Der Internationale Frauentag steht weltweit für den Einsatz für gleiche Rechte, Selbstbestimmung und ein Leben frei von Gewalt. Auch in Fulda wollten die Organisator*innen darauf aufmerksam machen, dass strukturelle Ungleichheiten, Diskriminierung und Gewalt für viele Menschen weiterhin zum Alltag gehören. Die Kundgebung sollte daher ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen.
Schon am frühen Nachmittag füllte sich der Platz mitten in Fulda mit Demonstrierenden, Interessierten und Engagierten. Neben Redebeiträgen bot das Programm Informationsstände, Mitmachaktionen und Installationen. Organisationen wie das feministische Kollektiv Feminista oder das Vollbunt-Gewerkschaftsbüro stellten ihre Arbeit vor. Eine Pinnwand lud Besucher*innen dazu ein, eigene Erfahrungen oder Anliegen aufzuschreiben, während eine Installation vor den Ständen verschiedene Formen von Gewalt sichtbar machte.
Frauke Goldbach, Mitgründerin des Kollektivs Feminista und Pressesprecherin der Veranstaltung, betonte im Gespräch die zentrale Botschaft des Tages. „Das Wichtigste ist heute gemeinsame Solidarität mit FinTA, die hier in Deutschland Gewalt erleben oder Ungerechtigkeiten ausgesetzt sind – aber auch mit Menschen in anderen Ländern“, sagte sie. Der feministische Kampf müsse intersektional gedacht werden. „Das ist intersektional und weltweit“, betont Goldbach.
Neben Solidarität gehe es auch darum, Missstände sichtbar zu machen und politische Veränderungen anzustoßen. „Es geht darum, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen und zu schauen: Welche Gesetze reichen noch nicht aus oder werden nicht konsequent umgesetzt?“, erklärte Goldbach. Als Beispiel nannte sie die weiterhin bestehende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen: „Es gibt zwar Regelungen zum Gender Pay Gap – aber trotzdem existiert er weiterhin.“
Zugleich solle der Tag Mut machen. Viele Menschen fühlten sich angesichts von Gewalt gegen Frauen und marginalisierte Gruppen oft ohnmächtig. „Viele sitzen zu Hause und denken: Es passiert so viel in der Welt – was kann man überhaupt tun?“, sagte Goldbach. Umso wichtiger sei es, gemeinsam sichtbar zu sein: „Wir sind viele, wir stehen zusammen ein – redet darüber, seid laut.“ Die zentrale Botschaft bringe es letztlich auf einen einfachen Punkt: „Frauen sind auch Menschen. Und wir wollen auch als solche behandelt werden.“
Auf der Bühne folgten im Laufe des Nachmittags mehrere Redebeiträge zu Themen wie Intersektionalität, Awareness oder rechtlichen Fragen – unter anderem zur sogenannten „Nur-Ja-heißt-Ja“-Thematik. Redebeiträge kamen unter anderem von Anna Kleespies, Nahid Rauf, Charlotte Emilx, Aisha und Gabriele Wolf. Zudem gab es einen offenen Redebeitrag einer größeren Gruppe, bei dem verschiedene Menschen ihre persönlichen Einsichten und Erfahrungen zum Thema Feminismus teilten.
Versammlungsleiterin Anna Kleespies vom Bündnis 08. März hob die Bedeutung des gemeinsamen Auftretens hervor. „Viele Vereine und Organisationen haben sich heute zusammengeschlossen. Sie stehen im Kern für ähnliche Rechte, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte“, erklärte sie. Gerade dieses gemeinsame Auftreten sende ein wichtiges Signal: „Zu zeigen, dass wir uns solidarisieren – das ist sehr wichtig.“
Der Veranstaltung waren mehrere Vorbereitungstreffen vorausgegangen, bei denen Vertreter*innen unterschiedlicher Gruppen gemeinsam das Programm auf die Beine gestellt hatten.
Nach der Kundgebung auf dem Uniplatz setzte sich der Protest schließlich auch in Form einer Demonstration durch die Innenstadt fort. Bereits angekündigt ist zudem eine weitere Aktion: Am Montag um 15 Uhr ist eine zusätzliche Demonstration geplant. Dabei soll insbesondere das Thema Frauenstreik im Mittelpunkt stehen – und die Frage, welche Auswirkungen es hätte, wenn Frauen ihre Arbeit niederlegen.
