Die erfolgsverwöhnten Offenbacher Fans haben es derzeit nicht leicht: Eigentlich war der OFC – im Grunde wie in jedem Jahr seit dem Abstieg aus der dritten Liga in der Saison 2012/2013 – als Aufstiegsaspirant in die Regionalliga-Spielzeit gestartet. 25 Spieltage, eine Trainerentlassung und einen Managerwechsel später kämpfen die Offenbacher jedoch darum, den Sturz in den Amateurfußball zu verhindern. Ganz anders dagegen die SG Barockstadt: Die Mannschaft von Daniyel Cimen konnte von den bislang fünf Restrundenspielen drei gewinnen, bei einem Remis ging lediglich der Jahresauftakt gegen Schott Mainz verloren – der OFC hat im gleichen Zeitraum magere zwei Pünktchen gesammelt.
Cimen nimmt die Partie im Hessenpokal-Halbfinale natürlich aber trotzdem nicht auf die leichte Schulter und warnt vor dem kommenden Gegner: „Der Pokal ist nochmal ein eigener Wettbewerb und es gibt genug Beispiele, wo Pokal und Liga nicht ineinander gelaufen sind. Wir wissen, dass Offenbach immer noch eine absolute Wucht ist, sie haben nach wie vor eine sehr gute Mannschaft“, betont Cimen und relativiert auch die jüngsten Niederlagen der Offenbacher etwas: „Sie haben in den letzten Spielen wirklich ein bisschen Pech gehabt, unter anderem mit Verletzungen und Sperren, sie mussten viel wechseln. Ich denke da an den Platzverweis gegen Großaspach oder die Gelb-Rote Karte in Freiberg“, erläuterte der SGB-Coach. Beim Tabellenführer der Regionalliga unterlag der OFC am Wochenende mit 0:2, war aber eine knappe halbe Stunde in Unterzahl und kassierte in dieser Phase das vorentscheidende, zweite Gegentor. „Das Spiel hätte anders laufen können“, sagt Cimen, der die Partie zusammen mit seinem Trainerteam analysierte: „Das war eine richtig gute Auswärtsleistung, von der Chancenanzahl und der Chancenqualität waren sie nicht schlechter als Freiberg. Momentan läuft viel gegen sie, das Spielglück ist nicht auf ihrer Seite. Es gibt aber dennoch überhaupt keinen Grund, den OFC zu unterschätzen.“ Vor allem sei es schwierig, die Offenbacher nach dem kürzlich erfolgten Trainerwechsel von Kristjan Glibo hin zu Mark Zimmermann einzuschätzen. „Sie haben gegen Großaspach und Freiberg zwei verschiedene Systeme gespielt, deswegen ist es schwierig, sich da systemtechnisch auf irgendwas einzustellen. Aber wir werden vorbereitet sein“, kündigt Cimen an.
Die Fuldaer reisen nach den jüngsten Ligaergebnissen ohnehin mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen an den Bieberer Berg: „Wir stellen uns natürlich auch auf die Fans dort ein, aber im Endeffekt bleiben wir bei uns und fokussieren uns auch nur auf uns. Wir haben es in den letzten Wochen gut gemacht und wollen das auch wieder auf den Platz bringen. Wir wollen die Gelegenheit beim Schopf packen“, gibt sich der Barockstadt-Trainer angriffslustig – immerhin könnte schon der Finaleinzug für die Teilnahme am DFB-Pokal berechtigen, wenngleich dieses Szenario beinhaltet, dass Wehen Wiesbaden in Liga drei am Saisonende unter den ersten vier Teams landet – der SVW hat aktuell allerdings sechs Punkte Rückstand auf Platz vier. „Das ist bei uns aber noch nicht in den Köpfen“, betont Cimen: „Das sind einfach zu viele Spekulationen, wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt und auf das, was wir beeinflussen können – und das ist unsere Leistung.“ Personell bleibt bei der SGB alles beim Alten: Kevin Hillmann, Tim Korzuschek und Max Stadler fehlen, „ansonsten gibt es kleinere Blessuren vom Wochenende, aber ich gehe fest davon aus, dass der Rest mit dabei sein wird“, so Cimen abschließend.
Osthessen-Zeitung begleitet natürlich auch das Hessenpokal-Halbfinale der SGB in Offenbach, der Liveticker startet gegen 18.45 Uhr. Wer die Partie live verfolgen möchte, kann das über den YouTube-Kanal des Hessischen Fußball-Verbandes tun – dort wird das Halbfinale kostenfrei übertragen. Darüber hinaus hat die SG Barockstadt bereits im Vorfeld der Partie fleißig die Werbetrommel gerührt und die Vereine der Region eingeladen, die SGB vor Ort in Offenbach im Gästeblock zu unterstützen – da die Fuldaer gegen den OFC in dunkelblau spielen werden, wünscht sich der Verein auch von den Unterstützern entsprechende Kleidung in dunkelblau oder schwarz. „Wir möchten dieses Spiel gewinnen und erstmals in unserer Vereinsgeschichte in das Finale des Hessenpokals einziehen, um im besten Fall der Region seit langer Zeit wieder ein DFB-Pokal-Spiel zu schenken“, heißt es von Vereinsseite.
