Noch dominieren Baugerüste, Handwerker und Baulärm das Bild in der Frankfurter Straße in Fulda. Doch schon in wenigen Monaten sollen hier die ersten Gäste einchecken: Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Filzfabrik entsteht ein neues Hotel der Marke „Sleepy Sleepy“ mit über 200 Betten. Eigentümer der Immobilie ist der Fuldaer Unternehmer Hubertus Rützel, der das Gebäude bereits im Jahr 2020 erworben hat. „Wir sind damals auf das Objekt aufmerksam geworden und hatten von Anfang an den Plan, daraus ein Hotel zu entwickeln“, sagt Rützel. Ursprünglich war für das Projekt ein Investitionsvolumen von rund acht Millionen Euro vorgesehen. Inzwischen liegt die Summe jedoch deutlich höher. „Aktuell investieren wir etwa zehn Millionen Euro – unter anderem, weil wir uns entschieden haben, das Hotel doch vollständig mit Klimaanlagen sowie moderner Luftwärmepumpentechnik auszustatten“, erklärt Rützel. Das Gebäude sei damit „auf dem neuesten Stand und zukunftsfähig ausgerüstet“.
Die Bauarbeiten laufen derzeit auf Hochtouren. Während einige Bereiche noch im Rohbau sind, nehmen andere bereits konkrete Formen an. Die markante Fassade aus den 1960er-Jahren bleibt erhalten und verbindet die Geschichte der ehemaligen Filzfabrik mit der neuen Nutzung. „Wir planen die Eröffnung im Sommer 2026“, so Rützel. Entstehen sollen insgesamt 97 Zimmer unter dem Markennamen „Sleepy-Sleepy“. Ein Vorteil: „Die Wege sind kurz, weil wir die Pächter bereits aus einem anderen gemeinsamen Projekt kennen.“
Denn: Betrieben wird das Hotel künftig von Thomas Freiwang, gemeinsam mit seinen Stiefsöhnen Sebastian Hock und Fabian Hock. Die Pächter arbeiten mit Rützel bereits im Invite-Hotel in der Heinrichstraße zusammen – und diese Zusammenarbeit hat sich bewährt. Freiwang selbst freut sich besonders darauf, das Vorhaben gemeinsam als Familie umsetzen zu können: „Wir arbeiten seit etwa sechs Jahren als Familie zusammen – Fabian und Sebastian sind für mich wie eigene Söhne“, betont Freiwang: „Deshalb ist es etwas ganz Besonderes, dieses Projekt gemeinsam umzusetzen.“
Ausschlaggebend für das Engagement in Fulda sei nicht zuletzt das Entwicklungspotenzial gewesen. „Wir sehen hier ein großes Potenzial – nicht nur für das Hotel, sondern für das gesamte Areal. Es sind weitere Projekte mit Wohnungen, Grünflächen und sogar einem Eventzentrum denkbar“, erklärt Freiwang. Auch Synergieeffekte spielten eine Rolle: „Durch Veranstaltungen und Konferenzen ergeben sich viele Möglichkeiten. Fulda ist ein attraktiver Standort, da muss man keine Bauchschmerzen haben.“
Konzeptionell soll das Hotel bewusst breit aufgestellt sein. „Wir wollen ein Haus für alle sein – jeder ist hier willkommen“, schmunzelt Freiwang. Eine klare Zielgruppenabgrenzung sei heute ohnehin schwierig: „Deshalb freuen wir uns über jeden Gast.“ Gleichzeitig hebt er die Vorarbeit des Eigentümers hervor: „Die Familie Rützel hat hier ein sehr durchdachtes Konzept entwickelt, gerade auch im Bereich Energie mit Solar und moderner Technik.“
Das Hotel wird über 97 Doppelzimmer, fünf Einzelzimmer sowie zwei große Familienzimmer verfügen. Die rund 18 Quadratmeter großen Zimmer sind funktional und modern gestaltet. Besonderes Augenmerk liegt auf der technischen Ausstattung. „Die Gäste können künftig per Smartphone einchecken und ihre Zimmertür öffnen. Außerdem lassen sich eigene Streaming-Dienste direkt über den Fernseher nutzen – das ist fast wie zuhause“, so Freiwang. Für den Standort sei das ein echtes Alleinstellungsmerkmal: „So etwas gibt es in Fulda bisher noch nicht.“ Auch beim Preis wollen sich die Betreiber bewusst positionieren. „Wir werden uns im unteren bis mittleren Preissegment bewegen“, erklärt Freiwang. Damit richtet sich das Angebot sowohl an Geschäftsreisende als auch an Städtetouristen.
Beim Bau selbst stellte vor allem der Denkmalschutz eine besondere Herausforderung dar. „Die äußere Fassade musste aufgrund des Denkmalschutzes erhalten bleiben, wir freuen uns aber, dass wir die markanten Kacheln erhalten konnten - das verleiht dem Gebäude einen ganz eigenen Charakter“, erläutert Freiwang: „Zwischen der ehemaligen Filzfabrik und der Stadt Fulda besteht ja eine gewisse traditionelle, nostalgische Verbindung. Auf diese Weise können wir das ein bisschen in unser Konzept mit aufnehmen.“
Trotz des ambitionierten Zeitplans zeigen sich die Beteiligten optimistisch, was die Eröffnung des neuen Hotels angeht: „Wir planen aktuell mit einer Eröffnung im dritten oder vierten Quartal 2026, konkret peilen wir den 1. September an“, so Freiwang. Die offizielle Eröffnungsfeier ist etwas später vorgesehen: „Eine größere Feier mit Gästen planen wir für November.“
