„Neben klassischen Edeka-Märkten wird auch Netto künftig einige Standorte betreiben“, verkündet Kramm. Der Discounter ist bereits seit 2009 ein Tochterunternehmen der Edeka-Gruppe, im Jahr 2021 sicherte sich der Einzelhandelsriese auch die noch verbliebenen zehn Prozent von Netto, die bis dato die Tengelmann-Gruppe hielt. Bereits bekannt war, dass Edeka den Großteil der Tegut-Filialen erworben hat. Kramm bestätigte in diesem Zuge noch einmal, „dass es sich um etwas mehr als 200 der etwa 300 Märkte handelt.“ Was mit den übrigen Filialen passiert, kann der Geschäftsführer indes nicht sagen: „Wir haben keine Kenntnis darüber, was mit den restlichen Märkten passiert. Ich gehe aber davon aus, dass ein Großteil von anderen Lebensmittelhändlern übernommen wird, natürlich kann es aber auch zu Schließungen kommen.“ Unter anderem Rewe war immer wieder Teil der Gespräche, wenn es um die Übernahme der restlichen Tegut-Filialen ging. „Wir hätten im Übrigen auch alle Filialen erworben, Migros hatte aber großes Interesse an einer schnellen und reibungslosen Abwicklung durch das Kartellamt – das wäre in diesem Fall mehr als schwierig geworden“, erläutert Florian Kramm.
Für die Tegut-Mitarbeiter hat Kramm derweil gute Nachrichten: In den Märkten, die künftig unter Edeka-Flagge laufen, sollen die Mitarbeiter bleiben können. „In den entstehenden Edeka-Filialen werden die Mitarbeiter übernommen“, betont der Geschäftsführer. Derzeit versuche Edeka, möglichst schnell mit den Belegschaften von Tegut ins Gespräch zu kommen. „Wir befinden uns derzeit in intensiven Gesprächen mit Migros, damit sich Edeka möglichst bald auch in den Tegut-Filialen vorstellen kann – vor allem um Fragen zu beantworten und Unsicherheiten der Mitarbeiter aus dem Weg zu räumen.“ Das sei allerdings nicht ganz einfach, weil die Märkte formal noch nicht Edeka gehörten. „Uns gehören die Märkte ja noch nicht. Aber wir sind in konstruktiven Gesprächen mit Migros und zuversichtlich, dass das zeitnah geschehen kann – unabhängig davon, wie später die Entscheidung des Kartellamtes ausfällt. Das ist uns besonders wichtig, dass wir auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugehen.“
Der Verkauf eines großen Teils der Tegut-Gruppe steht weiterhin unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. Bis eine Entscheidung fällt, können noch einige Monate vergehen. „Das ganze Team zittert noch wegen des Kartellamtes“, sagt Kramm. „Wir gehen fest davon aus, dass diese Phase noch Monate dauern wird, bis da eine Entscheidung getroffen ist.“ Sollte die Übernahme genehmigt werden, soll sich für die Kundinnen und Kunden in vielen Märkten einiges ändern. „Das Positive ist in jedem Fall: Die Nahversorgung wird sichergestellt“, erklärt Kramm. Ohne eine Übernahme durch Edeka wäre es nach seiner Einschätzung möglich gewesen, dass einzelne Standorte langfristig verschwinden.
Auch beim Angebot plant Edeka Veränderungen. „Wir wollen in den entstehenden Edeka-Filialen das Preisniveau senken und werden ähnliche Produkte wie Tegut preiswerter anbieten“, kündigt der Geschäftsführer an. Gleichzeitig soll das Sortiment erweitert werden. „Die Angebotsauswahl wird größer werden. Wir werden weiterhin auf regionale Produkte setzen und diesen Bereich sogar noch weiter ausbauen.“ Insgesamt wolle Edeka die Märkte weiterentwickeln und modernisieren: „Wir werden die Märkte insgesamt verbessern.“
Dass nach der Übernahme künftig teilweise mehrere Supermärkte unterschiedlicher Anbieter in unmittelbarer Nähe zueinander liegen könnten, sei dabei kaum zu vermeiden. „Überschneidende Einzugsgebiete wird es immer geben“, sagt er. „In einer idealen Welt würde man das natürlich vermeiden, aber das geht gar nicht.“ Schließlich seien auch Kommunen, Genehmigungsbehörden und baurechtliche Vorgaben an solchen Entscheidungen beteiligt.
Die Entscheidung der Schweizer Genossenschaft Migros, die seit Jahren kriselnde Tegut-Gruppe abzustoßen, kam wenig überraschend – die Meldung erschütterte allerdings dennoch den landesweiten Einzelhandel. Auch die Bäckerei Pappert hat die Nachricht von dem Aus für tegut und dem Verkauf der Märkte mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Das Familienunternehmen mit Sitz in Rönshausen ist im Vorkassenbereich vieler tegut-Märkte mit eigenen Filialen vertreten. „Wir haben über Jahre mit der Firma tegut ein gutes Geschäftsverhältnis gehabt“, sagt Thomas Bertz, Marketingleiter bei Pappert. Es sei grundsätzlich kein schöner Tag für Fulda und die Geschäftswelt, wenn das Aus für ein solches Unternehmen verkündet werde, das stimme traurig. Bei Pappert hofft man mit den tegut-Mitarbeitern, dass es für sie, wie von der Migros angekündigt, in den jeweiligen Märkten unter neuer Inhaberschaft weitergeht.
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