Lokales 12.03.2026

Migros zieht sich zurück – Edeka übernimmt Teile der tegut-Gruppe

Zürich (jah/pm) – Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) hat beschlossen, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen, um ihre Kräfte vollständig auf den Schweizer Markt zu konzentrieren. Im Rahmen dieser strategischen Neuausrichtung hat die GMZ einen Vertrag mit Edeka zur Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe unterzeichnet. Mit weiteren bekannten deutschen Marktteilnehmern ist die GMZ in fortgeschrittenen Verhandlungen. Der Fokus aller Verhandlungen liegt darauf, nachhaltige Lösungen für die Mitarbeitenden, die Kundschaft und die Standorte zu finden (update).

Symbolfoto: Christine Görlich

Das Logistikzentrum in Michelsrombach geht offenbar ebenfalls an Edeka. Foto: Pascal Fischer

Annabel Ott, Mediensprecherin von Migros, erklärt gegenüber Osthessen-Zeitung: „Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. Erst nach Vorliegen des Beschlusses des Bundeskartellamts können wir verbindliche Auskünfte zu einzelnen Filialen erteilen. Die Arbeitsplätze in den rund 300 Tegut-Märkten, wo der Großteil der Mitarbeitenden innerhalb der Tegut-Gruppe arbeiten, sollten erhalten werden können. Edeka übernimmt einen wesentlichen Teil der Märkte mit ihren Verkaufsmitarbeitenden. Bis die Übernahmen vom Bundeskartellamt freigegeben und die Übernahme der Käufer geklärt sind, werden die Läden unverändert weiterbetrieben. Wir streben zudem einen möglichst lückenlosen Wechsel zum Nachfolgekonzept an.“

Nach Informationen der Lebensmittel-Zeitung sichert sich Edeka gut die Hälfte der 300 Filialen, Rewe solle demnach ebenfalls eine hohe zweistellige Anzahl erhalten.

Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) hat im Rahmen der Sanierung der Tegut-Gruppe eine strategische Neubeurteilung vorgenommen. Trotz massiven Kosteneinsparungen, welche die operativen Verluste der Tegut-Gruppe im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte reduziert haben, verschärfte sich das Marktumfeld in Deutschland weiter und führte zu rückläufigen Umsätzen. Die umfassende Analyse der Situation hat deutlich gemacht, dass Tegut unter diesen Bedingungen mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig ist.

Verschiedene Gespräche mit Mitbewerbern zur Übernahme einzelner Tegut-Standorte im Zuge der Sanierung, gepaart mit den Erkenntnissen der strategischen Marktanalyse, haben die GMZ dazu bewogen, den Rückzug aus Deutschland zu beschliessen. Die Option einer Gesamtübernahme von Tegut durch einen Händler, der bisher nicht im deutschen Markt präsent ist, hat sich dabei als nicht umsetzbar erwiesen. Bei den daraufhin vertieften Gesprächen mit Handelsketten aus dem deutschen Markt standen von Beginn weg die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze und die Fortführung der Filialen im Mittelpunkt der Überlegungen.

„Die Entscheidung, Tegut zu veräußern, ist uns äußerst schwergefallen. Das große Engagement der Kolleginnen und Kollegen in den herausfordernden vergangenen Monaten verdient meinen höchsten Respekt. Dennoch hat die Analyse eindeutig gezeigt, dass eine Gesamtveräußerung unter den aktuellen Marktbedingungen die beste langfristige Perspektive für alle Beteiligten bietet – insbesondere für die Mitarbeitenden aber auch für die Kundinnen und Kunden“, erklärt Patrik Pörtig, Geschäftsleiter der Migros Zürich.

Mit Edeka wurde bereits eine Einigung erzielt und ein entsprechender Vertrag ist unterzeichnet. Der Vertrag umfasst die Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe. Dazu gehören ein wesentlicher Teil des Filialportfolios mit den Vertriebsmitarbeitenden, das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei sowie die Smart Retail Solutions, Betreiberin der Teo-Standorte in Deutschland. Parallel dazu führt die Migros Zürich Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern, um eine Lösung für die Zukunft möglichst aller Standorte zu gewährleisten.

Über den Kaufpreis wurde zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Übergabe der Filialen an Edeka sowie weiteren Marktteilnehmern steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung durch das Bundeskartellamt, das die wettbewerbsrechtlichen Aspekte der Transaktion prüft. Die GMZ bittet um Verständnis, dass aufgrund der Vertraulichkeit aktuell keine weiteren Details zu den Filialstandorten und den laufenden Gesprächen mit weiteren Interessenten bekannt gegeben werden können.

Die finanziellen Auswirkungen der Transaktion werden im Jahresabschluss 2025 sichtbar sein, der am 24. März veröffentlicht wird. Die Gesamtabwicklung führt zu außerordentlichen Aufwänden, die das Ergebnis der Genossenschaft Migros Zürich und der Migros-Gruppe belasten werden.