Bereits vor einem Jahrzehnt hatte es in dem Wohngebiet ähnliche Zustände gegeben. „Wir reden hier nicht von fünf Ratten – das ist eine absolute Überpopulation“, echauffiert sich Rausch. Nach ihrer Einschätzung könnten sich mittlerweile sehr viele Tiere in dem Bereich aufhalten. Laut Auskunft des Veterinäramts sei das Auftreten von Ratten am helllichten Tag ein deutliches Zeichen dafür. „Mir wurde erklärt: Wenn die Tiere tagsüber unterwegs sind, spricht das für eine massive Überpopulation. Dann gründen Jungtiere bereits eigene Kolonien“, berichtet sie.
Besonders auffällig sei das Verhalten der Tiere in den frühen Morgen- und Abendstunden. „Auf dem Grundstück der Telekom laufen sie herum, und man sieht sie sogar auf der Straße spazieren. Die sind richtig unterwegs“, sagt Rausch. Erst kürzlich habe sie erneut eine Ratte direkt vor ihrer Haustür gesehen. „Da ist mir wirklich die Hutschnur geplatzt“, schildert Rausch, die diesbezüglich bereits mehrfach Kontakt mit den Behörden und der Stadt aufgenommen hat. Schon vor Fasching habe sie das Ordnungsamt kontaktiert. „Die Reaktion war eher verhalten. Man hatte den Eindruck, dass man selbst noch gar nicht genau weiß, was man machen darf oder kann“, sagt Rausch. Mittlerweile sei jedoch ein Schädlingsbekämpfer eingeschaltet worden. „Und unsere acht Fallen werden wieder bestückt. Aber bei so vielen Ratten muss das eigentlich eine großflächige Aktion werden.“
Auch das Veterinäramt habe auf mögliche Folgen hingewiesen. „Dort wurde mir gesagt, dass durch so viele Ratten auch andere Tiere wie Waschbären angelockt werden können. Es könnten durchaus hunderte von Ratten sein“, berichtet Rausch. Für die Anwohner sei die Situation schwierig, da sich der vermutete Ursprung des Problems auf einem privaten Grundstück befinde. „Als Anlieger hat man praktisch keinerlei Möglichkeiten. Das Grundstück gehört jemandem, und man darf niemandem einfach etwas unterstellen“, erklärt Rausch. Dennoch habe sie versucht, die Tiere zu filmen. „Das ist gar nicht so leicht – aber wenn sie direkt vor der Haustür sitzen, ist man irgendwann einfach sprachlos.“
Der gesamte Prozess ziehe sich bereits seit einiger Zeit hin. „Es ist ein langwieriger Prozess, und man fühlt sich manchmal hilflos und auf sich selbst gestellt. Man bekommt kaum Auskunft, auch wenn wohl im Hintergrund einiges passiert“, sagt Rausch. Von der Stadt hätte sie sich teilweise mehr Unterstützung gewünscht. „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Die Grundstückseigentümer werden wohl freundlich angeschrieben, aber ich weiß nicht, mit welchem Nachdruck das verfolgt wird.“
Nach zahlreichen Telefonaten mit verschiedenen Stellen – darunter Ordnungsamt, Veterinäramt sowie weitere Behörden – habe sich inzwischen jedoch etwas bewegt. „Ich habe wirklich massiven Druck gemacht. Das war schwierig, man rennt gegen viele Türen“, berichtet sie. Inzwischen gebe es zumindest regelmäßige Kontrollen durch den Schädlingsbekämpfer. „Uns wurde gesagt, dass es jetzt wöchentliche Berichte und Kontrollen geben soll.“ Trotz der weiterhin angespannten Lage hat Rausch den Eindruck, dass das Problem mittlerweile ernst genommen wird. „Ich habe schon das Gefühl, dass es inzwischen angekommen ist“, sagt sie. Dennoch bleibt ihre Sorge groß: „Ein verwahrlostes Grundstück ist das eine – aber bei so vielen Ratten fragt man sich irgendwann, wie man das nicht merken kann.“
Stadt bekommt regelmäßig Rückmeldung des Schädlingsbekämpfers
Die Stadt Fulda teilt auf Nachfrage mit, dass sie am Samstag, 17. Januar, über die Sichtung von Ratten auf einem Grundstück am Aschenberg informiert worden sei und sofort Kontakt mit der Eigentümergemeinschaft aufgenommen habe. Die Bewohner hätten der Ordnungsbehörde mitgeteilt, dass bereits in Eigeninitiative seit Anfang Januar Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen durchgeführt würden. „Seit Mitte Februar begleitet ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen die Maßnahmen auf dem Grundstück“, berichtet Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt: „Die Ordnungsbehörde bekommt regelmäßig Rückmeldungen durch die Firma.“
Allgemein erläutert Heller: „Die Eigentümer der Grundstücke sind zur Schädlingsbekämpfung verpflichtet. Sie müssen die Ordnungsbehörde informieren und die Bekämpfung solange durchführen, bis keine Ratten mehr nachgewiesen werden können.“ Ratten würden sich überall dort besonders wohl fühlen, wo sie einen sicheren Unterschlupf, ausreichend Nahrung und die Gesellschaft von Artgenossen finden. Als anpassungsfähige Kulturfolger zöge es sie vor allem in die Nähe menschlicher Siedlungen. Zur Prävention von Ratten im Garten sei es entscheidend, konsequent Nahrungsquellen zu entziehen und Unterschlüpfe zu beseitigen, da die Tiere nur dort blieben, wo sie beides fänden.
Empfehlungen der Ordnungsbehörde:
„Keine Speisereste auf den Kompost: Werfen Sie niemals gekochte Reste, Fleisch, Fisch oder Milchprodukte auf den offenen Kompost, da diese Ratten magisch anziehen.
Geschlossene Komposter nutzen: Verwenden Sie fest schließende Schnellkomposter aus Kunststoff oder Metall anstelle von offenen Mieten.
Mülltonnen sichern: Achten Sie darauf, dass Biotonnen und Restmüllbehälter stets fest verschlossen sind.
Entsorgung über die Toilette vermeiden: Spülen Sie keine Essensreste im Haus hinunter, da dies Ratten über die Kanalisation direkt in Ihre Nähe locken
Unterschlüpfe vermeiden: Stapeln Sie Holzscheite oder Baumaterialien mit ausreichend Abstand zum Boden und zur Hauswand, um keine geschützten Nistplätze zu bieten.
Vogelfütterung kontrollieren: Heruntergefallenes Vogelfutter am Boden ist eine häufige Nahrungsquelle. Nutzen Sie Auffangschalen oder füttern Sie nur in Maßen.
Tierfutter wegräumen: Lassen Sie kein Hunde- oder Katzenfutter im Freien stehen.
Dichte Bepflanzung lichten: Halten Sie bodendeckende Pflanzen und dichtes Gebüsch in Hausnähe kurz, um Deckung für Laufwege der Ratten zu minimieren.“
Wir haben auch 2016 schon über das Thema berichtet:
Rattenplage - Ordnungsamt setzt „Rattenhaltern“ Frist bis Donnerstag
Rattenplage am Aschenberg - Jetzt kommen die Schädlingsbekämpfer
