Für Nouripour sind die anstehenden Kommunalwahlen von zentraler Bedeutung: „Das sind die wichtigsten Wahlen“, betonte er mit Nachdruck. Er verdeutlichte, wie entscheidend eine solide finanzielle Ausstattung der Kommunen ist, damit diese handlungsfähig bleiben und Versprechen auch umsetzen können. Wie sehr er den direkten Kontakt vor Ort schätzt, zeigte er mit einer Anekdote aus Bad Hersfeld: Im Stadtteil Hohe Luft wurde er von einer vierten Klasse musikalisch empfangen – sein bisheriger Lieblingsmoment im Wahlkampf. In diesem Zuge unterstrich er seine hohe Wertschätzung für das Ehrenamt: „Das sind die Leute, die das Land zusammenhalten“, so der Abgeordnete und Vizepräsident des Deutschen Bundestags.
„Mit diesem Regime kann man keine Zukunft aufbauen“
Zum Konflikt in Nahost hatte der gebürtige Iraner eine tiefgehende Meinung, die er in drei Kernpunkte unterteilte. Zuerst schilderte er die persönliche Belastung: Er versuche jeden Tag herauszufinden, wie es seinen Angehörigen gehe, wobei es oft drei Tage dauere, bis er jemanden erreiche. Sein Urteil über die politische Führung im Iran war dabei unmissverständlich: „Alle sind sich einig: Mit diesem Regime kann man keine Zukunft aufbauen.“ Ein baldiges Ende des Krieges würde das Regime vermutlich lediglich zur Wiederaufrüstung nutzen, was eine Vorbereitung für den nächsten Krieg bedeuten würde. Als zweiten Punkt mahnte Nouripour die globale Ordnung an: „Wir können nicht wollen, dass wir in einer Welt ohne Regeln leben“, so Nouripour. Gerade passiere jedoch genau dies. Sein dritter Punkt betraf die Stärke der Demokratie: „Der wichtigste Vorteil unserer Demokratie ist, dass wir Fehler machen können und sie korrigieren können.“ Wer jedoch nicht aus der Vergangenheit lerne, für den werde es in der Zukunft schwierig.
Rückendeckung für Özdemir
Auch zum Wahlsieg von Cem Özdemir in Baden-Württemberg fand Nouripour deutliche Worte. Den Vorwurf, Özdemir distanziere sich von den Grünen, verstehe er nicht: „Ich teile die Meinung nicht, dass Cem weniger Grün ist.“ Für ihn persönlich sei Özdemirs Wahlerfolg hochemotional, da er selbst ohne dieses Vorbild „heute wohl nicht hier sitzen“ würde. Er erinnerte sich an den Moment, als er Özdemir 1993 oder 1994 das erste Mal im Fernsehen sah: „Ich habe gemerkt, ich muss ja gar nicht blond sein und Helmut heißen, damit ich überhaupt in eine Partei gehen kann.“ Nach 30 Jahren Zusammenarbeit mit Höhen und Tiefen zog er einen Vergleich zur Union: Zwischen Markus Söder in Bayern und Daniel Günther in Schleswig-Holstein lägen Welten – dennoch käme niemand auf die Idee zu sagen, Günther sei kein CDU-Mitglied.
Zum Abschluss bedankte sich Nouripour herzlich für die Gastfreundschaft im Café: „Herzlichen Dank, dass es euch gibt, und Danke, dass wir hier sein dürfen.“
