Schon zu Beginn wurde deutlich, wie ernst die Situation eingeschätzt wird. „Ich glaube, wir alle wissen, warum wir hier sind. Es geht den Apotheken in Deutschland nicht gut“, verdeutlichte Dr. Christian Gerninghaus, Inhaber der Sonnenapotheke in Schlitz. Die wirtschaftliche Lage habe sich über Jahre hinweg verschärft. Steigende Kosten bei gleichzeitig stagnierenden Einnahmen setzten viele Betriebe massiv unter Druck. „Wir arbeiten 2026 mit einem Einkommen von 2004“, brachte er die Entwicklung auf den Punkt. Die Redner machten immer wieder deutlich, dass es sich nicht um ein kurzfristiges Problem handelt, sondern um eine strukturelle Krise. Auch Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes, betonte die Dringlichkeit politischen Handelns: „Schön wäre es, wenn wir heute gar nicht hier stehen müssten und die Politik ihre Arbeit schon längst gemacht hätte. Wir sind heute hier, weil es reicht – und weil wir noch mehr Druck machen müssen.“
Die Kundgebung war geprägt von einer Mischung aus Sorge, Frustration und Kampfbereitschaft. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn zentrale Kritikpunkte angesprochen wurden. Dazu gehörten unter anderem die seit Jahren unveränderte Vergütung, zunehmende Bürokratie sowie wirtschaftliche Zwänge, die viele Apotheken an ihre Grenzen bringen. Deutlich wurde auch, dass sich viele Apothekerinnen und Apotheker in ihrer unternehmerischen Freiheit stark eingeschränkt sehen. Dr. Schamim Eckert, Vizepräsidentin der Hessischen Apothekerkammer, fand dafür klare Worte: „Wir sind nicht gescheitert, sondern wir wurden einfach im Stich gelassen.“ Sie kritisierte insbesondere die fehlenden Gestaltungsmöglichkeiten im Apothekenalltag: „Ich darf weder meine Einkaufspreise verhandeln noch meine Verkaufspreise bestimmen – das hat mit freier Marktwirtschaft nichts mehr zu tun, das ist planwirtschaftliches Systemversagen!“ Um die Situation greifbar zu machen, zog Eckert einen Vergleich und wandte sich unter anderem auch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld zu: „Stellen Sie sich vor, Sie bestellen beim Schreiner im Ort eine Küche, er baut sie, er liefert sie, er baut sie eine. Mit Material-, Energie- und Personalkosten, mit allem was dazu gehört. Und wenn es dann um die Rechnungsstellung geht, sagen Sie: ‚Alles klar, vielen Dank, ich hätte die Rechnung gerne auf dem Stand von 2004. Was glauben Sie, wie viele Küchen der Schreiner noch bauen kann?“ Genau das passiere derzeit im Apothekenwesen – mit spürbaren Folgen für die Versorgung.
Unterstützung erhielten die Protestierenden auch aus der Landespolitik. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Ralf Norbert Bartelt, würdigte die Kundgebung als wichtiges Signal: „Das, was Sie hier machen, ist eine Unterstützung für uns.“ Gleichzeitig hob er die Bedeutung der Apotheken für das Gesundheitssystem hervor und erinnerte an deren Rolle in Krisenzeiten. Neben den Redebeiträgen prägte vor allem die hohe Beteiligung das Bild der Veranstaltung. Viele der Anwesenden nahmen weite Wege auf sich, um in Fulda gemeinsam aufzutreten. Die geschlossenen Apotheken vor Ort unterstrichen die Ernsthaftigkeit des Anliegens zusätzlich. Am Ende blieb vor allem eine Botschaft: Die Apotheken wollen gehört werden – und sie erwarten konkrete politische Maßnahmen. Oder, wie es auf dem Platz mehrfach zu hören war: Ein „Weiter so“ darf es nicht mehr geben.
