Doch das Geschäft mit Pappe, Kunststoff und Kabelbindern hat auch seine Schattenseiten. Wind, Wetter und nicht zuletzt Vandalismus setzen den Wahlbotschaften regelmäßig zu. Bei der SPD beobachtet man diese Entwicklung schon seit Jahren. Jochen Hammerschick, Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Fulda, spricht von einem bekannten Phänomen – auch wenn es in diesem Jahr bislang etwas ruhiger zugeht. „Es geht tatsächlich. Ich würde sagen, es ist im üblichen Rahmen, wenn nicht sogar etwas weniger“, erklärt er. Allerdings seien noch längst nicht alle Plakate aufgehängt.
Eine Konsequenz hat die Partei dennoch gezogen: Auf große Banner wird diesmal komplett verzichtet. Der Grund ist schlicht – sie werden besonders häufig beschädigt. „Die Zerstörung, also das Kaputtmachen, Beschmieren und Ramponieren dieser Plakate, hat massiv zugenommen“, sagt Hammerschick. Deshalb hängen derzeit überwiegend klassische Plakate im Stadtgebiet.
Für ihn ist das Thema jedoch mehr als nur eine ärgerliche Begleiterscheinung des Wahlkampfs. „Wenn Wahlplakate nicht zum eigenen Klientel passen, werden sie zerstört. Da fehlt dann auch der Respekt vor anderen Meinungen“, sagt er. Man müsse insgesamt daran arbeiten, Hass und Gewalt aus der Gesellschaft zu bekommen. „Sonst haben wir ein Problem“, ergänzt Hammerschick.
Ein Wahlplakat sei schließlich vor allem eine Erinnerung an die Wahl. Je nach Vorfall habe die SPD auch schon Strafanzeige gestellt. Ganz verzichten wolle man auf Plakate trotzdem nicht – auch wenn Hammerschick deutlich formuliert: „Aus meiner Sicht ist das mittlerweile ein absolut rechtsfreier Raum.“
Auch bei der CWE hat man sich Gedanken über Größe und Platzierung der Wahlwerbung gemacht. Vorsitzender Thomas Grünkorn berichtet, dass seine Partei bewusst auf kleinere Formate setzt. „Wir haben uns dafür entschieden, nur DIN-A1-Plakate zu nutzen und die ganz großen Plakate nicht“, sagt er. Aktuell seien keine Beschädigungen bekannt – zumindest keine gemeldeten. Das bedeute allerdings nicht automatisch, dass es keine gibt. Manche Schäden würden schlicht später entdeckt.
Oft seien es auch ganz andere Ursachen, die Plakate in Schieflage bringen. „Manche werden gedreht oder durch den Wind verschoben“, sagt Grünkorn. Wer täglich an einem Standort vorbeikommt, merke solche Veränderungen schnell – andere Stellen bleiben dagegen länger unbeachtet. Die Erfahrung aus früheren Wahlkämpfen: Große Motive ziehen mehr Aufmerksamkeit auf sich – und werden offenbar auch häufiger beschädigt. Kleinere Plakate bleiben eher verschont.
Einen etwas anderen Ansatz verfolgen die Grünen im Landkreis. Dort setzt man bewusst auf weniger Plakate und auf nachhaltigere Materialien. Sprecherin Marie-Louise Puls erklärt, dass ihre Partei überwiegend klassische Plakate an den dafür freigegebenen Laternenstandorten nutzt. Auf das Anbringen an Bäumen wird bewusst verzichtet.
Zudem kommen häufiger Pappplakate statt Kunststoffvarianten zum Einsatz. Insgesamt sei die Zahl der Plakate geringer als bei vielen anderen Parteien. „Im Vergleich zu vergangenen Wahlkämpfen verzeichnen wir bislang deutlich weniger Beschädigungen oder Diebstähle“, sagt Puls. Einzelne Fälle gebe es zwar, diese seien jedoch angezeigt worden. Beschädigte Plakate würden in der Regel zeitnah entfernt oder – wenn sinnvoll – ersetzt.
