Lokales VB 27.03.2026

Kriminalstatistik: Osthessen ist eine der sichersten Regionen Hessens

Fulda (pk/pm) – Die Bürgerinnen und Bürger in Osthessen können sich sicher fühlen – das war die zentrale Botschaft bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Polizeipräsidiums Osthessen. Polizeipräsident Michael Tegethoff präsentierte gemeinsam mit Kriminaldirektorin Kathi Klemann am Donnerstag die Zahlen vor und gab zudem einen Ausblick auf zukünftige Schwerpunktsetzungen. „Wir werden in unseren Anstrengungen nicht nachlassen und weiterhin für eine gute Präventionsarbeit und intensive Kriminalitätsbekämpfung einstehen, damit sich unsere Bürgerinnen und Bürger in Osthessen sicher fühlen“, so Tegethoff.

Von links: Kriminaldirektorin Kathi Klemann, Polizeipräsident Michael Tegethoff und Christoph Seibert, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Fotos: Paul Kukula.

Die Kernbotschaften der diesjährigen Statistik verdeutlichen die positive Entwicklung: Das Straftatenaufkommen ist weiterhin rückläufig und im vergangenen Jahr um mehr als 500 Taten von 18.961 auf 18.435 Fälle zurückgegangen. Die Häufigkeitszahl – als Indikator für die Kriminalitätsbelastung einer Region – liegt mit 4182 Straftaten pro 100.000 Einwohnern deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 6002 und zeigt damit eindrucksvoll, dass sich die Menschen in Osthessen sicher fühlen können. Auch die Aufklärungsquote von 67,5 Prozent liegt auf einem konstant hohen Niveau, das osthessische Präsidium ist damit auch in diesem Jahr Spitzenreiter in Hessen. Trotz rückläufiger Gesamtfallzahlen ist die Häufigkeitszahl gegenüber dem Vorjahr statistisch leicht gestiegen, da laut der Zensus-Daten von 2022 im Jahr 2025 in den osthessischen Landkreisen weniger Menschen lebten als in den Vorjahren angenommen.


Leichte Zunahme der Straßenkriminalität

Erfreuliche Werte können auch zur Entwicklung der Jugendkriminalität vermeldet werden, da diese im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent gefallen und damit weiterhin rückläufig sind. Die Straßenkriminalität hat im vergangenen Jahr leicht zugenommen (2301 auf 2516 Fälle), wobei nahezu 80 Prozent auf Diebstähle sowie Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen entfielen. Körperverletzungs- und Raubstraftaten im öffentlichen Raum machen hingegen nur einen geringen Anteil aus (181 bzw. 41 Fälle). Raubstraftaten insgesamt sind im 20-Jahres-Vergleich um nahezu die Hälfte zurückgegangen; auch im vergangenen Jahr konnte eine leichte Abnahme verzeichnet werden. Rauschgiftdelikte sind im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen (1258 auf 835 Fälle). „Das ist mit Sicherheit auf die Teillegalisierung zurückzuführen“, erklärte Klemann. Dennoch wird die osthessische Polizei nicht müde, in diesem Deliktsbereich den Kontrolldruck – auch auf drogenbeeinflusste Verkehrsteilnehmer – hochzuhalten und insbesondere den Rauschgifthandel zu bekämpfen.

40 Prozent der Einbruchsversuche scheitern

Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat sich im vergangenen Jahr leicht erhöht (212 auf 231 Fälle), wobei auch die Aufklärungsquote um 1,8 Prozent auf 26,8 Prozent gesteigert werden konnte. Jeder vierte Wohnungseinbruch in Osthessen wird aufgeklärt. Erfreulich sei, dass die Langfinger in 40 Prozent aller Fälle scheiterten und die Taten nicht vollenden konnten. „Technische Sicherung wird in den Haushalten immer mehr ein Thema“, so Klemann. Zudem sei der Erfolg kriminalpolizeilichen Beratungen und einer aufmerksamen Bevölkerung in Osthessen zu verdanken.

