in den Kreistagen – „zu denen hoffentlich noch das eine oder andere hinzukommt“.

Mit Sorge verwies Mijatovic auf die 61 bewaffneten Konflikte im Jahr 2025 mit 160.000 Toten. Am Wochenende sei ein weiterer hinzugekommen – mit der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei. „Wir werden nicht in Fulda, nicht in Kassel die Welt retten. Aber wir können dazu beitragen, dass die Welt, in der wir leben, in unserem Einflussbereich besser wird.“ Die USA hätten nach Venezuela nun den zweiten bewaffneten, völkerrechtswidrigen Angriff auf ein anderes Land gestartet: „Man bombt auch Diktatoren nicht aus dem Palast.“ Als Ausschussvorsitzender setze er sich dafür ein, das Gewaltverbot der Vereinten Nationen zu verteidigen. Auch wenn das Thema weit entfernt erscheine, habe es unmittelbare Auswirkungen „auf uns vor Ort“. Um Verbrechen zu ahnden, brauche es die Vereinten Nationen und den Internationalen Strafgerichtshof – keine nationalen Alleingänge. „Wir sind keine Kriegstreiber. Ich verteidige diese internationalen Institutionen aus tiefster Überzeugung.“ Den Bezug zur Kommunalpolitik stellte er mit Blick auf hybride Kriegsführung und Anschläge auf kritische Infrastruktur her.

Scharfe Kritik übte Mijatovic an den Änderungen im Gebäudeenergiegesetz, von anderen Parteien auch „Heizungsgesetz“ genannt: „Ohne erneuerbare Energien bleiben wir abhängig von fossilen Energieträgern – und die werden überwiegend von Diktaturen geliefert. Was da in die SPD gefahren ist, weiß ich nicht. Von der CDU war nichts anderes zu erwarten.“ Der Ersatz von Öl und Gas durch Energie „vom Acker“ sei illusorisch. Selbst wenn sämtliche Flächen dafür genutzt würden, ließe sich nur rund ein Drittel des deutschen Bedarfs decken. „Ich verstehe nicht, warum Menschen CDU wählen. Wir Grünen sind die bessere Alternative.“

In Fulda gebe es „großartige Initiativen“. Mijatovic nannte den Stadtteiltreff Welcome In sowie den Fußballverein Aschenberg United – „dessen Fan ich bin“. Für den bevorstehenden Hessentag kündigte er seinen Besuch an: „Ich komme gerne vorbei, um euch am Stand – dann als stärkste Kraft – zu unterstützen.“

Zum Abschluss wandte sich Deborah Müller-Kottusch, Fraktionsvorsitzende im Kreistag, noch einmal an die Gäste. „Mein Einsatz gilt dem ländlichen Raum, damit dort Kultur und öffentlicher Personennahverkehr genauso selbstverständlich sind wie in der Stadt. Unser Handeln ist verantwortungsvoll und zukunftsorientiert.“ Die Grünen hätten die Erfahrung gemacht, dass ihre Anträge zunächst abgelehnt, später jedoch – „wenn auch ohne Copyright“ – von der CDU erneut eingebracht und beschlossen würden. In den Haushaltsberatungen seien sie die einzige Partei, die sich konsequent für Natur- und Umweltschutz einsetze. „Wir stecken voller Ideen – und tragen sie mit vollem Engagement nach draußen.“

Grüne starten in den Wahlkampf. Fotos: Stefan Krug