Frösche und Kröten verbringen den Winter gut geschützt unter der Erde, in Laub- oder Steinhaufen oder unter Wurzeln. Kaum sind Frost und Schnee vorüber begeben sie sich auf Wanderschaft. Ein innerer Kompass führt sie – vorwiegend in der Dämmerung bei feuchter Witterung – unbeirrt zu dem Gewässer zurück, in dem sie einst als Quappe aus dem Ei geschlüpft sind. Doch jedes Jahr fallen tausende Tiere dem Straßentod zum Opfer. Denn die Lebensräume zwischen denen sie hin und herwandern, sind von Straßen zerschnitten. „Viele Tiere bleiben außerdem auf dem noch vom Tag aufgeheizten Asphalt sitzen, um sich aufzuwärmen“, führt Lisa Holz, Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, aus. Dass sie auch noch alle fast gleichzeitig loswandern, verursacht jedes Jahr große Verluste bei den Populationen.
An besonders stark frequentierten Straßen stellt der Landkreis deshalb Warnschilder auf, um Verkehrsteilnehmer bis Ende April vor den wandernden Kröten zu warnen und zu angepasster Geschwindigkeit aufzurufen. „Sinnvoll für den Schutz der Tiere wären 30 km/h. Bei höheren Geschwindigkeiten können sie durch den Luftdruck der über sie hinweg fahrenden Autos innere Blutungen erleiden, auch wenn sie nicht direkt überrollt werden,“ erklärt Lisa Holz. Wo es möglich ist, wird der Amphibienschutz auch straßenbaulich mitgedacht. So ist zum Beispiel im Zuge der Erneuerung der K143 zwischen Burghaun-Langenschwarz und Unter-Schwarz (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) eine Amphibienleitanlage vom Landkreis installiert worden. Hier finden die wandernden Amphibien durch ein angeschlossenes Tunnelsystem selbst sicher ihren Weg zum Gewässer.
An vier Straßen beauftragt der Landkreis ab Ende Februar zudem den Aufbau mobiler Amphibienschutzzäune. In Eiterfeld-Wölf stellt und betreut die Jugendfeuerwehr einen Krötenzaun. Ehrenamtliche kontrollieren über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen jeden Tag die Zäune und bringen die gestrandeten Tiere in Sammelbehältern über die Straßen in das nächstgelegene Gewässer. Das ist zeitaufwändig, aber für die Ehrenamtlichen ist die Rettung per „Krötentaxi“ Ehrensache und jedes Jahr ein Highlight im Kalender: „Es macht mir großen Spaß, abends auf Krötenrettung zu gehen, weil da einfach so viele Tiere am Zaun sitzen“, erzählt der zehnjährige Jona aus Petersberg. Er hilft mit seiner Familie und Freunden an der Kneshecke bei Dipperz beim Krötensammeln mit: „In den Eimern landen hauptsächlich Erdkröten. Ab und zu auch ein paar Molche und Frösche.“
Mit knapp einem Kilometer Länge steht hier der längste Zaun im Landkreis. Die Zahlen sind beeindruckend und verdeutlichen die Bedeutung der dortigen Krötenpopulation: 2025 waren es rund 2500, 2024 3000 und 2023 sogar 4200 Tiere in einer Saison. „Die Zahlen schwanken jedes Jahr ein bisschen und verdeutlichen, wie wichtig diese Population ist“, betont Lisa Holz: „Amphibien stehen unter besonderem Schutz: Sie sind Nahrung für andere Tiere, reduzieren selbst Pflanzenschädlinge und halten Gewässer sauber. Auch wenn wir nicht jede einzelne Kröte retten können, tragen die Maßnahmen effektiv dazu bei, die vorhandenen Populationen zu erhalten.“
Die mobilen Amphibienschutzzäune finden sich entlang:
der K156 zwischen Reckrod und Wölf (Gemeinde Eiterfeld)
der L3079 bei Jossa (Gemeinde Hosenfeld)
der L3079 bei Giesel (Gemeinde Neuhof)
der B278 zwischen Tann und Schlitzenhausen sowie oberhalb der Kneshecke bei Dipperz