 

Anstieg bei der Internetkriminalität

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte sind gegenüber dem Vorjahr von 4064 auf 3830 Fälle gesunken. Der überwiegende Anteil in dieser Deliktsgruppe machen die Betrugsstraftaten aus (77 Prozent). Die Internetkriminalität ist hingegen von 1788 auf 2005 Fälle gestiegen und zeigt, dass Kriminalität immer digitaler wird und sich mehr und mehr in die Anonymität des Netzes verlagert. Die Aufklärungsquote liegt in diesem Bereich auf einem konstant hohen Niveau von 84 Prozent. Geldautomatensprenger machten um Hessen einen weiten Bogen. Das ist nicht nur eine landesweite Feststellung, sondern kann auch für Osthessen unterstrichen werden. Im vergangenen Jahr gab es in Osthessen keine Geldautomatensprengung. Dies sei auf die Anstrengungen der Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes zurückzuführen, die es in ihrer Gesamtheit geschafft haben, Sprengungen zu verhindern sowie wirksam gegen organisierte Banden vorzugehen.


Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung auf konstantem Niveau

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bewegen sich auf einem konstant hohen Niveau (730 Fälle), ebenso die Aufklärungsquote von 87 Prozent. Hinsichtlich dieser Delikte gebe es in der Bevölkerung eine hohe Sensibilität, was zu einem gesteigerten Anzeigeverhalten führe. Auch die Meldungen der Provider führen zu dem hohen Fallaufkommen. Erst jüngst hat der Fall eines Erziehers einer Kindertagesstätte im Vogelsbergkreis für Aufsehen gesorgt, die Ermittlungen hierzu erfolgen in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Gießen.


Alle vorsätzlichen Tötungsdelikte aufgeklärt

Die Straftaten gegen das Leben sind gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel gesunken (31 auf 22 Fälle), wobei im Jahr 2025 elf vorsätzliche Tötungsdelikte zu verzeichnen waren. Alle vorsätzlichen Taten konnten aufgeklärt werden (fünf Vollendungen, sechs Versuche). Der Fund eines toten Säuglings in einer Gefriertruhe in Heringen, das Tötungsdelikt in Wildeck sowie der Mord in einer Spielothek in Fulda hatten im vergangenen Jahr besonders für Aufsehen gesorgt. Die verantwortlichen Personen sind nach aufwendigen und akribischen Ermittlungen bereits verurteilt worden bzw. stehen derzeit vor Gericht.


Mehr politisch motivierte Straftaten

Der landesweite Trend einer Steigerung der politisch motivierten Kriminalität (PMK) bildet sich auch in Osthessen ab: Trotz eines insgesamt geringen Aufkommens von 374 Fällen im Jahr 2025 waren zuletzt Steigerungen in den Bereichen PMK-rechts (+52 Fälle), PMK-links (+17 Fälle) sowie PMK-ausländische Ideologie (+16 Fälle) festzustellen. Der überwiegende Teil entfällt auf Sachbeschädigungen an Wahlplakaten, Beleidigungen und Straftaten im Internet. Ähnliche Entwicklungen gibt es bei Angriffen auf Amts- und Mandatsträger (Anstieg von 31 auf 40 Fälle). Betroffene erhalten bei der Polizei feste Ansprechpartner sowie Sicherheitsberatungen.

