Lokales FD 14.03.2026

Vom Lehrerzimmer auf die Bühne: Herr Schröder im OZ-Gespräch

Fulda (sim) – Wenn im Klassenzimmer die Stunde endet, heißt es oft: „Der Rest ist Hausaufgabe.“ Beim Stand-up-Comedian Herr Schröder wird daraus gleich ein ganzes Bühnenprogramm. Am 31. Mai 2026 klingelt für ihn in der Fuldaer Esperantohalle die Schulglocke – und für das Publikum beginnt eine humorvolle Doppelstunde über eines der größten Dauerexperimente der Republik: das deutsche Bildungssystem.

Foto: Boris Breuer

„Meine erste Solo-Show habe ich tatsächlich in Fulda gespielt“, erzählt Schröder im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung. 2016 stand er mit seinem damaligen Solo-Programm „World of Lehrkraft“ im Kulturkeller auf der Bühne. „Das war für mich wie ein Baby. Seitdem komme ich immer wieder gerne hierher.“ Nach Auftritten in kleineren Locations – etwa im Kreuz – wagt er nun den nächsten Schritt: die große Bühne der Esperantohalle. „Darauf bin ich sehr gespannt – mit diesem alten Fulda-Gefühl.“

Eine Comedy-Doppelstunde über Schule und Leben

Sein neues Programm versteht Herr Schröder als eine Art Unterrichtseinheit – allerdings ohne Lehrplan. „Viereinhalb Stunden, die sich anfühlen wie achteinhalb“, sagt er mit einem Grinsen. „Eine Doppelstunde geballte pädagogisch wertfreie Unterweisung.“

Inhaltlich ist „Der Rest ist Hausaufgabe“ eine humorvolle Bildungsreise durch das System Schule. Schröder nimmt das Publikum mit auf Klassenfahrt, und fragt, welche pädagogische Bedeutung solche Momente eigentlich haben. Auch Themen wie Pubertät und die Suche nach der eigenen Identität spielen eine Rolle. „Die Ich-Findung ist ein großes Thema“, sagt er. Vieles im Schulalltag verändere sich – anderes bleibe erstaunlich konstant.

Ein Ort darf dabei natürlich nicht fehlen: das Lehrerzimmer. „Das ist eigentlich das zweitgeheimste Zimmer nach dem Bernsteinzimmer“, sagt Schröder und lacht.

95 Prozent echtes Lehrerzimmer

Dass seine Programme so nah an der Realität sind, kommt nicht von ungefähr. Hinter der Figur Herr Schröder steckt der studierte Deutsch- und Englischlehrer Johannes Schröder, der selbst zwölf Jahre im Schuldienst gearbeitet hat.

„Es stecken ungefähr 95 Prozent echtes Lehrerzimmer in meinen Programmen“, erzählt er. „Die restlichen fünf Prozent sind Übertreibung – die möge man mir verzeihen.“ Viele Geschichten aus dem Bühnenprogramm stammen aus echten Situationen: Klassenfahrten, Gespräche mit Schülern oder kleine absurde Momente im Unterricht. „Da überlege ich immer, welche pädagogische Weisheit man daraus ableiten kann.“

Schule im Zeitalter von KI

Gerade weil sich Schule stark verändert, gehen ihm die Themen nicht aus. Digitalisierung, Tablets und Künstliche Intelligenz sorgen für neue Herausforderungen – und liefern reichlich Comedy-Material.

„Für die Bühne ist das eine Goldgrube“, sagt Schröder. „Die Welt entwickelt sich wahnsinnig schnell – so schnell kann Schule gar nicht hinterherkommen.“ Während Lehrer sich gerade erst an PDFs gewöhnt hätten, sei mit ChatGPT schon die nächste Revolution im Klassenzimmer angekommen.