Eine Besonderheit gibt es in Petersberg: Dort hat sich der örtliche Grünen-Verband entschieden, im aktuellen Wahlkampf komplett auf Plakatierung zu verzichten. Der Kreisverband respektiert diese Entscheidung, schließt jedoch nicht aus, im Rahmen der Kreistagswahl auch dort Plakate aufzuhängen.
Parallel beobachtet Puls eine andere Entwicklung im direkten Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern. „Wir erleben derzeit wieder deutlich mehr Aufgeschlossenheit für grüne Themen“, sagt sie. Entsprechend blickt die Partei optimistisch auf die heiße Phase des Wahlkampfs mit Infoständen und Veranstaltungen.
Andere Parteien setzen weiterhin stark auf die klassische Wahlwerbung im Straßenraum. Mario Klotzsche, Bezirksvorsitzender Nord- und Osthessen sowie Kreisvorsitzender Fulda, erklärt, dass seine Partei in allen Städten und Gemeinden plakatiert – meist im Format A1, in der Stadt Fulda teilweise auch größer. Ergänzend kommen Bauzaunbanner und Großflächenplakate zum Einsatz.
Besondere Schutzmaßnahmen gebe es in der Regel nicht. Beschädigungen, Beschmierungen oder auch entfernte Plakate kämen vereinzelt vor. Das Ausmaß sei je nach Standort unterschiedlich. In solchen Fällen würden Strafanzeigen gestellt, zudem beschädigte Plakate meist ersetzt. Neben Vandalismus spiele allerdings auch das Wetter eine Rolle – gerade starker Wind könne Schäden verursachen.
Was viele Menschen nicht sehen: Hinter den Plakaten steckt oft persönlicher Einsatz. „Viele unserer Kandidatinnen und Kandidaten hängen ihre Plakate selbst auf und finanzieren sie auch selbst“, betont Klotzsche. Schäden träfen daher nicht nur das Material, sondern auch das Engagement der Menschen vor Ort.
Beim CDU-Stadtverband Fulda gehören neben klassischen Flexiplex-Plakaten im Format B1 auch Bauzaunbanner zum Wahlkampf. Damit möchte die Partei an verschiedenen Standorten auf Themen aufmerksam machen und ihre Kandidatinnen und Kandidaten bekannt machen.
Stadtverbandsvorsitzender und Bürgermeister Dag Wehner erklärt, dass besondere Schutzmaßnahmen gegen Vandalismus nicht ergriffen wurden. „Ein umfassender Schutz lässt sich aus unserer Sicht ohnehin kaum sicherstellen“, sagt er. Einzelne Beschädigungen oder Verschmutzungen habe es zwar gegeben, insgesamt falle das Ausmaß im Vergleich zu früheren Wahlkämpfen jedoch nicht besonders ins Gewicht. Wenn Schäden bekannt werden, werden die Plakate ersetzt.
Wie viele Fälle tatsächlich bei den Behörden registriert werden, zeigt eine Anfrage an das Polizeipräsidium Osthessen. Nach Angaben von Pressesprecher Jonas Trabert wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums nach derzeitigem Stand (26.02.) insgesamt 21 Strafanzeigen im Zusammenhang mit Wahlplakaten aufgenommen. Dabei handelt es sich um Diebstahls- oder Sachbeschädigungsdelikte.
Zum Vergleich: Während der Kommunalwahl im Jahr 2021 wurden 11 Strafanzeigen registriert. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf eingereichte Anzeigen. Eine einzelne Anzeige kann mehrere beschädigte oder entwendete Plakate umfassen – die reine Zahl der Anzeigen ist daher lediglich ein Indiz für das tatsächliche Ausmaß der Vorfälle. Besondere Hotspots benennt die Polizei nicht konkret; im Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Fulda wurden jedoch die meisten Straftaten angezeigt.
So zeigt sich im Fuldaer Wahlkampf ein Bild, das vielerorts ähnlich ist: Wahlplakate gehören zur Demokratie im Straßenraum – und sind gleichzeitig ein leichtes Ziel. Sie hängen im Wind, werden diskutiert, ignoriert, fotografiert oder manchmal heruntergerissen. Für viele Parteien gehört das inzwischen fast zur Routine. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass der politische Wettbewerb am Ende dort stattfindet, wo er hingehört – bei Argumenten und an der Wahlurne.