 

Messereinsatz durch Waffenverbotszonen signifikant gesunken

Im Jahr 2025 kam es zudem zu 131 Straftaten zum Nachteil von Polizeivollzugsbeamten (245 geschädigte Polizisten). Auch gegenüber der Feuerwehr und den Rettungsdiensten kam es zu Angriffen. Der Polizeipräsident betonte, dass sämtliche Einsatzkräfte Schutz und Rückhalt der Gesellschaft verdienen. Zur Stärkung der Sicherheit im öffentlichen Raum werden die Innenstadtoffensiven und Waffenverbotszonen in Fulda und Bad Hersfeld fortgeführt. Hier gibt es positive Nachrichten: Der Einsatz von Messern ist in Bad Hersfeld um 72 Prozent und in Fulda um 37 Prozent signifikant zurückgegangen. „Wir haben gute Zahlen – zurücklehnen werden wir uns aber nicht“, erklärte Tegethoff.  

 

Zukünftige Schwerpunkte: Wohnungseinbrüche und Sozialkriminalität bekämpfen

Neben der Repression ist die Präventionsarbeit eine Schwerpunktaufgabe der hessischen Polizei. Jede im Vorfeld verhinderte Straftat bedarf keiner Ermittlungsbefassung und trägt so positiv zur Steigerung des Sicherheitsempfindens bei. Auch die osthessische Polizei beteiligt sich am landesweiten Programm „Gemeinsam sicher in Hessen“, so werden beispielsweise zielgruppenorientierte Beratungen und Veranstaltungen durchgeführt. Mit dem Präventionsformat „Digital Native“ werden insbesondere Kinder und Jugendliche zum sicheren Umgang mit den Medien und dem Internet angesprochen. Im Kontext der landesweiten Schwerpunktesetzungen wird es neben der Bekämpfung des Wohnungseinbruchs sowie des Linksextremismus in Osthessen in enger Abstimmung mit den Netzwerkpartnern Maßnahmen zur Eindämmung der Sozialkriminalität geben (unter anderem Beteiligung an landesweiten Aktionstagen). Darüber hinaus wird die Sicherheit im öffentlichen Raum weiterhin in den Fokus genommen und durch gezielte Maßnahmen begleitet. Hierzu zählen insbesondere die Innenstadtoffensiven und Waffenverbotszonen in Fulda sowie Bad Hersfeld.

 

Zahlen aus den Landkreisen

Landkreis Fulda

Die Zahl der registrierten Straftaten stieg im Landkreis Fulda im Vergleich zum Vorjahr leicht an auf 9836 Fälle (2024: 9544 Fälle). Die Aufklärungsquote liegt bei 68,2 Prozent und damit weiterhin auf einem konstant hohen Niveau. Ein wichtiger Indikator für die Sicherheitszahl in einer Region ist die Häufigkeitszahl. Sie liegt im Landkreis Fulda bei 4425 Straftaten pro 100.000 Einwohnern und damit deutlich unter der Zahl des gesamten Bundeslandes Hessen von 6002.

 

Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg liegt die Zahl der registrierten Straften mit 4442 Fällen deutlich unter dem Vorjahresniveau von 5437 Fällen. Der Rückgang um ganze 995 Taten ist eine Kumulation aus verschiedenen Straftatengruppen (Betrug, Diebstahl, Körperverletzung, Beleidigung, Verstöße Betäubungsmittelgesetz mit Cannabisprodukten). Die Aufklärungsquote liegt bei 65,9 Prozent und bleibt damit weiterhin auf einem konstant hohen Niveau. Die Häufigkeitszahl, ein wichtiger Indikator für die Sicherheit in einer Region, ist mit 3783 Straftaten pro 100.000 Einwohnern in einem deutlich positiven Bereich zu verorten (Land Hessen: 6002).

 

Vogelsbergkreis

Für den Vogelsbergkreis konnten im vergangenen Jahr 4157 Fälle registriert werden (2024: 3980 Fälle). Mit einer Häufigkeitszahl von 4109 Straftaten pro 100.000 Einwohner, die als wichtiger Indikator für die Sicherheit in einer Region dient, ist der Vogelsbergkreis deutlich unter dem Landesschnitt von 6002. Die Aufklärungsquote liegt bei 67,4 Prozent und damit nur geringfügig unter der des Vorjahres (68,5 Prozent).