Lokales FD 30.03.2026

Das Ende einer Institution – Bettenhaus Köhler geschlossen

Fulda (pk) – Nach mehr als 160 Jahren Firmengeschichte schloss das Bettenhaus Köhler in der Fuldaer Löhrstraße am Samstag seine Pforten. Damit verliert die Innenstadt eine echte Institution. Irmgard Köhler, die das Geschäft gemeinsam mit ihrem Mann Franz betrieb, blickt mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die letzten Stunden des Traditionsbetriebs.

Irmgard Köhler vor dem Geschäft, dass sie über fünf Jahrzehnte gemeinsam mit ihrem Mann Franz betrieben hat. Foto: Paul Kukula.

Die Geschichte des Unternehmens reicht weit in die Vergangenheit zurück. Ein Färbermeister gründete das Familienunternehmen im Jahr 1862. Über Generationen hinweg blieb der Betrieb in Familienhand. „Jedes Familienmitglied hat sich immer dem Zeitgeist angepasst“, erklärt Irmgard Köhler rückblickend. So wandelte sich das Sortiment im Laufe der Jahrzehnte von Babybekleidung über Herrenhemden und Unterwäsche bis hin zu Polstern. Als Franz Köhler das Unternehmen im Jahr 1972 übernahm, spezialisierte sich das Ehepaar auf den aufkommenden Trend zum gesunden Schlafen und bot hochwertige Produkte in diesem Segment an. Dabei war es beiden eine Herzensangelegenheit, stets auf höchste Qualität und eine individuelle Beratung zu setzen.

Nun endet diese Ära nach mehr als fünf Jahrzehnten. Irmgard Köhler (76) und Franz Köhler (78) treten ihren wohlverdienten Ruhestand an. „Wenn wir jetzt noch jünger wären, kämen wir nie auf die Idee, den Laden zu schließen“, so Irmgard Köhler. Mit Blick auf nun anstehenden Einzug der Projekte unter dem Dach der „L14zwo“ zeigt sich die Inhaberin jedoch sehr glücklich: „Wir freuen uns richtig, dass hier junge Leute reinkommen – die sprühen vor Ideen.“ In dieser Hinsicht überwiege das lachende Auge, auch wenn der Abschied schwerfällt.

Die letzten Stunden im Laden waren für die Inhaberin schön: „Ich hatte so nette Gespräche gehabt, die Kunden machen es mir leicht“, berichtet Köhler gerührt. Viele Besucher bedankten sich für die langjährige Treue und brachten Präsente wie Blumen mit. „Die letzten Stunden sind enorm – die Gespräche sind so persönlich“, so die Betreiberin weiter. Es wurde sich umarmt und verabschiedet. Dennoch sei es kein Abschied für immer, da sich die Wege in Fulda sicher wieder kreuzen werden – die Stadt sei „Gott sei Dank nicht so groß“. Irmgard Köhler möchte auf diesem Weg ausdrücklich „Danke“ sagen für die vielen schönen Worte und Gesten der vergangenen Tage.

Im Bettenhaus Köhler gab es nicht nur Beratung und Verkauf, sondern von Zeit zu Zeit auch Kunst und Kultur. „Die schönsten waren immer die Lesungen im Bett mit Musik“, erinnert sich die Irmgard Köhler an die Veranstaltungen zurück. Auch Drucke wurden mit Unterstützung von Bernd Baldus von der Kunststation Kleinsassen realisiert. Und eins bleibt natürlich besonders in Erinnerung: „Die fünfte Jahreszeit“, sagt die 76-Jährige. An Karneval sei regelmäßig das volle Gefolge in den Laden einmarschiert. „Das war wirklich wunderschön“, so Irmgard Köhler abschließend.

Abschied vom Bettenhaus Köhler. Fotos: Paul Kukula.