Dass Schüler KI längst nutzen, zeigt für ihn eine Anekdote aus dem Alltag: Eine Schülerin habe sich von einer KI sogar einen Spickzettel schreiben lassen. „Da merkt man, wie selbstverständlich diese Technik geworden ist.“ Trotz aller Witze sieht Schröder darin auch eine ernsthafte Herausforderung für das Bildungssystem.

„Früher war es so: Der Lehrer stellt die Frage, der Schüler gibt die Antwort“, sagt er. „Aber Antworten kann eine KI heute oft schneller liefern.“ Deshalb müsse Schule künftig stärker darauf setzen, gute Fragen zu stellen. „Die Fähigkeit, gute Fragen zu stellen, ist eigentlich die höhere Leistung. Darauf müssen wir Schüler vorbereiten.“

Die größte Herausforderung im Klassenzimmer

Würde er heute noch einmal als Lehrer ins Klassenzimmer zurückkehren, wäre genau das für ihn die größte Herausforderung. „Man muss verstehen, was gerade in den Köpfen der Schüler passiert“, sagt Schröder. Welche Themen sie beschäftigen, welche Videos sie schauen, wie sie denken – all das verändere sich ständig.

Das mache Unterricht komplex, aber auch spannend. „Eigentlich war Schule schon immer komplex“, sagt er. „Da sitzen so viele unterschiedliche Menschen mit völlig verschiedenen Voraussetzungen.“

Welche Note bekommt das Schulsystem?

Wenn er dem deutschen Schulsystem eine Note geben müsste, würde Herr Schröder nicht allzu streng sein – aber auch nicht überschwänglich.

„Ich würde eine ausreichend, vielleicht mit einem kleinen Minus geben“, sagt er. Der Grund sei nicht mangelndes Engagement – im Gegenteil. „Es gibt unglaublich viele engagierte Lehrer, die sich für ihre Schüler einsetzen und sich wirklich dumm und dämlich arbeiten.“ Gleichzeitig stehe das System unter großem Druck – vom Lehrermangel bis zur Digitalisierung.

Vom Lehrer nach Toronto

Sein Weg zur Comedy führte Schröder übrigens über einen ungewöhnlichen Umweg. 2014 zog es ihn von Deutschland nach Toronto, wo er in kleinen Clubs das Handwerk der Stand-up-Comedy lernte.

Der Schritt ins Ausland sei bewusst gewesen. „In einer fremden Umgebung fühlt man sich oft freier“, sagt er. „Man traut sich mehr – so wie im Urlaub, wenn man plötzlich neue Dinge ausprobiert.“

Seine erste Nummer in Kanada handelte übrigens von dem Flughafen in Toronto – und von der deutschen Liebe zur Ordnung. „In Toronto gibt es nur Terminal eins und drei“, erzählt er. „Das hat mich als Deutschen komplett irritiert.“

Vom Klassenzimmer in die großen Hallen

Heute gehört Herr Schröder zu den erfolgreichsten Comedy-Acts der vergangenen Jahre. Mit seinem Programm „Instagrammatik“ füllte er große Hallen, seine humorvollen Lehrer-Reels erreichen in sozialen Netzwerken ein Millionenpublikum. Regelmäßig tritt er in Fernsehsendungen wie „Nuhr im Ersten“ oder „NightWash“ auf, außerdem hostet er den Podcast „Nachsitzen mit Herrn Schröder“.

Trotzdem bleibt für ihn eines unverändert: Schule ist und bleibt ein riesiges Puzzle. „Schule ist wie ein Gruppenpuzzle mit tausend Teilen“, sagt er. „Manchmal hat man das Gefühl, ein paar davon fehlen.“ Genau darin liegt wohl auch der Grund, warum seine Comedy so gut funktioniert. Denn egal ob Schüler, Eltern oder Lehrer – fast jeder erkennt sich in seinen Geschichten wieder.

Und spätestens wenn Herr Schröder auf der Bühne sagt: „Tablets raus, einloggen und mitmachen – auch in der letzten Reihe“, wird vielen im Publikum klar: Die Stunde hat gerade erst begonnen. Der Rest ist Hausaufgabe.