Lokales FD 19.03.2026

Parteien der Mitte verlieren: Wie geht es weiter im Stadtparlament?

Fulda (pk/pf) – So viel ist jetzt schon sicher: Die alte Koalition aus CDU, FDP und CWE wird in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung nach der Kommunalwahl am Sonntag nicht mehr möglich sein. Die großen Volksparteien büßen nach aktuellem Stand deutlich ein – die AfD legt Prozentpunkte zu. Die Parteien reagieren mit gemischten Gefühlen auf das Ergebnis.

Wie setzt sich die Stadtverordnetenversammlung künftig zusammen? Archivfoto: Görlich Media

Der Stand am Dienstagnachmittag – einige wenige Stimmen fehlen bei der Auszählung noch. Screenshots: wahlen.votemanager.de/

Die CDU ist weiterhin stärkste Kraft in der Stadt, musste aber „bittere“ Einbußen verzeichnen, wie die Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann am Dienstag auf der Zielgeraden der Auszählung anerkennt: „So wie es aussieht, verlieren wir drei Mandate. Natürlich waren wir auch etwas geschockt vom Ergebnis der AfD, die sich bei 20 Prozent einpendeln wird“, ordnet Fehrmann das Ergebnis der Stadtverordnetenwahl ein: „Man muss sich natürlich fragen, wo das herkommt, und wir müssen auch mit uns selbstkritisch umgehen: Haben wir gewisse Themen nicht richtig an die Bürger transportiert?“. Generell sehe Fehrmann, dass sich der Bundestrend auch in der Region Fulda widerspiegeln würde, denn die AfD habe bei der jüngsten Bundestagswahl ähnliche Ergebnisse erzielt.

Die Frage – nicht nur für die CDU: „Wo geht die Reise hin?“ Die bisherige Koalition mit FDP und CWE ist rechnerisch nicht mehr möglich, alle Gruppierungen haben Mandate verloren. „Wir haben in diese Konstellation gut zusammengepasst, da wir ähnlich aufgestellt sind“, spricht Fehrmann von guter Zusammenarbeit. Künftig aber wird es spannend: Zwölf Parteien und Gruppierungen werden wohl im Stadtparlament vertreten sein, die „Kleinen“ unter ihnen hätten auch nicht ohne Grund Stimmen geholt, so Fehrmann. Dafür haben nicht nur CDU, sondern auch Grüne oder SPD verloren. „Wir werden jetzt erstmal in der Fraktion zusammenkommen, wenn die endgültigen Ergebnisse feststehen“. Es gehöre zum guten Ton, dass zunächst die Fraktionen im Austausch sind, ehe Gespräche über eine Koalitionsbildung folgen, gibt die CDU-Frau an, jedoch stünden nach rechts und links hin Brandmauern, die die möglichen Partner schon etwas eingrenzen. Immerhin: In der Trendwahl lag die Partei knapp über 35 Prozent. Nun habe es sich hintenraus „etwas zu unseren Gunsten stabilisiert“, so Fehrmann, die aber anfügt: „Fakt ist: Wir verlieren vier bis fünf Prozent. Das ist bitter. Aber wir sind die stärkste Fraktion, und weiterhin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir sind die Kraft, die Fulda weiter gestalten wird“.

Lamely: Strecken unsere Hand aus

Die AfD wiederum zeigt sich zu mit den Wahlergebnissen mehr als zufrieden. Pierre Lamely, Kreisvorsitzender der AfD, erklärt, dass das Ergebnis ein klarer Auftrag der Fuldaer Bürger sei: „Die Menschen erwarten eine Politik, die sich an ihren konkreten Lebenswirklichkeiten orientiert – an der Sicherheit in unseren Städten, an der Zukunft ihrer Arbeitsplätze und am verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Die Schließung der Gummiwerke, der Verkauf von Tegut und der Rückgang der Textilbranche haben vielen Menschen vor Augen geführt, dass wirtschaftliche Stabilität keine Selbstverständlichkeit ist“. Einer möglichen Koalition mit der CDU stehe die AfD offen gegenüber: „Wir strecken unsere Hand zur konstruktiven Zusammenarbeit aus, um den Wählerwillen in konkrete Politik umzusetzen“, so Lamely.

