„Es ist schon ein starkes Stück, dass Amazon am Standort Bad Hersfeld langjährige Beschäftigte auf unproduktive Standzeiten – sogenannte Idle-Times – anspricht und Druck ausübt“, sagt Marcel Schäuble, ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter Handel in Hessen. „Zum einen ist das Tracking der Beschäftigten und die damit verbundene Leistungskontrolle höchst problematisch, zum anderen ist das durchlaufende Warenvolumen zurzeit deutlich reduziert und Leerläufe von Amazon selbst gesteuert“, so Schäuble. Der Standort in Bad Hersfeld befindet sich seit Herbst 2025 im Umbau auf Robotertechnologie. Die Belegschaft hat sich schon im Vorfeld des Umbaus nahezu halbiert. Ab Ende 2026 soll nach den Planungen der Standort wieder mit der bereits jetzt erreichten Personalstärke in Vollauslastung gehen.
„Die Vermutung liegt nahe, dass Amazon während der Umbauphase weitere langjährigen Beschäftigte abbauen will, um dann nach dem Umbau des Lagers über Neueinstellungen günstig neues Personal einzustellen“, sagt Schäuble. „Derzeit verdienen Einsteiger bei Amazon in Bad Hersfeld 17 Prozent weniger als langjährige Beschäftigte und haben in den ersten beiden Beschäftigungsjahren zusätzlich keinen Anspruch auf Sonderzahlungen. Die Menschen bei Amazon sind verärgert über diese Vorgehensweise. Es zeigt sich nach wie vor, wie wichtig der geforderte Tarifvertrag bei Amazon ist, um eben solche Lohndiskrepanzen abzuschaffen, die Beschäftigte am Ende gegeneinander ausspielen.“
Statement von Amazon
„Kunden können sich wie immer auf eine schnelle und zuverlässige Lieferung ihrer Bestellungen verlassen. Die Kollegen profitieren von fairen Löhnen und guten Zusatzleistungen“, teilt wiederum Oliver Kentschke (Amazon Corporate Communications) auf Nachfrage mit und erläutert: „Der Einstiegslohn bei Amazon in Deutschland liegt bei 15,65 Euro brutto pro Stunde aufwärts. Über 50 Standorte zahlen schon heute Einstiegslöhne von 16,00 Euro und mehr. Dazu gibt es viele Extras, wie die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen mit bis zu 4500 Euro pro Jahr, die Kostenübernahme des Deutschlandtickets, die betriebliche Altersvorsorge und Familienboni. Nicht umsonst ist die Hälfte der Kollegen schon seit über fünf Jahren bei uns.“ Der Streikaufruf von verdi solle damit keine Auswirkungen auf jegliche Kundenbestellungen haben.
