Lokales FD 01.03.2026

Nach fast 90 Jahren schließt die Metzgerei Vey ihr Ladengeschäft

Fulda (sim) – Ein Stück Fuldaer Stadtgeschichte geht zu Ende: Die Metzgerei Vey in der Richard-Wagner-Straße schließt nach fast neun Jahrzehnten ihr Ladenlokal. Für viele Stammkunden ist dies ein Moment der Wehmut, für Inhaber Ralf Vey ein bewusst gewählter Schritt: „Wir hören nicht komplett auf, nur das Ladenlokal schließt. Unser Catering- und Partyservice VEYnest Cuisine bleibt weiterhin bestehen“, sagt der 62-jährige Unternehmer im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung.

Foto: Justin Klenner.

Die Metzgerei besteht inzwischen in der dritten Generation: Gegründet 1939 von Johan Vey, übernahm sein Sohn Hans Vey das Geschäft, bevor Ralf Vey es 29 Jahre lang führte. „Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich möchte Danke sagen – an unsere treue Belegschaft, die teilweise seit über 20 Jahren dabei ist, an meine Familie, die mich auf diesem Weg begleitet hat, und an unsere Kunden“, so Ralf Vey.

Die Metzgerei war über Jahrzehnte weit mehr als nur ein Verkaufsort. Sie betreute 17 Jahre lang die Goodyear-Cantine, fünf Jahre lang begleitete man die Fußballer von Borussia Fulda. „Da wächst man mit seinen Aufgaben, und man macht das 24/7 mit Herzblut“, erzählt Vey. Oft seien es auch die kleinen Begegnungen gewesen, die besonders geblieben sind: „Es ist schon kurios, wenn man angesprochen wird: ‚Hey, kennst du mich noch? Ich komme jetzt aus München und war damals immer schon bei euch.‘ Da merkt man, dass wir auch einfach ein Treffpunkt waren, wo sich Freundschaften entwickelt haben.“

Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert. „Das Viertel hat sich verändert, früher gab es viele Familien mit Kindern, heute auch viele alleinstehende Personen. Die Supermärkte haben alles unter einem Dach – Blumen, Fleisch, Milchprodukte. Viele machen nicht mehr den extra Weg“, so Vey. Außerdem kritisiert er die Entwicklung der Fleischbranche: „Fleisch muss man ehrlich zugeben, wurde von den großen zum ‚Ramschprodukt‘ gemacht. Da zählen andere Qualitäten.“ Hinzu kommen die Herausforderungen der letzten Jahrzehnte: Personal zu finden und gleichzeitig regionale Qualität und Handwerkskunst zu gewährleisten, sei zunehmend schwieriger geworden.

Viele Kunden fragen jetzt nach ihren Lieblingsprodukten: „Viele Kunden hatten ihre eigenen Highlights bei uns – und dann kommt die Frage: ‚Wo bekomme ich jetzt dies und jenes her?‘“ Genau aus diesem Grund überlegt Ralf Vey, künftig punktuell wieder einen Verkaufstag nach Bestellung anzubieten, um Stammkunden gezielt versorgen zu können.

Trotz aller Veränderungen blickt Ralf Vey positiv zurück: „Es war mein Leben, mein Herzblut. Es gab Höhen und Tiefen – Corona zum Beispiel legte den Partyservice lahm, aber das Lokal lief gut. Die Leute haben wieder mehr zuhause gekocht. Wir haben uns immer an die Bedürfnisse der Kunden angepasst.“

Für Ralf Vey schließt sich mit der Ladenaufgabe ein Lebenskapitel, doch die Geschichte der Metzgerei Vey lebt weiter – in Catering, Partyservice und in den Erinnerungen der Fuldaer, die über Generationen hinweg Qualität, Nähe und Herzlichkeit mit dem Namen Vey verbinden. „Wir sind jetzt in der dritten Generation. Dass wir den Laden so lange geführt haben, ist etwas Besonderes – und ich gehe mit Dankbarkeit und nicht mit einem schlechten Gefühl.“

Metzgerei Vey schließt. Fotos: Justin Klenner.