Lokales FD 23.03.2026

Doppelausstellung eröffnet – Viele Besucher beim Kunstverein

Fulda (gü/pm) – Gleich zwei Ausstellungen wurden am Sonntag in den Räumen des Kunstvereins Fulda eröffnet. In der Galerie sind unter dem Titel „Schmerzgrenze“ Arbeiten von Anja Dorst, Cathrin Reiss und Victoria Wittek zu sehen. Im Projektraum geben die Urban Sketchers Fulda einen Einblick auf ausgewählte Seiten ihrer Skizzenbücher. Bei schönstem Frühlingswetter wurden die Reden bei der Vernissage draußen gehalten.

Ein Teil der Urban Sketchers, die sich regelmäßig in Fulda treffen und nun gemeinsam ausstellen. Fotos: Jasha Günther.

Von links: Victoria Wittek, Cathrin Reiss und Anja Dorst.

„Wenn so viele Menschen bei so einem tollen Wetter zusammenkommen, gibt es einen Grund – heute gibt es sogar zwei“, begrüßte Anne Härtel-Geise, Vorsitzende des Kunstvereins, die Besucher der Doppelvernissage. Zwei Ausstellungen seien kein Zufall, vielmehr würden sie die Vielfalt, das Engagement und die unterschiedlichen künstlerischen Richtungen gleichzeitig präsentieren. „Wir freuen uns sehr, diesmal die Urban Sketchers Fulda bei uns begrüßen zu können“, leitete Härtel-Geise zum ersten Laudator Wolf Mihm über. Er ist selbst Mitglied des Fuldaer Kunstvereins und Mitbegründer der Fuldaer Gruppe. Er definierte Urban Sketching als „spontane zeichnerische Dokumentation der Umgebung“. Zeichnen und Malen unter freiem Himmel gebe es schon lange. Das Neue daran sei seit einigen Jahren, dass sich die Menschen dafür in Gruppen zusammentun und ihre Ergebnisse über soziale Medien mit der Welt teilen und ein Netzwerk aufbauen – seit 2017 auch in Fulda. Beim ersten Treffen seien fünf Personen dabei gewesen, heute zähle die Gruppe rund 50 Personen, von denen bei den einmal im Monat stattfindenden Treffen rund zehn bis 20 anwesend seien. Wer mitmachen wolle, sei jederzeit willkommen, Ort und Zeit der monatlichen Treffen werden über Facebook bekannt gegeben. „Es geht nicht darum große Kunst zu produzieren“, machte Mihm Mut, es selbst einmal auszuprobieren, vielmehr sei es ein Druck auf die Pausetaste in einer schnelllebigen Zeit und das genaue Hinsehen. „Ich nenne es meditieren mit dem Stift in der Hand“, sagt Mihm, der auch Kurse im Urban Sketching anbietet.

Vom Wetter über umfallende Wasserbecher und weggewehte Blätter bis zum „Publikum“ – das Urban Sketching draußen, im öffentlichen Raum biete auch Anknüpfungspunkte zur zweiten Ausstellung, deren Titel „Schmerzgrenze“ ist, leitete Mihm über. Die Laudatio für diese Ausstellung hielt Ingo Wirth von der Hessischen Lehrkräfteakademie. Die Gemeinschaftsausstellung von drei Mitgliedern des Kunstvereins zeigt ganz unterschiedliche Werke, die sich aber alle den Momenten widmen, in denen körperliche, psychische und gesellschaftliche Extreme spürbar werden. Die Grenze wird dabei nicht als Ende gesehen, sondern als Spannungsraum, in dem Wahrnehmung geschärft und Bedeutung sichtbar wird. Anja Dorst untersucht in ihren Objekten aus Fundstücken das Verhältnis von Behalten und Loslassen, Vergangenheit und Jetzt. Materialien verlieren dabei ihre ursprüngliche Funktion und verdichten sich zu poetischen Spuren des Erinnerns. Cathrin Reiss bewegt sich mit ihren Werken an der Grenze zwischen Malerei, Material und Prozess. Risse, Spuren und Abhebungen bleiben oft sichtbar, zum Beispiel werden Papier, Farbe und Trägermaterial beansprucht und verändern sich. Victoria Wittek folgt bei ihrer Kunst den Spuren schmerzhafter Lebensabschnitte und intensiver Gefühle. Was zunächst leise erscheint, entfaltet beim genaueren Hinsehen eine überraschende Kraft. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Tim Hesselbein.

Doppelvernissage im Kunstverein. Fotos: Jasha Günther.