Mit der sogenannten „Prähabilitation“ also der „Reha-vor-einer-OP“ sollten Patienten durch gezieltes körperliches Training, Ernährungs- und psychologischer Optimierung bestmöglich auf den Eingriff vorbereitet werden. Ziel der Forscher ist es, dieses Modell zukünftig als neuen Standard in der modernen Medizin fest zu verankern. „Damit lassen wir die Zeit hinter uns, in der Patienten untätig auf ihre Operation gewartet haben“, erklärte Prof. Dr. Robert Schier, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin im Klinikum Fulda und Leiter der Studie, die Studienzentren in Köln, Mainz, Tübingen und Berlin hat. „In der PREHAB-Studie erforschen wir, wie sich gezieltes körperliches Training vor einem operativen Eingriff auswirkt. Ziel ist es, den Betroffenen zu ermöglichen, ihren Genesungsprozess aktiv zu unterstützen. Im Kern steht dabei aber eine einfache Frage: Was kann ich selbst tun, um meine Erfolgsaussichten zu steigern?“ erklärte Schier.
Die Studie untersucht die sogenannte multimodale Prähabilitation. Das bedeutet: Patienten durchlaufen in den Wochen vor beispielsweise einer geplanten Tumoroperation im Bauchraum ein intensives Vorbereitungsprogramm, das sich auf drei Komponenten bezieht: Ein gezieltes körperliches Training, optimierte Ernährung und psychologische Stärke.
Obwohl die administrative Verwaltung des Projekts bislang noch in Köln liegt, schlägt das Herz der Studie bereits in Fulda. Die Förderung, die sich auf 3,8 Millionen Euro beläuft und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bereitgestellt wurde, sind an Prof. Dr. Schier gebunden, weshalb die Steuerung der Studie bereits von Osthessen aus erfolgt.
Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstands am Klinikum Fulda, sieht darin einen Meilenstein: „Dass ein Projekt dieser Größenordnung und wissenschaftlicher Relevanz von Fulda aus gesteuert wird, unterstreicht unsere Ambitionen als hochleistungsmedizinischem Standort. Wir investieren viel in die Qualität unserer Mitarbeiter und in die technische Ausstattung, aber eben auch in die Lebensqualität unserer Patienten. Unser Ziel ist klar definiert: Wir wollen ein deutschlandweit einzigartiges „Präoperatives Zentrum aufbauen.“
Auch für die Stadt Fulda hat das Projekt eine strategische Bedeutung. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld betonte die Strahlkraft der Region: „Die Ansiedlung dieses DFG-gesteuerten Forschungszentrums ist ein klares Signal: Fulda ist ein attraktiver Standort für innovative Wissenschaft. Es freut mich besonders, dass hier Forschung betreiben wird, die unmittelbar bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommt.“
Durch die enge Verzahnung mit der Phillipps-Universität Marburg wird zudem die akademische Basis gestärkt. Prof. Dr. med Michael Hertl, Dekan des Fachbereichs Medizin in Marburg, ergänzte: „Die Kooperation zwischen Marburg und Fulda trägt Früchte. Die PREHAB-Studie ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie universitäre Spitzenforschung und die Versorgung in einem Klinikum der Maximalversorgung synergetisch zusammenwirken, um neue Versorgungsstandards zu definieren.“
Das Projektvolumen ist von ursprünglich 2,8 auf 3,8 Millionen Euro angewachsen, was primär auf ein spezielles Anreizsystem zurückzuführen ist. Langfristig verfolgen die Forscher das Ziel, die Prähabilitation als Regelleistung der Krankenkassen zu etablieren – sofern wissenschaftlich belegt werden kann, dass sie das Komplikationsrisiko senkt und die Genesung beschleunigt. So erhalte jeder Patient die Chance, bestmöglich trainiert in das ‚Rennen seines Lebens‘ zu gehen.
