Lokales FD 25.03.2026

Bundesmilitärrabbiner Zsolt Balla in Fulda – Ausstellung eröffnet

Fulda (pm/gü) – Ein besonderer Akademieabend fand am Dienstagabend in Kooperation der Katholischen Akademie und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) statt. Der Bundesmilitärrabbiner Zsolt Balla war zu Gast und es bot sich die Gelegenheit, die neu konzipierte Ausstellung „Feldrabbiner in den deutschen Streitkräften des Ersten Weltkriegs“ zu besuchen. Die Gäste wurden von Gunter Geiger und Jutta Hamberger herzlich begrüßt.

Von links: Gunter Geiger, Zsolt Balla und Jutta Hamberger. Fotos: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge / Christiane Deuse

Rabbiner Zsolt Balla, 2021 zum ersten Bundesmilitärrabbiner ernannt, berichtete von seinem persönlichen Werdegang: Aufgewachsen in einer klassisch assimilierten jüdischen Familie in Ungarn, entdeckte er seine jüdische Identität erst mit neun Jahren. Die Wertschätzung von Bildung und eine reflektierte Erziehung seiner Mutter führten dazu, dass er nach und nach jüdische Religion und Traditionen erlernte. Bereits mit 17 Jahren reiste er nach Israel, bevor er 2002 nach Berlin ging, um an der Beis Zion-Talmud-Hochschule zu studieren. 2009 wurde er dort ordiniert.

Balla berichtete auch über seine Arbeit in der Bundeswehr: Jüdische Soldaten gibt es seit der Gründung der Bundeswehr, jedoch war lange Zeit die Mindestzahl von 1800 Soldaten pro Militärseelsorger für die jüdische Gemeinschaft nicht erreichbar. 2019 wurde diese Regelung angepasst, und 2021 wurde das Militärrabbinat offiziell gegründet. Heute wird geschätzt, dass etwa 400 jüdische Soldaten in der Bundeswehr dienen. Als Militärseelsorger steht Balla auch nichtjüdischen Soldaten beratend zur Seite; sein erstes Gespräch führte er überraschenderweise mit einem muslimischen Soldaten.

Der Abend bot zudem die Möglichkeit, die neu überarbeitete Ausstellung „Feldrabbiner in den deutschen Streitkräften des Ersten Weltkriegs“ zu besichtigen. Die Ausstellung, aufgebaut vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, ist noch bis Ende dieser Woche im Bonifatiushaus zu sehen. Ursprünglich 2009 erstmals in Berlin präsentiert, tourte sie anschließend fünf Jahre als Wanderausstellung durch Deutschland. 2014 wurde sie aktualisiert und 2025 inhaltlich ergänzt sowie optisch modernisiert.

Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der jüdischen Militärseelsorge im Ersten Weltkrieg, führt in die Entwicklung des Feldrabbinats ein und widmet sich auch den Gräbern jüdischer Soldaten, die heute mit einem Grabzeichen mit Davidstern gekennzeichnet werden sollen – ein Anliegen der „Operation Levi“, die in Zusammenarbeit mit der amerikanischen „Operation Benjamin“ durchgeführt wird. Besonderes Augenmerk liegt auf der Biografie von vier bekannten Feldrabbinern: Leopold Rosenak, Leo Baerwald, Paul Lazarus und Siegfried Alexander. Ergänzt werden die Texte durch bislang weitgehend unbekanntes Bild- und Dokumentenmaterial. Die Initiative entstand in Kooperation der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, der Leo Baeck Foundation und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., unterstützt von der Dr. med. habil. Rudolf-Wicke-Stiftung. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die Präsenz und Bedeutung jüdischer Soldaten im Ersten Weltkrieg und die Rolle der Feldrabbiner als spirituelle Begleiter und Brückenbauer zwischen religiöser Tradition und militärischem Dienst.