Mit der Segnung von jungen Menschen aus dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und weiteren katholischen Jugendverbänden auf ihrem Weg zum Demokratiefest im Fuldaer Stadtteil Johannesberg verband Bischof Dr. Michael Gerber eine klare Ermutigung an die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ihren Weg friedlich, sichtbar und gemeinsam zu gehen. Zugleich würdigte er die katholischen Jugendverbände als Räume, in denen junge Menschen Verantwortung einübten, Beteiligung erfuhren und Demokratie konkret lebten.
Gelebte Demokratie
Gerber hob die Bereitschaft der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hervor, öffentlich Haltung zu zeigen. „Ich bin dankbar, dass junge Menschen heute Verantwortung übernehmen – friedlich, sichtbar und gemeinsam“, sagte der Bischof. „Sie setzen ein Zeichen für Menschenwürde, Respekt und Zusammenhalt.“ Wer sich so friedlich und öffentlich für eine demokratische Gesellschaft einsetze, verdiene Unterstützung und Segen. Gerber stellte das Engagement der Jugendverbände dabei in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang: Demokratie, so der Bischof, lebe nicht von abstrakten Bekenntnissen, sondern davon, dass Menschen sich einbrächten und Verantwortung vor Ort übernähmen. Damit knüpfte er auch an eine Linie an, die das Bistum Fulda und die Kirchen in Hessen zuletzt wiederholt betont hatten: Demokratie lebt vom Mitmachen; jede Stimme ist ein Beitrag für Menschenwürde, Zusammenhalt und eine gute Zukunft vor Ort.
Menschenwürde als Maßstab
Zugleich verwies der Bischof auf die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“. Christlicher Glaube, so Gerber, beginne bei der Achtung vor dem konkreten Menschen und widerspreche jeder Form von Ausgrenzung und Menschenverachtung. Die deutschen Bischöfe hatten 2024 erklärt, der Rechtsextremismus sei derzeit die drängendste Gefahr für die freiheitliche Ordnung. „Als Christinnen und Christen wissen wir: Maßstab unseres Handelns ist immer der konkrete Mensch in seiner unantastbaren Würde“, sagte Gerber: „Wo Menschen herabgesetzt, ausgegrenzt oder gegeneinander ausgespielt werden, dürfen wir nicht gleichgültig bleiben.“ Mit Blick auf Entwicklungen in verschiedenen Regionen Deutschlands betonte der Bischof, Christinnen und Christen müssten früh und klar für Demokratie, Menschenwürde, Religionsfreiheit und die freiheitliche Ordnung eintreten.
Erinnerung und Verantwortung
Diesen Einsatz für Demokratie verband Gerber auch mit dem Auftrag zu einer angemessenen Erinnerungskultur: Erinnerung sei nicht nur Rückblick auf Vergangenes, sondern Orientierung für Gegenwart und Zukunft. „Wer aus der Geschichte lernt, wird wachsam gegenüber jeder Form von Menschenverachtung und Ausgrenzung“, sagte Gerber: „Erinnerungskultur hilft uns, heute verantwortlich zu handeln.“ Zum Abschluss ermutigte der Bischof die jungen Menschen, an diesem Tag ein sichtbares Zeichen für Respekt, Menschlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu setzen. Entscheidend sei, wie eine tragfähige Kultur des Respekts, des Zuhörens und des demokratischen Miteinanders weiter gestärkt werde. Die Beteiligung des BDKJ und weiterer katholischer Jugendverbände am Demokratiefest würdigte Gerber als Ausdruck eines Engagements, das Demokratiebildung und Erinnerungskultur als Teil kirchlicher Verantwortung begreift.
Demokratiefest in Johannesberg
Das Demokratiefest in Johannesberg ist Teil eines breiten zivilgesellschaftlichen Protests gegen die geplante Gründung eines hessischen Landesverbands der Jugendorganisation „Generation Deutschland“ im Umfeld der AfD. Veranstaltet wird es von einem Bündnis aus Initiativen, Vereinen, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und politischen Organisationen aus Fulda und der Region. Nach Angaben der Veranstalter soll es mit Demonstration, Musik, Kultur, Redebeiträgen und Infoständen ein friedliches Zeichen für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen.
