Lokales FD 03.03.2026

Objekt des Monats März 2026 im Vonderau Museum: Sanitätstasche

Fulda (pm/sim) – Das Vonderau Museum Fulda präsentiert seit nunmehr fünf Jahren sein „Objekt des Monats“ im Schaufenster des Museumseingangs am Jesuitenplatz 2. Im März wird dort eine Sanitätstasche gezeigt, die im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam.

Foto: Daniel Bley, Vonderau Museum

Heilung in dunklen Zeiten – Sanitätstasche des Deutschen Roten Kreuzes

Im September 2025 gelangte eine Sanitätstasche aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs als Schenkung in die Sammlung des Vonderau Museums. Hervorzuheben sind nicht nur der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand des Objekts, sondern auch seine lückenlos dokumentierte Objekt- und Nutzungsgeschichte. Es handelt sich um eine Sanitätstasche des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die zwischen 1942 und 1945 von der Rotkreuzhelferin Gertrud Unverzagt verwendet wurde.

Die Tasche diente der medizinischen Versorgung von Verwundeten im Lauterbacher Lazarett, in dem Unverzagt vermutlich während des Krieges eingesetzt war. Trotz der mehrjährigen Nutzung befindet sich die Tasche bis heute in einem sehr guten Zustand. Auch der überwiegende Teil des ursprünglichen Inhalts ist erhalten und größtenteils noch original verpackt.

Die Ausstattung erlaubt Rückschlüsse auf den konkreten Einsatzbereich. Enthalten sind ausschließlich Materialien zur schnellen Erst- und Wundversorgung, jedoch kein chirurgisches Operationsbesteck. Zu den erhaltenen medizinischen Instrumenten zählen eine Pinzette, Nadeln sowie ein Ledergurt. Ergänzt wird das Inventar durch Verbandsmaterialien wie Leukoplast-Schnellverbandpflaster, drei Verbandspäckchen, zwei Mullbinden, Vaselin-Wund- und Brandbinden, Verbandmull und Verbandwatte.

Darüber hinaus befindet sich eine Blechdose mit verschiedenen Salben in der Tasche. Auch mehrere Medikamente sind überliefert, darunter Baldriantropfen, zwei Tabletten Gelondia Antineuralgica (ein Schmerzmittel), Ponopasin – ein damals gebräuchliches Typhus-Medikament – sowie ein Blechröhrchen mit Dibromol zur Desinfektion. Zwei weitere Blechdosen enthielten ursprünglich Zucker, der zur schnellen Stabilisierung des Blutzuckers eingesetzt wurde. Diese Dosen sind heute leer, was auf den tatsächlichen Gebrauch der Materialien während des Krieges hinweist.

Nach Kriegsende fand Gertrud Unverzagt nach eigenen Angaben Halt in ihrer evangelischen Gemeinde und im Kirchentag. Die 1950er-Jahre beschrieb sie rückblickend als eine glückliche Lebensphase, geprägt von Familie und Religion.

Diese biografischen Informationen wurden dem Museum von ihrem Sohn Dieter Unverzagt in Form einer von Gertrud Unverzagt selbst verfassten Kurzbiografie gemeinsam mit dem Objekt übergeben.