Wie gehe ich mit Geld um? Was bedeutet Inflation? Und worauf muss ich achten, wenn ich später Verträge abschließe oder eine Wohnung finanziere? Fragen wie diese sollen am Bildungsunternehmen Jordan künftig nicht mehr dem Zufall überlassen bleiben. Ab dem Schuljahr 2026/27 wird dort das neue Pflichtfach „Financial Education“ eingeführt – von der achten Klasse bis hin zur Oberstufe. Für Franco Gargano, seit Ende Januar neuer Direktor des Bildungsunternehmens, ist das mehr als nur ein weiteres Unterrichtsangebot. „Für mich ist das ein Herzensanliegen“, betonte er im Pressegespräch. „Wir lernen in der Schule sehr viel – aber der Umgang mit Geld kommt oft zu kurz. Dabei begleitet uns das ein Leben lang.“ Zwei Stunden pro Woche werden sich die Schülerinnen und Schüler künftig mit finanziellen Themen beschäftigen – flächendeckend von Klasse 8 bis 12. Insgesamt sieben Lehrkräfte sind dafür eingeplant, vier in der Oberstufe und drei in der Mittelstufe. Wichtig ist Gargano dabei nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern vor allem die Haltung der Lehrenden: „Ich möchte Kolleginnen und Kollegen, die wirklich dahinterstehen. Die Inhalte kann man vermitteln – aber entscheidend ist, dass man die Schülerinnen und Schüler auch motiviert, sich damit auseinanderzusetzen.“
Mehr als nur Theorie - Lernen fürs echte Leben
Das Fach soll bewusst breit angelegt sein. Neben klassischen Themen wie Einnahmen und Ausgaben, Versicherungen oder Krediten stehen auch Steuererklärung, Altersvorsorge und Schuldenprävention auf dem Lehrplan. „Es geht nicht darum, aus den Jugendlichen Finanzexperten zu machen“, so Gargano. „Aber sie sollen verstehen, was sie später im Leben erwartet – und wie sie eigenverantwortlich damit umgehen können.“ Ein besonderer Fokus liege dabei auf Praxisnähe. „Es ist wichtig, dass das keine trockene Theorie bleibt“, erklärte Gargano. „Wenn die Lehrkräfte Erfahrungen aus der Praxis haben, bekommt das Ganze ein ganz anderes Gewicht.“ Auch der Direktor selbst möchte sich aktiv einbringen: „Ich werde nicht alles unterrichten können, aber bestimmte Themen – gerade im Bereich seriöse Geldanlage – werde ich als Referent selbst übernehmen.“
Die Idee, finanzielle Bildung fest im Schulalltag zu verankern, beschäftigt Gargano schon lange. Bereits in seiner Zeit im staatlichen Schuldienst habe er versucht, entsprechende Inhalte in den Unterricht zu integrieren. „Ich habe mir dafür immer Raum geschaffen, weil ich überzeugt bin: Finanzielle Bildung gehört in die Schule.“ Seine Erfahrungen zeigen, wie groß der Bedarf ist. „Viele junge Menschen kommen aus der Schule und haben kaum Wissen über Geld – und treffen dann Entscheidungen, deren Konsequenzen sie nicht überblicken.“ Genau hier setzt das neue Fach an: Es soll Orientierung geben und helfen, typische Fehler zu vermeiden. Dabei geht es auch um grundlegende Werte. „Mein Vater hat immer gesagt: Du kannst nichts ausgeben, was du nicht hast“, berichtete Gargano. Solche einfachen Prinzipien seien heute wichtiger denn je – gerade in Zeiten von Online-Shopping, Social Media und leicht zugänglichen Krediten.
Perspektive bis in die Grundschule
Langfristig denkt Gargano sogar noch weiter. Erste Überlegungen gibt es bereits, das Thema auch in niedrigeren Klassenstufen einzuführen. „Ich persönlich finde: Es ist nie zu früh, sich mit Geld zu beschäftigen“, sagte er. „Schon Kinder können lernen, was es bedeutet zu sparen oder Entscheidungen zu treffen.“ Konkrete Pläne dazu stehen noch am Anfang – doch das Interesse ist da. Und für Gargano ist klar: „Wenn wir früh anfangen und das konsequent weiterführen, können wir wirklich etwas verändern.“
Im Anschluss an das Pressegespräch fand die offizielle Auftaktveranstaltung des neuen Schulfachs im Hörsaal statt. Zahlreiche interessierte Schülerinnen und Schüler verfolgten eine Talkrunde mit externen Expertinnen und Experten aus Börse, Bankenwesen und Schuldnerberatung. Gemeinsam mit Franco Gargano gaben sie erste Einblicke in die Inhalte des neuen Faches – und machten deutlich, wie praxisnah und lebensrelevant „Financial Education“ künftig am Bildungsunternehmen Jordan gestaltet werden soll.
Zur Person Franco Gargano
Franco Gargano, Jahrgang 1977, ist in Fulda geboren und hat italienische Wurzeln. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. Nach dem Abschluss des beruflichen Gymnasiums an der Richard-Müller-Schule studierte er Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Passau und Mainz. Seinen beruflichen Weg im Schuldienst begann Gargano als Quereinsteiger in Baden-Württemberg, wo er sein Referendariat für das Lehramt an beruflichen Schulen in Heidelberg absolvierte und anschließend eine Planstelle erhielt. Im Jahr 2009 kehrte er durch eine Versetzung nach Fulda zurück und unterrichtete an der Richard-Müller-Schule, wo er im Laufe der Jahre mehrfach befördert wurde und schließlich als stellvertretender Schulleiter tätig war. 2023 wechselte er in gleicher Funktion an die Eduard-Stieler-Schule. Zum 31. Januar 2026 verließ Gargano den Beamtenstatus und übernahm die Leitung des Bildungsunternehmens Jordan in Fulda. Dort ist er heute als Direktor für die Grund-, Mittel- und Oberstufe verantwortlich und zugleich stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Mit der Einführung des neuen Schulfachs „Financial Education“ verfolgt Gargano konsequent sein Ziel, ökonomische Bildung stärker im Schulalltag zu verankern und jungen Menschen frühzeitig wichtige Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben zu vermitteln.
