Bunte Farben leuchten kräftig auf der schwarz grundierten Leinwand. „Chaos der Vielfalt“ hat die Gruppe als Titel des Bildes gewählt. Er steht für die vielen unterschiedlichen Lebenswege, Herausforderungen und Hoffnungen der Teilnehmenden. Das Bild greift die Erfahrung auf, dass im Leben manchmal Chaos herrscht – Phasen, in denen vieles durcheinandergerät. Gleichzeitig zeigt es, dass es Orte und Zeiten braucht, um sich zu sortieren, neue Perspektiven zu finden und sich neu auszurichten. Genau diesen Prozess durften die Jugendlichen während des Projekts durchlaufen. Das Kunstwerk macht sichtbar, wie aus Vielfalt, Unordnung und Unsicherheit etwas Neues entstehen kann. „Jeder hat viel im Kopf, aber das kann zu etwas Gutem führen“, sagte Lucius Gruner. Er war derjenige, der das Bild am Ende tatsächlich gemalt hat, unterstützt wurde er dabei von Majd Basha.
„Ich zeichne eigentlich schon mein ganzes Leben lang“, erzählte Gruner bei der Übergabe. Irgendwann habe er dieses Hobby aber aus den Augen verloren. Über das Kunstprojekt der Aktivierungshilfe habe er wieder damit angefangen und ihm sei klar geworden, dass da ein Talent in im stecke. Basha hingegen hatte zuvor nicht viel mit Malen zu tun. „Wir konnten viel Neues lernen“, blickte er auf die Zeit zurück. Beide haben über die Maßnahme den Sprung zurück in die Schule geschafft und wollen dort nun einen Abschluss machen. Betreut wurden die Teilnehmenden im Projekt beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft von den Pädagogischen Mitarbeiterinnen Anne Schwarz und Linda Adler sowie den Ausbildern Rosa Scarcia und Michael Von Wehye. „Wir haben ganz viel Technik mit den Teilnehmenden erprobt“, sagte Schwarz. Auch Theorie, zum Beispiel Farbenlehre, stand auf dem Programm. Das Bild sei als Ergebnis eines gemeinschaftlichen kreativen Prozesses entstanden.
Im BIZ waren die Jugendlichen von Nikolai Boschmann, Teamleiter Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit, begrüßt worden. Er stellte heraus, dass ein solches Projekt nur durch die Zusammenarbeit vieler möglich sei und in vielen Aspekten zeige, wie ein Team etwas bewegen könne. Silvia Flügel, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit und Koordinatorin der Maßnahme zog Parallelen: „Die Entstehung eines solchen Bildes ist ein Prozess, wie auch die Berufswahl ein Prozess ist. Kleine Schritte führen irgendwann zu einem guten Ergebnis.“
Über die Aktivierungshilfe und das Kunstprojekt
Ziel der Aktivierungshilfe für Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren ist, die Teilnehmenden unter anderem durch Projekte und Praktika für eine berufliche Qualifizierung, Ausbildung oder Arbeitsaufnahme zu motivieren und sie schrittweise heranzuführen. Die Teilnehmenden bringen sehr unterschiedliche Lebensgeschichten mit. Es werden Räume geschaffen, in denen Ausprobieren erlaubt ist und persönliche Stärken entdeckt werden können. Beim Kunstprojekt konnten die jungen Menschen durch die Arbeit mit verschiedenen Materialien und Techniken, unter anderem Acrylmalerei und Spachteltechniken, konnten die Teilnehmenden nicht nur handwerkliche Fähigkeiten entwickeln, sondern auch ihre Kreativität entfalten und eigene Ideen sichtbar machen. Darüber hinaus wurden Ausdauer, Konzentration und Teamfähigkeit gefördert. „Oft braucht es einfach Menschen, die an sie glauben und ihnen zeigen, dass sie Potenziale haben“, sagte Meslissa Kussner, Koordinatorin für das berufsvorbereitende Programm beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.
Im gemeinsamen Arbeiten entstanden zudem neue Formen des Miteinanders. Die Teilnehmenden unterstützten sich gegenseitig, gaben Feedback und lernten, Verantwortung zu übernehmen. Eingebettet war das Projekt in die umfassenden Inhalte der Aktivierungshilfe. Neben der praktischen Arbeit wurden die Jugendlichen auch bei der Entwicklung von Alltagskompetenzen, bei der Berufsorientierung sowie beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen begleitet. Ziel ist es, sie schrittweise an Ausbildung oder Beschäftigung heranzuführen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Die Bildübergabe stellte für viele Teilnehmende einen besonderen Moment dar. Sie erlebten, dass ihre Arbeit gesehen und wertgeschätzt wird, auch außerhalb des Rahmens der Maßnahme. Für das sozialpädagogische Team ist dies ein wichtiger Schritt, denn Anerkennung von außen könne ein entscheidender Impuls sein, um Motivation aufrechtzuerhalten und nächste Schritte zu gehen.
