Lokales FD 18.03.2026

Raketenalarm im Urlaub – Fuldaer Paar strandet in Dubai

Dubai/Fulda (sim) – Was als entspannter Urlaub begann, entwickelte sich für Sonja und Joachim Richter aus Fulda zu einer unerwartet dramatischen Rückreise. Vom 24. Februar bis zum 6. März wollten die beiden eigentlich in Dubai Urlaub machen – am Ende wurden daraus vier zusätzliche Tage voller Ungewissheit, Raketenalarm und einer komplizierten Heimreise.

Sonja und Joachim Richter. Fotos: privat

Raketenalarm

Das Fuldaer Paar hatte sein Hotel auf der bekannten künstlichen Insel Palm Jumeirah gebucht und wohnte im Andaz Dubai The Palm, nur rund 650 Meter vom Fairmont The Palm entfernt. Die ersten Tage verliefen so, wie man sich einen Urlaub in der Metropole am Persischen Golf vorstellt.

„Fünf Tage hatten wir einen ganz normalen Urlaub – tolles Wetter, alles war perfekt“, erinnert sich Sonja Richter. Ausflüge, Strand und die beeindruckende Skyline von Dubai standen auf dem Programm. Doch am Samstag änderte sich die Situation plötzlich.

Raketenalarm statt Dinner auf dem Schiff

Am Samstagabend wollten Sonja und Joachim Richter eigentlich einen besonderen Ausflug machen: Eine Bootsfahrt mit Abendessen stand auf dem Programm. Gegen 20 Uhr sollten die Gäste an Bord gehen. Kurz vorher wurden sie jedoch zurückgerufen. „Uns wurde nur gesagt, dass die Regierung das im Moment für zu gefährlich hält“, erzählt Sonja Richter. Was genau passiert war, wussten sie zu diesem Zeitpunkt nicht – unterwegs hatten sie kein Internet, Informationen gab es zunächst keine.

Als sie zum Hotel zurückkehrten, wirkte dort plötzlich alles anders. Die sonst belebte Lobby war kaum besetzt, das Licht gedimmt. Gäste wurden angewiesen, sich in den Keller beziehungsweise in die Tiefgarage zu begeben. Auf dem Weg dorthin kam ihnen eine Frau weinend entgegen. Sie berichtete, dass im nur etwa 650 Meter entfernten Fairmont The Palm offenbar eine Rakete eingeschlagen sei. Auch die Richters verbrachten schließlich Zeit im Schutzbereich ihres Hotels. Die Tiefgarage wurde zum Sammelpunkt für viele Gäste. Zwischen Luxusautos warteten Urlauber auf weitere Informationen.

„Wir saßen zwischen Ferraris und anderen teuren Wagen“, erinnert sich Richter. „Das Hotelpersonal hat uns mit Essen und Getränken versorgt, aber wirklich wusste niemand, was gerade passiert.“ Erst später am Abend erfuhren die Gäste mehr: Offenbar waren Trümmerteile einer Rakete, die von einem Abwehrsystem abgefangen worden war, auf das Hotelgelände gestürzt. „In dem Moment war das natürlich sehr beängstigend“, sagt Richter. „Wir hatten ja vorher überhaupt nichts von der Situation mitbekommen.“

Nächtlicher Alarm und ein ruhiger Sonntag im Hotel

Noch in derselben Nacht erlebten die Richters ihren ersten Raketenalarm. „Gegen zwei Uhr nachts wurden wir wieder nach unten gerufen. Zwei Stunden saßen wir dort“, erzählt sie. Viele Gäste seien aus dem Schlaf gerissen worden. „Überall waren weinende Kinder“, schildert Richter die Situation im Keller des Hotels.

Am nächsten Morgen folgte eine klare Anweisung: Alle Gäste sollten den gesamten Sonntag im Hotel bleiben. „Draußen hörte man immer wieder Detonationen“, berichtet Richter. Trotzdem habe man sich relativ sicher gefühlt. „Die Leute vor Ort haben immer wieder betont, dass Dubai gut geschützt sei.“ Bereits am Montag kehrte langsam wieder Normalität ein. Die Strände öffneten wieder, das öffentliche Leben lief an – größere Ausflüge wurden allerdings vorsichtshalber abgesagt.

Abwehrsystem hautnah

Am Donnerstagabend wagten sich die Fuldaer erstmals wieder in Richtung eines belebteren Bereichs der Insel. Menschenansammlungen hatten sie in den Tagen zuvor bewusst gemieden und sich stattdessen eher am Strand aufgehalten. Doch auch dort wurde ihnen erneut bewusst, dass die Situation noch angespannt war.

„Plötzlich gab es wieder einen lauten Knall“, erinnert sich Richter. „Da habe ich sogar gesehen, wie ein Fragment vom Himmel gefallen ist.“ Auf dem Rückweg zum Hotel rutschte sie schließlich noch auf einem Gullideckel aus und verstauchte sich den Fuß.

Flug gestrichen – und doch noch nach Hause

Eigentlich sollte es am Freitag zurück nach Deutschland gehen – doch der Flug nach Frankfurt wurde kurzfristig gestrichen. Das Reisebüro hatte jedoch bereits Kontakt aufgenommen und kümmerte sich um eine Lösung. Durch Richters Fußverletzung setzte der Reiseveranstalter das Paar auf eine Prioritätsliste. Schließlich erhielten sie einen Ersatzflug mit Emirates – allerdings nicht nach Frankfurt, sondern nach München. Von dort aus ging es mit einem Mietwagen weiter zum Flughafen Frankfurt, wo ihr eigenes Auto stand. Erst danach konnten sie schließlich die Heimfahrt nach Fulda antreten.

„Da merkt man, wie privilegiert man ist“

Trotz der angespannten Tage ziehen die beiden ein nachdenkliches Fazit. „Man merkt plötzlich, wie privilegiert man ist und wie wichtig die kleinen Dinge im Leben sind“, sagt Richter. Besonders lobt sie die Organisation der Reise. Die Pauschalreise habe sich als großer Vorteil erwiesen. „Unser Reisebüro hat sich um alles gekümmert. Wir hatten überhaupt keine Probleme.“

Anders sei es bei Urlaubern gewesen, die ihre Flüge individuell gebucht hatten. „Da waren Familien, bei denen plötzlich alle Flüge ausgefallen sind. Die mussten dann selbst sehen, wie sie nach Hause kommen.“ Ob sie noch einmal nach Dubai reisen würden? Die Antwort kommt ohne langes Zögern: „Ja, ich glaube schon. Man würde vielleicht vorsichtiger planen – aber wir haben dort noch längst nicht alles gesehen.“