Lokales FD 14.03.2026

Minister Rainer in Wiesen – Offenes Ohr für Probleme der Landwirte

Hofbieber (sk) – Auf Einladung des Kreisbauernverbands war Bundeslandwirtschafsminister Alois Rainer am Freitag auf den Betrieb von Christian Hartmann nach Hofbieber-Wiesen gekommen. Dort hörte er sich die Probleme der Landwirte an – und versprach meist Lösungen zur Verbesserung ihrer Situation. Die Themen reichen vom Biber, über Planungssicherheit bis hin zu steuerlichen Fragen.

Von links: Alois Rainer, Sebastian Müller, Ingmar Jung, Stefan Schneider und Michael Brand. Fotos: Stefan Krug.

Von links: Peter Bleuel, Justus Beier, Stefan Schneider, Alois Rainer, Lukas Rausch und Christian Hartmann.

Der Veranstaltungstitel „Im Dialog“ war wörtlich gemeint. Ohne Eingangsstatement des Ministers stieg der Kreisvorsitzende des Bauernverbands, Stefan Schneider, nach der Begrüßung einiger Gäste wie dem hessischen Landwirtschaftsminister Ingmar Jung, Staatssekretär Michael Brand, Landrat Bernd Woide und der Landtagsabgeordneten Stefanie Klee und Sebastian Müller aus Hessen (alle CDU) sowie Petra Högl (CSU) aus Bayern, sofort in die Diskussion mit Landwirten und ihren Problemen ein.

Den Anfang machte Christian Hartmann. Er bewirtschaftet einen Gemischtbetrieb mit Kühen, Zuchtsauen und Mastschweinen direkt an der Bieber. In dieser gebe es für Anlieger durch den Biber mittlerweile massive Probleme. Dazu erläuterte Hartmann: „Wir durften jetzt einige Dämme entfernen, da Gefahr im Verzug war. Insgesamt sind es aber allein zwölf Dämme bis ins Nachbardorf. Nach nur zwei Tagen haben sie wieder angefangen zu bauen. Wir haben große Probleme bei der Bewirtschaftung durch verssumpfte Wiesen und nicht ablaufende Drainagen.” Schon vor der Veranstaltung war Minister Rainer mit ihm zu einem nur wenige Meter vom Hof entfernten Biberbau gelaufen. Rainer sprach von Zeiten als Bürgermeister, als in Bayern die Entnahme noch problemlos möglich war, bevor dies durch Gerichte untersagt wurde. Der Wolf sei mittlerweile im Jagdrecht und es gebe Probleme mit weiteren Tieren – er nannte Saatkrähen und Kormorane. Zum Biber selbst sagte er: „Der Biber ist ein Rattentier. Die vermehren sich entsprechend. Da muss man den Mut haben einzudämmen. Wen sie keine Feinde haben, müssen wir das machen.”

Justus Beier bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb in Hofaschenbach. Vor zwölf Jahren hat er einen Stall für 130 Milchkühe nach damals höchstem Tierschutzstandard gebaut. Er stellt sich angesichts sich ständig ändernder Vorschriften die Frage nach der Planungssicherheit für die Zukunft. Bei einem heutigen Neubau hätten sich gegenüber vor zwölf Jahren die Baukosten verdoppelt bei gestiegenen Zinsen. Gleichzeitig sei es in den vergangenen Jahren so gewesen, dass sich schon während der Planungsphase die Vorschriften laufend verschärft hätten. Falls dadurch immer mehr Landwirte entmutigt würden, zu investierten sieht er Probleme in der Versorgungssicherheit. Gerade dazu hatte Rainer eine deutliche Meinung: „Ich stehe zur landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.” Weiter versprach er keine weiteren neuen Vorschriften: „Da war über Jahre viel Unruhe. Wir sind gut. Bei einem zwölf Jahre alten Stall wird es aus meinem Haus keine weiteren Auflagen geben.”

Lukas Rausch aus Hünfeld-Kirchhasel ist ebenso Milchviehhalter. Angesichts stark schwankender Preise für Milch mit dementsprechend „Jahren mit hohem Gewinn und danach fast ohne Gewinn” fragte er nach dem Stand zu Rücklagen im Steuerrecht. Minister Rainer erklärte dazu: „Wir hatten vor kurzem den Milchgipfel bei mir im Haus. Bei Risikoausgleichsrücklagen gab es eine klare Meinung: Wir wollen sie alle. Ich will sie und ich fordere sie und unterstütze sie vollumfänglich.”

Letzter in der Fragerunde war Peter Bleuel aus Fulda-Oberrode, Ackerbauer und Mastschweinehalter. Den Betrieb bewirtschaftet er als GbR mit seinem Sohn. Diese überlegen sie aufzugeben, wegen der vielen Auflagen, Vorschriften und geforderten Dokumentationen und Nachweise. Gleichzeitig würden Verschärfungen im Pflanzenschutzrecht zu Angst vor Ertragsausfällen durch invasive Arten und Krankheiten führen. Auch zu den von Beier genannten Baukosten hatte er eine klare Meinung: „Wir müssen aufhören mit der CO2-Bepreisung, die den Beton unverhältnismäßig verteuert.” In Hessen gebe es nur noch 180 Sauenhalter und 560 Schweinehalter, da stelle sich die Frage, was langfristig mit dem Futtergetreide geschehen soll – immerhin 50 Prozent der Getreideanbaufläche. Bleuel forderte: „Es müssen Zeichen für Zuversicht gesetzt werden.” Alois Rainer begann beim Thema CO2-Bepreisung: „Das war überall heute Thema. Das nehme ich mit. Hoffnung kann ich da keine machen.” Verbesserung versprach er bei manchen bürokratischen Hürden. So soll der verpflichtende Kurs zur Schadnagerbekämpfung, für jeden Landwirt vier Tage Aufwand mit Kosten von mehreren hundert Euro, in die Kurse zur Weiterbildung im Pflanzenschutz integriert werden. Insgesamt beklagte auch Rainer den Aufwand, vieles davon komme von der EU: „Überbordende Bürokratie macht die jungen Leute mürbe.” In seinem Ministerium beginne er mit dem Abbau, indem eine von acht Abteilungen geschlossen worden sei und ausscheidendes Personal nicht wieder ersetzt werde.

In seinem Abschlussstatement betonte der Minister noch einmal, wie wichtig ihm der Bürokratieabbau ist: „Die hat sich nicht in dreieinhalb Jahren aufgebaut. Das geht seit Jahrzehnten.” Bei einer neuen Düngeverordnung versprach er „eine große Lösung”, die händelbar für alle sein soll. Als Erfolg sieht er es, dass seit kurzem wieder Schweinefleisch in die USA geliefert werden darf, ebenso nach Südamerika. Auch China nehme wieder Hühnerteile: „Mir ist es wichtig, dass wir durch Export die Märkte verbreitern.” Nicht unerwähnt ließ er die Rücknahme der Beschlüsse der Ampelregierung zur Steuererhöhung beim Agrardiesel – vor zwei Jahren der Grund der Bauernproteste. Auch die Stromsteuer für Landwirte habe die Regierung zurückgeführt auf europäisches Niveau. Zum Schluss bekannte er sich klar zur Heimat als Ort, an dem man wohnt und wo es Ehrenamt gebe. Hier nannte er dann auch den Musikverein Margretenhaun, der die Veranstaltung vor Beginn und zum Abschluss musikalisch begleitete.