Lokales FD 13.03.2026

„Teil meines Lebens stirbt“: Betriebsrat-Chef zum tegut-Aus

Fulda (jah) – Der angekündigte Rückzug der Genossenschaft Migros Zürich aus dem deutschen Markt und die geplante Zerschlagung der Tegut-Gruppe sorgen weiter für große Betroffenheit. Günter Ledermann, Vorsitzender des Tegut-Betriebsrats, spricht gegenüber Osthessen-Zeitung über persönliche Emotionen, die Stimmung unter den Beschäftigten und die Hoffnung auf einen sozialverträglichen Übergang.

Symbolfoto: Görlich Media

Die Entscheidung der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ), sich vollständig aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und große Teile der Tegut-Gruppe zu verkaufen, hat auch innerhalb des Unternehmens für tiefe Einschnitte gesorgt. Etwa 200 der rund 300 Filialen soll künftig von der Edeka-Gruppe übernommen werden, weitere Standorte könnten unter anderem an Rewe gehen. Voraussetzung für die Übernahmen ist noch die Zustimmung des Bundeskartellamts.

Für Günter Ledermann, Vorsitzender des Tegut-Betriebsrats, ist die Nachricht auch persönlich ein schwerer Moment. Nach fast fünf Jahrzehnten im Unternehmen blickt er auf eine lange Geschichte zurück. „Persönlich hat mich diese Entscheidung, auch wenn sie vielleicht in irgendeiner Weise vorhersehbar war, sehr betroffen gemacht“, sagt Ledermann im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung. „Nach fast 48 Jahren als Tegutianer stirbt ein großer Teil meines Lebens. Der Gedanke, dass Tegut von der Landkarte in Deutschland verschwinden wird, schmerzt mich persönlich sehr.“

Gleichzeitig betont der Betriebsratsvorsitzende, dass nun vor allem die Zukunft der Beschäftigten im Mittelpunkt stehen müsse. „Als Betriebsrat werden wir – trotz des aktuellen Schmerzes – bis zur kompletten Abwicklung von Tegut alles geben, um einen guten, sozialverträglichen Übergang für unsere Mitarbeitenden hinzubekommen.“

Die Nachricht selbst kam für den Betriebsrat derweil nicht völlig überraschend. Patrik Pörtig, Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Zürich, hatte die Arbeitnehmervertretung zuvor informiert. „Patrik Pörtig war in diesen Tagen in Fulda und hat den Betriebsrat vorab informiert, bevor er am Mittwoch die Mitarbeitenden persönlich über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt hat“, berichtet Ledermann. Trotzdem sei die Enttäuschung groß. „Selbstverständlich bin ich persönlich tief betroffen – wir alle hätten uns einen anderen Ausgang der Situation gewünscht.“

Auch unter den Beschäftigten müsse die Nachricht zunächst verarbeitet werden. Gleichzeitig sieht Ledermann aber auch positive Signale für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Die Nachricht muss zunächst verarbeitet werden. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir schon bald wieder aktiv ins Handeln kommen“, hofft das Tegut-Urgestein. Die Belegschaft habe bereits in den vergangenen Monaten gezeigt, wie stark sie sei. „Wir haben großartige Mitarbeitende, die während der Sanierung bewiesen haben, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen hervorragende Leistungen erbringen und sich mit vollem Einsatz für unsere Kundinnen und Kunden engagieren.“ Dass ein großer Teil der Filialen weitergeführt werden soll, gebe vielen Beschäftigten Hoffnung. „Die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil der Filialen und damit viele Arbeitsplätze bereits gesichert sind, ist ein zusätzlicher Motivationsfaktor – trotz der herausfordernden Umstände.“ Besonders emotional ist für viele Mitarbeitende auch der mögliche Abschied von einer Marke mit langer Tradition. „Ich glaube, ich spreche im Namen aller, wenn ich sage, dass wir uns gewünscht hätten, dass die Marke Tegut erhalten bleibt“, sagt Ledermann abschließend.