Mit 3438 Stimmen holt er 59,92 Prozent. Sein Kontrahent Daniel Schmidt kommt auf 2300 Stimmen (40,08 Prozent). Insgesamt 5738 Wählerinnen und Wähler beteiligen sich an der Stichwahl, die Wahlbeteiligung liegt bei 56,33 Prozent. Ein deutliches Ergebnis – und ein klares Signal für den politischen Wechsel an der Rathausspitze.
Die Auszählung verläuft an diesem Abend zügig. Schon nach den ersten Ergebnissen liegt Marx vorne, zeitweise mit mehr als 60 Prozent. Zwar schmilzt der Vorsprung im Laufe der Auszählung leicht, doch ernsthaft in Gefahr gerät der Sieg nicht mehr. Nach nicht einmal einer Stunde steht das vorläufige Endergebnis fest.
Dabei war die Ausgangslage vor zwei Wochen noch denkbar knapp: Im ersten Wahlgang hatte Marx mit 49,94 Prozent die absolute Mehrheit um gerade einmal 0,06 Prozent verpasst. Daniel Schmidt lag bei 34,03 Prozent. Insgesamt fünf Kandidaten waren angetreten, darunter auch Albert Krumm (10,83 Prozent), Katharina Jacob (3,78 Prozent) und Domenico Garrubba (1,43 Prozent). Der Wahlkampf hatte danach noch einmal spürbar an Intensität gewonnen.
Im Rathaus verfolgen an diesem Abend zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft die Auszählung. Die Stimmung ist konzentriert, aber gelöst – immer wieder wandern die Blicke zu den Bildschirmen, auf denen sich die Zahlen aktualisieren. Unter den Gästen ist auch der Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Brand. Für ihn steht der Abend für mehr als nur einen Personalwechsel: „Jetzt haben wir einen Wahlsieger. Es ist ein tolles Ergebnis – eine Ära geht zu Ende und etwas Neues beginnt.“ Mit Blick auf Marx ergänzt er: „Ich glaube, dass er das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger bekommen hat. Er hat ein großes Lauterbacher Herz, steht mit beiden Beinen im Leben und bringt gleichzeitig Erfahrung aus dem Amt des Ersten Stadtrats mit. Deswegen ist er der richtige Mann für Lauterbach.“
Mitten im Trubel tritt schließlich einer nach vorne, der diesen Ort geprägt hat wie kaum ein anderer: Amtsinhaber Rainer-Hans Vollmöller. „Für mich nach dreißigjähriger Amtszeit ist das ein bewegender Moment“, sagt er. Drei Jahrzehnte hat er die Geschicke der Stadt gelenkt, nun übergibt er. Seine Worte an den Nachfolger sind persönlich und eindringlich: Er wünsche ihm Gesundheit, Ausdauer, Rückhalt in der Familie – und ein „dickes Fell“ für die Herausforderungen der Kommunalpolitik. „Mut, Optimismus und Zuversicht sollen deinen Weg begleiten“, sagt er und schließt mit: „Glück auf und Gottes Segen.“ Für Vollmöller endet eine Ära. In drei Monaten geht er in den vorzeitigen Ruhestand. Bis dahin wolle er „weiterhin alles geben“.
Holger Marx selbst ist an diesem Abend viel unterwegs im Raum. Er schüttelt Hände, nimmt Glückwünsche entgegen, spricht mit Unterstützern. Als er schließlich das Wort ergreift, formuliert er klar, was dieses Ergebnis bedeutet: „Ich denke, heute haben die Wählerinnen und Wähler gezeigt, dass es einen Wechsel gibt.“
Er wirkt stolz – und auch erleichtert. Nach dem ersten Wahlgang habe er noch gedacht: „Alles über 40 Prozent ist okay.“ Dass es nun fast 60 Prozent werden, sei ein starkes Signal. Sein Dank gilt den Wählern, den Ehrenamtlichen, der Verwaltung und seinem Team: „Da hängt ein Haufen Arbeit dahinter.“ Besonders hebt er die „bärenstarke CDU“ in Lauterbach hervor, die ihm zusätzlichen Rückenwind gegeben habe.
Auch persönlich wird er: Er bedankt sich bei seiner Frau Silke und seinen Kindern, die ihn im Wahlkampf begleitet haben. Hinter ihnen liege ein „wirklich bewegtes halbes Jahr“. Am 1. Juli wird Marx offiziell ins Rathaus einziehen. „Das war ein ganz großer Traum von mir“, sagt er. Gleichzeitig bleibt er realistisch: „Ich werde auch Fehler machen.“ Fünf Jahre Erfahrung als Erster Stadtrat helfen ihm beim Einstieg, doch entscheidend sei für ihn die Zusammenarbeit. „Ich bin Teamplayer“, betont er – und richtet den Blick bewusst auch auf die Verwaltung.
Der Wahltag selbst beginnt für Marx ruhig: Frühstück zu Hause, ein kurzer Besuch auf dem Frühlingsmarkt. „Ich war wirklich entspannt“, sagt er später, auch wenn eine gewisse Anspannung natürlich dazugehört habe. Am Abend wird gefeiert. Anders als nach dem ersten Wahlgang ist diesmal eine Wahlparty geplant – die Räume dürften sich schnell füllen.
Für Daniel Schmidt endet der Abend ohne Sieg, aber nicht ohne Zufriedenheit. „Mein Ziel war es, auf die 40 Prozent zu kommen – und das habe ich erreicht“, sagt er. Der parteiunabhängige Kandidat kündigt an, der Kommunalpolitik im Vogelsbergkreis treu zu bleiben: „Es ist meine Heimat, die liegt mir am Herzen.“ Der Wahlkampf war intensiv, gerade zwischen den beiden Wahlgängen. Nicht alles sei dabei fair gewesen, sagt Marx rückblickend. Doch das spielt an diesem Abend keine Rolle mehr. „Jetzt müssen wir nach vorne kommen.“
Im Lauterbacher Rathaus ist genau das zu spüren. Die Ära Vollmöller endet nach 30 Jahren – und eine neue beginnt. Kein lauter Bruch, sondern ein klarer Übergang: begleitet von Applaus, Respekt und der spürbaren Erwartung, dass sich jetzt etwas bewegt.