Grüne drittstärkste Kraft

„Ich bin zufrieden – ein Grund für Luftsprünge ist das Ergebnis aber nicht“, erklärt hingegen Marie-Louise Puls, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen. Ein überraschendes Ergebnis sei es jedoch nicht, die Grünen hätten einen Wert zwischen zehn und zwölf Prozent in der Stadtverordnetenwahl erwartet – obwohl die Lage im Vorfeld „einigermaßen unberechenbar schien. Faktoren wie die aktuell steigenden Spritpreise hätten die Dynamik kurzfristig beeinflusst. Nun sei es für die Grünen an der Zeit, ihre politischen Pläne umzusetzen. Für Koalitionsgespräche zeigt sich Puls bereit: „Wir sind grundsätzlich offen“. Es wäre für sie zudem nicht überraschend, wenn die CDU das Gespräch mit ihrer Partei suchen würde – schließlich sei Grün nach aktuellem Stand die drittstärkste Kraft. An ein Einreißen der Brandmauer zur AfD glaubt sie nicht: „Für uns kommt das definitiv nicht infrage“, so die Spitzenkandidatin. Auch mit Blick auf die CDU gehe sie davon aus, dass sich diese mit Klarheit gegen Rechts entscheiden wird, wofür sie „sehr dankbar“ wäre.

SPD-Spitze enttäuscht

Für die SPD und den Vorsitzenden der Stadtfraktion, Jonathan Wulff, ist es hingegen „ein enttäuschendes Ergebnis“ – daraus macht er keinen Hehl. „Ganz grundsätzlich sind wir bereit, in eine Koalition zu gehen“, so Wulff weiter, schränkt jedoch ein, dass dies innerhalb der Partei erst noch besprochen werden müsse. Die CDU müsse nun entscheiden, mit welcher Partei sie in die Verhandlungen gehen möchte. Sollte die SPD dieser Verhandlungspartner sein, sei klar, dass aufgrund der Mehrheiten noch (mindestens) eine weitere Partei dazustoßen müsse. Eines ist für Wulff jedoch gewiss: „Wir werden nicht auf Teufel komm raus auf eine Koalition bestehen.“

CWE schrumpft

Nach „guter Zusammenarbeit“ ist die bisherige Koalition auch für die CWE in Fulda Geschichte: Elke Diegelmann ist nach Stand der Dinge einzig verbliebene Abgeordnete der Christliche Wähler-Einheit in der Stadt. „Natürlich sind wir enttäuscht vom Ergebnis. Wir haben uns eigentlich bessere Chancen ausgerechnet und hatten nach dem Wahlkampf auch ein besseres Gefühl – daran lag es nicht“. Wie viele andere Parteien habe auch die CWE wichtige Stimmen verloren und büßt und einen Prozent im Vergleich zu 2021 ein. „Wir haben an die kleinen und neuen Parteien das eine oder andere abgeben müssen“, vermutet sie: „Das wird jetzt eine Aufgabe, sich in der Stadt zu finden. Es ist ja wahnsinnig mit so vielen Einzelsitzen“. Über Gespräche habe sie sich noch keine Gedanken gemacht, und weiß, „dass die CDU da schon mehr braucht als nur mich“. Namentliche Gründe für die Stimmenverluste sehe sie jedoch keine innerhalb der Partei und betont: „Die CWE existiert weiter“.

Volt mit drei Sitzen

Über vier Prozent in der Stadt wird Volt nach aktuellem Stand holen – das sei ein klares Signal, sagen die Spitzenkandidaten Elke Hohmann und Volker Elm, die bei drei Mandaten mit Anna Kleespies ins Parlament einziehen würden. „Die Fuldaer*innen wollen eine starke Stimme für Europa im Rathaus. Genau das werden wir sein“, so Hohmann. „Das ist kein Ergebnis von Einzelpersonen, das ist das Ergebnis von Monaten gemeinsamer Arbeit“, ergänzt Elm.