Die Demonstration beginnt am Samstag um 10 Uhr am Parkplatz Aueweiher und führt nach Johannesberg, wo dann die zentrale Kundgebung und das Demokratiefest stattfinden sollen. Ziel der Organisatoren ist es, ein klares Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, demokratiefeindliche Positionen und gesellschaftliche Spaltung zu setzen. Die Polizei geht nach derzeitigen Erkenntnissen von einer bis zu vierstelligen Teilnehmerzahl aus und bereitet sich auf die Einsatzlage vor: „Hierzu werden Erfahrungen und Erkenntnisse aus bisherigen und vergleichbaren Einsatzlagen herangezogen sowie eine fortlaufende Bewertung sichergestellt. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse fließen in die Planung mit ein und das Sicherheitskonzept wird dabei fortlaufend an die gewonnenen Erkenntnisse angepasst“, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen. Wie in vergleichbaren Fällen erfolge auch ein enger Austausch mit der Stadt Fulda. „Die Polizei wird alles dafür tun, dass die Versammlungen sicher und friedlich verlaufen und dass der Rechtsstaat zur Geltung kommt. Dazu gehört auch der Schutz von Versammlungsrechten und der körperlichen Unversehrtheit von Beteiligten“, so der Polizeisprecher. Dazu werde die Polizei mit einer angemessenen Anzahl an Kräften vor Ort sein, um auf veränderte Situationen reagieren zu können. Unterstützung erhält die osthessische Polizei von Beamten des Hessischen Polizeipräsidiums Einsatz.
Poseck appelliert: Friedlich und auf dem Boden des geltenden Rechts handeln
In verschiedenen Bundesländern ist es seit Dezember vergangenen Jahres zur Gründung von Landesverbänden der „Generation Deutschland“ gekommen. Wie das Hessische Innenministerium ausführt, habe es dabei Gegenproteste gegeben, die zumeist ohne größere Vorkommnisse verlaufen seien. Auch der Bundesverband der AfD-Jugendorganisation war im November 2025 in Hessen gegründet worden. „Das Wochenende in Fulda wird aller Voraussicht nach nicht die Dimension haben, die wir Ende November in Gießen erlebt haben. Während in Gießen Gegendemonstranten wegen der hohen symbolischen Bedeutung eines neuen Bundesverbandes aus ganz Deutschland angereist waren, dürfte das Geschehen in Fulda vor allem eine landesweite Dimension haben, sagt der Hessische Innenminister Roman Poseck: „Dennoch wird die Polizei auch am Samstag wieder sehr wachsam sein. Sie bereitet sich unter der Leitung des Polizeipräsidiums Osthessen akribisch auf den Einsatz vor. Die Polizei wird am Samstag in Fulda mit einem Großaufgebot im Einsatz sein, um den Rechtsstaat umfassend zur Geltung zu bringen. Dazu gehört, die Rechte von allen Beteiligten zu wahren. Das Recht auf Versammlung steht auch der AfD-Jugendorganisation zu.“
Gegen den Gründungskongress rege sich nicht nur zivilgesellschaftlicher Protest, auch innerhalb der linksextremistischen Szene in Hessen werde, laut Poseck, für eine entsprechende Anreise mobilisiert. „Das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen steht anlässlich des Gründungskongresses im fortlaufenden Austausch mit den Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder sowie mit der hessischen Polizei“, so der Innenminister. Zur anstehenden Gründung des Landesverbands sagt er: „Ich verstehe die Besorgnis vieler Menschen vor rechtsextremen Gefahren für unsere Demokratie und unsere Sicherheit. Die neue Jugendorganisation hat bereits bei ihrer Gründung in Gießen auch ein rechtsextremes Gesicht gezeigt. Dieses wird schon in der Person des Bundesvorsitzenden verkörpert.“ Daraus ergebe sich aber keinerlei Rechtfertigung für Übergriffe oder rechtswidrige Blockadeaktionen. „Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Gegenproteste müssen sich im rechtlich zulässigen Rahmen bewegen. Es ist Aufgabe der Polizei einzuschreiten, sofern dieser Rahmen verlassen wird“, macht er deutlich und ruft auf: „Ich appelliere an alle Beteiligten, friedlich und auf dem Boden des geltenden Rechts zu handeln. Rechtswidrige oder gar gewalttätige Aktionen von Gegendemonstranten sind nicht nur Angriffe auf unseren Rechtsstaat. Aus meiner Sicht erweisen sie auch dem nachvollziehbaren Protest gegen extremistische Gefahren einen Bärendienst. Ich erwarte von allen Beteiligten, dass sie mit den Einsatzkräften respektvoll umgehen. In Gießen hat es in nicht unerheblichem Maße gegenteilige Erscheinungen gegeben. Das sollte sich in Fulda nicht wiederholen.“ In Gießen hatten bei verschiedenen Gegenveranstaltungen rund 25.000 Menschen demonstriert, darunter waren – wie das Innenministerium im Dezember mitgeteilt hatte – auch circa 1000 gewaltbereite Personen. Teilweise war es zu Krawallen gekommen, bei denen nach damaligen Schätzungen über 50 Polizeibeamte verletzt worden waren. Für die Veranstaltung in Johannesberg werde derzeit von einer breiten hessenweiten Mobilisierung ausgegangen. Eine Mobilisierung über Hessen hinaus sei bislang nicht feststellbar.
AfD-Kreisverband distanziert sich schon jetzt von möglichen Eskalationen
Der AfD-Kreisverband Fulda distanziert sich schon im Vorfeld von möglichen Unruhen oder Eskalationen und erklärt dazu in einer Pressemitteilung: „Die AfD ist ausschließlich Veranstalter der Versammlung in den vorgesehenen Räumlichkeiten. Auf mögliche Versammlungen, Aktionen oder Entwicklungen im öffentlichen Raum außerhalb dieser Veranstaltung besteht kein Einfluss. Eine Verantwortung hierfür wird nicht übernommen. Sollte es im Umfeld zu Spannungen oder Störungen kommen, gehen diese nicht von der eigenen Veranstaltung aus.“ Der Kreisverband sehe die aktuelle Entwicklung mit Sorge, unter anderem der Umfang der Mobilisierung trage aus seiner Sicht nicht zur Deeskalation bei. Die eigene Veranstaltung sei hingegen überschaubar organisiert und in vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit ruhig verlaufen. Auch für das kommende Wochenende werde ein geordneter Ablauf innerhalb der vorgesehenen Räumlichkeiten ausgegangen.
